Hiroshima-Tag 2013 Wien: Grußbotschaften, 07.08.2013 (Friedensratschlag)
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Wien, 6. August 2013: Von Bundespräsident Heinz Fischer bis Konstantin Wecker

Stimmen für eine Welt ohne Atomwaffen, ohne Krieg und ohne AKWs


In der österreichischen Hauptstadt Wien findet - wie in vielen anderen Städten dieser Welt - jedes Jahr zum 6. August eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) statt. Die Organisatoren, darunter Andreas Pecha, Sonja Jamkojian und Alois Reisenbichler - für die Besucher des Friedenspolitiuschen Ratschlags in Kassel keine Unbekannten - schaffen es immer wieder, zu dieser Veranstaltung in Wien Grußbotschaften aus aller Welt zu erhalten. Bis zum 6. August 2013 00:00 Uhr sind 340 solcher Botschaften eingetroffen.
Im Folgenden dokumentieren wir eine kleine Auswahl daraus. Alle Grußadressen sind auf www.hiroshima.at veröffentlicht.

Hier also Grußadressen von:

Dr. Heinz Fischer

Der Bundespräsident

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Friedensfreunde!
Ich möchte zunächst herzlich danken, dass die Wiener Friedensbewegung und die Hiroshima-Gruppe Wien auch heuer zum Friedensmarsch eingeladen haben, und Sie alle dieser Aufforderung gefolgt sind.

Sie gedenken der Opfer der beiden Atombombenabwürfe auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im August 1945 und treten darüber hinaus mit guten Argumenten für eine atomwaffenfreie Welt und eine Welt ohne Krieg ein.

Das sind große Ziele, die zu erreichen noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit erfordert.

Ich bin daher dankbar für Ihr öffentlich sichtbares Engagement. Nicht zuletzt deshalb, weil ich mich auch als Bundespräsident verpflichtet fühle, im Rahmen meiner Aufgaben und Möglichkeiten für eine Entwicklung einzutreten, die sich an Frieden und Angstfreiheit, an nachhaltiger Entwicklung und freundschaftlichem Miteinander von Völkern und Nationen orientiert.

Nur die ältesten Generationen können sich heute noch persönlich an die furchtbaren Nachrichten im August 1945 erinnern, als über Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen wurden, mit verheerenden Auswirkungen und den immer noch sichtbaren Folgeschäden.

Jährlich kommen neue Opfer hinzu. Es sind Menschen, die auch heute – so viele Jahrzehnte später – an den Folgen der damaligen Verstrahlung sterben.

Es ist wichtig, daran zu erinnern. Ebenso wichtig ist es, dass auch die jungen Generationen in unserem Land die Gefahren von Atomwaffen kennen. Diese sind immer noch eine permanente Bedrohung, trotz nachhaltiger Proteste und weltweiter Bemühungen um ihre Reduzierung und letztlich völlige Vernichtung.

Meine Damen und Herren!

Wenn Sie mit Ihrer Lichter-Aktion heute auf Wiens Straßen präsent sind, so zeigt Ihr Einsatz, dass wir wach bleiben müssen, um – wo immer wir können – eindeutig und nachdrücklich für den Frieden einzutreten.

Wir sind ja auch alle, jeder einzelne von uns, im Rahmen seiner Möglickeiten für den Zustand der Welt mitverantwortlich.

Sie genauso wie ich.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und für Ihre Weitsicht, und ich verbinde das mit herzlichen Friedensgrüßen!

Heinz Fischer


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Prof. Dr. h.c. Egon Bahr

Grußbotschaft für das Friedensbüro Wien

Die Entdeckung der Atomspaltung kann nicht mehr aus der Welt geschafft werden. Alle Länder dürfen sie nutzen. Ihr schrecklicher Missbrauch bleibt unauslöschlich mit den Namen Hiroshima und Nagasaki verbunden. Die Vernichtung aller Atomwaffen muss das Ziel der Politik sein. Selbst dann weiß die Welt noch nicht, wie sie vor dem mehr als 10.000 Jahre strahlenden Abfall sicher sein kann. Die Menschheit erfindet Mittel zu ihrer Zerstörung, ohne sie beherrschen zu können.

