Militärdrehscheibe Leipzig/Halle, 10.02.2009 (Friedensratschlag)
Dieser Internet-Auftritt kann nach dem Tod des Webmasters, Peter Strutynski, bis auf Weiteres nicht aktualisiert werden. Er steht jedoch weiterhin als Archiv mit Beiträgen aus den Jahren 1996 – 2015 zur Verfügung.

Nein zur Militärdrehscheibe Leipzig/Halle

Dokumentiert: Die IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V. verurteilt den Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle zur Militärdrehscheibe

In diesem Jahr feiert die Stadt Leipzig den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution. Dazu paßt in keiner Weise die Meldung über die militärische Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle, die in den letzten Tagen durch die Medien ging.

Die IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V. verurteilt aufs schärfste die gefährliche Entwicklung des Flughafens zum Militärdrehkreuz. Während immer mehr zivile Fluggesellschaften dem Flughafen Leipzig/Halle den Rücken kehren und damit die Passagierzahlen sinken, scheint die Zukunft des Airports fast ausschließlich im Luftfracht- und Militärbereich zu liegen. Selbst die Mitteldeutsche Airport Holding spricht beim bedeutend kleineren Flughafen Dresden vom »Gateway to Saxony«, während der selbsternannte »Interkontinentalflughafen« Leipzig/Halle im Passagierverkehr kaum noch eine Rolle spielt. Einzig und allein das US-Militär mit seinen Zwischenlandungen auf dem Flughafen scheint die Passagierstatistik noch halbwegs zu retten. Im Jahr 2007 wurden etwa 300000 US-Soldaten gezählt. Im vergangenen Jahr nutzten schon über 450000 GIs den Flughafen, bevor es in die Krisengebiete nach Afghanistan und in den Irak ging. Immerhin eine Steigerung von 50 Prozent zum Vorjahr! Und der Flughafen rechnet zukünftig mit 800000 Soldaten, die den Flughafen jährlich als Zwischenstopp nutzen sollen.

Deutschland hält sich zwar offiziell aus dem Irak-Krieg heraus, aber daß der Freistaat Sachsen mit den Zwischenlandungen von US-Soldaten am Flughafen Leipzig/Halle 5,5 Millionen Euro verdient haben soll, läßt starke Zweifel an der Glaubwürdigkeit unserer Politiker aufkommen. Statt dessen müssen wir feststellen, daß dem Flughafen und seinen öffentlichen Gesellschaftern, allen voran dem Freistaat Sachsen, Profit wichtiger ist als Menschenrechte. Dabei ist die unzumutbare Gesundheitsgefährdung der Flughafenanwohner gerade durch die lauten US-amerikanischen Militärtransporter der Typen MD 11 und DC 10 fast noch ein Kavaliersdelikt. Es geht um die Ermordung von mindestens 100000 irakischen Zivilisten durch die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten (Beweis: www.iraqbodycount.org). Es ist völlig klar: Der Flughafen ist ein Kriegsgewinnler. Die permanente Menschenrechtsverletzung im Irak und in Afghanistan wird mit unseren Steuergeldern finanziert!
  • Wir sagen nein zur militärischen Nutzung des Flughafens!
  • Wir sagen nein zur Unterstützung völkerrechtswidriger Kriege!
  • Der Vertrag mit den US-Militärs muß sofort gelöst werden!
  • Diese Flüge dürfen nicht länger auf deutschem Boden stattfinden!
Die IG Nachtflugverbot Leipzig/Halle e.V. fordert die verantwortlichen Politiker aller Parteien dazu auf, endlich ihr ängstliches Schweigen zu brechen und sich offen gegen die militärische Nutzung des Flughafens Leipzig/Halle zu stellen. Herr Oberbürgermeister Jung, sorgen Sie ganz persönlich, auch als Christ, dafür, daß das Ansehen Ihrer Stadt als Stadt der friedlichen Revolution nicht durch die unmittelbare Unterstützung völkerrechtswidriger Kriege beschmutzt wird. Die Unterstützung der Fluglärmgegner ist Ihnen dabei sicher. Sorgen wir gemeinsam dafür, daß von Leipzig nie wieder Krieg ausgeht.

* Aus: junge Welt, 9. Februar 2009


Zur Seite "Militärstandorte, Stützpunkte"

Zur Seite "Friedensbewegung"

Zurück zur Homepage