Noch bevor wenigstens die Vernichtung aller Atomwaffen erreicht ist, hat unser Jahrhundert das grenzenlose Internet hervorgebracht. Viele Menschen nutzen seine Annehmlichkeiten, aber sind mit dem schrecklichen Missbrauch konfrontiert, der Cyberwar genannt wird. Über die Fähigkeiten zur elektronischen Kriegsführung verfügen Amerika, Russland, China und Israel und haben das schon erprobt, ohne sich dagegen schützen zu können. Die unsichtbare elektronische Gewalt kann die Wirtschaft und die Gesellschaft lähmen ohne vor zerstörerischen Gegenschlägen sicher zu sein. Die Menschheit hat ein globales Mittel zu ihrer Zerstörung erfunden, ohne es beherrschen zu können. Das könnte der Zwang werden, den Geist der Konfrontation zu verbannen und durch globale Zusammenarbeit kontrollierbar zu garantieren, damit daraus keine globale Katastrophe wird. Nur die Politik kann es schaffen, die Gefahren zu beherrschen, welche die Wissenschaft produziert hat.

Das Internet ist das zweite Beispiel nach der Atomspaltung geworden, dass die Verantwortung der Politik unentbehrlich ist, um den Missbrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verhindern.

Wir können uns selbst abschaffen, wenn wir das Klonen von Menschen nicht verhindern, den Kampf gegen Atomwaffen nicht beherrschen und Cyberwar nicht gemeinsam global verhindern können.


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Dr. Michael Bünker

Bischof, Evangelische Kirche A.B.

Weltweit gibt es rund 129.000 Atomsprengköpfe, davon werden 4.400 in Einsatzbereitschaft gehalten. Die anerkannten Atommächte (China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA) scheinen entschlossen, bis in unbestimmte Zeit Nuklearmächte zu bleiben. Dies gilt auch, obwohl zwischen den USA und Russland durch den neuen START-Vertrag die Arsenale verringert werden und Präsident Obama nach wie vor an seiner Vision einer atomwaffenfreien Welt festhält. Gleichzeitig bleibt die Situation mancher Atommächte undurchsichtig. Manche Staaten modernisieren ihre Waffensysteme und die Warnungen vor einem „Atomterrorismus“ wollen nicht verstummen. Der Ökumenische Rat der Kirchen (Weltkirchenrat) hat in seinem Aufruf zum gerechten Frieden aus dem Jahr 2011 unmissverständlich festgehalten, dass der Besitz und Einsatz von Massenvernichtungsmitteln aus christlicher Sicht „kategorisch und endgültig“ abzulehnen ist. Deshalb setzen sich die Kirchen weltweit allgemein für Abrüstung und besonders für die Reduktion und endgültige Abschaffung aller nuklearen Massenvernichtungsmittel ein. Das Gedenken der unzähligen Opfer von Hiroshima und Nagasaki gebietet es, in diesem Einsatz nicht nachzulassen.


Prof. Dr. Andreas Buro

Für Zivile Konfliktbearbeitung, gegen Atomwaffen. Ein Grußwort für Wien

Viele sagen: Wenn wir den Kapitalismus überwinden, würde diese Welt ihre Probleme friedlich lösen können. Sicher hat der Kapitalismus Kolonialkriege und imperialistische Weltkriege in einem unerhörten Ausmaß bewirkt. Neue Ebenen des Krieges werden vorbereitet und schon erprobt. Drohnen killen überall in der Welt. Cyberwar wird bereits gegen Iran eingesetzt. Weltraumkriege sind in Vorbereitung. Den Gewalt- und Mordphantasien der Politiker und des Militärs sind offenbar keine Grenzen gesetzt.

Doch es gibt in der Geschichte keine Gesellschaftsformation, die nicht auf Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen gesetzt hätte. Deshalb müssen wir alle lernen, unsere Interessen mit zivilen Mitteln und mit der Bereitschaft zu Kooperation und Kompromiss zu vertreten. Sonst sind die großen Katastrophen unvermeidbar. Es reicht also nicht, sich nur zu erinnern, sondern auch für Wege zum Frieden einzutreten. Dafür Beispiele aus Deutschland:

Beispiel Rüstungshaushalt: Er liegt bei etwa 34 Mrd. €. incl. versteckter Ausgaben. Die Ausgaben für Zivile Konfliktbearbeitung (ZKB) betragen etwa zwischen 20 - 30 Mill. € = 0,07 %. Friedensfördernd wäre es, den Haushalt für zivile Konfliktbearbeitung auf Kosten des Militärhaushaltes jährlich zu verdoppeln und somit eine Dynamik für Zivil einzuleiten

Beispiel Rüstungsexport: BRD liefert an Israel U-Boote und ebenso an Ägypten, sowie an Saudiarabien u. a. Panzer

Friedensfördernd wäre es, die Rüstungsexporte zu stoppen. Die Rüstungskonzerne auf Umweltziele umzustellen und hierfür die bisherigen Rüstungsgelder einzusetzen.

Beispiel Hochschulen: Konzerne spendieren Gelder für Forschung, Unis erforschen dafür Rüstungsgrundlagen. Ihre Resultate gehen billig zurück an die Konzerne. Zu Recht wehren sich dagegen die Studentinnen und Studenten.

Friedensfördernd wäre es, die Konzerne angemessen zu besteuern und daraus die Forschung an den Hochschulen zugunsten der Lebensverhältnisse aller BürgerInnen zu finanzieren.

Beispiel Militär im Inneren: Das Bundesverfassungsgericht erlaubt den Militäreinsatz im Inneren zusammen mit der Polizei gegen die Bevölkerung.

Friedensfördernd wäre es, das Grundrecht auf Demonstration zu stärken und den Verfassungsschutzämter, so man sie nicht besser ganz auflöst, ein rechtes Auge einzusetzen. Oder gilt bei uns noch immer der Satz des preußischen Königs von 1848:“Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“?

Beispiel Kriegsführung in Übersee: Die Bundeswehr ist und wird systematisch zu einer Angriffsarmee im internationalen Feld umgestaltet, obwohl das Grundgesetz sie nur für die Verteidigung vorgesehen hat.

Friedensfördernd wäre es, keine Drohnen, keine Kriegsschiffe und keine neuen Kampfflugzeuge als Träger für die Büchel-Atomwaffen zu kaufen, sondern das Geld als zivile Hilfe den vielen Kriegsflüchtlingen und den Völkern zu geben, die den arabischen Frühling erkämpft haben, damit daraus ein wirklicher Frühling wird. Frieden und Sicherheit sind nur durch eine Politik der Kooperation und nicht durch eine Politik der Konfrontation zu erreichen.

Beispiel Somalia: Wir reden viel über gescheiterte Staaten. Somalia ist einer. Dort klauen westliche Trawler Fische und zerstören damit die Lebensgrundlage der Somalier. Dafür klauen die Somalier Schiffe. Friedensfördernd wäre es, die westlichen Trawler abzuziehen und den Somaliern zu helfen, ihre Fischerei aufzubauen. Statt militärische Eingriffe der so genannten internationalen Gemeinschaft auf das Territorium Somalias auszuweiten.

Beispiel I: Atomwaffen in Büchel: Dort lagern noch etwa 20 US-Atomwaffen, die nicht einmal eine militärische Funktion haben. Sie sollen teuer modernisiert werden, wie auch die deutschen Trägerwaffen. Der tiefere Sinn dieses unsinnigen Vorhabens scheint zu sein, Deutschland bei passender Gelegenheit in den Rang einer Atommacht aufsteigen zu lassen. Verschrotten wäre friedenspolitisch sinnvoll.

Beispiel II. Atomwaffen in Nah- und Mittelost: Israel hat 200 - 300 Atomwaffen und ist nicht dem Sperrvertrag beigetreten. Iran hat keine Atomwaffen und ist dem Sperrvertrag seit langer Zeit beigetreten und wird von der IAEO kontrolliert. US-Geheimdienste melden, Iran habe seine Pläne für Atomwaffenbau bereits Anfang dieses Jahrhunderts aufgegeben. Trotzdem treiben Israel und im Hintergrund die USA zum Krieg gegen Iran.

Friedensfördernd wäre es, Iran einen Nichtangriffsvertrag in Verbindung mit einer strikten Kontrolle durch die IAEO anzubieten, die Sanktionen gegen Iran zu beenden und endlich eine atomwaffenfreie Zone in Mittel- und Nahost einzurichten, in die auch die israelischen Atomwaffen einbezogen werden.

Fair wäre es, Präsident Obama den Nobel-Preis abzuerkennen. Den hat er sich bisher weder im Irak, in Afghanistan noch beim Drohneneinsatz verdient. Er könnte ihn aber wieder bekommen, wenn er einen Krieg gegen Iran durch ernsthafte Verhandlungen verhindert.


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Prof. Dr. Ulrich Duchrow

Vorsitzender KAIROS Europa

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde
Sie veranstalten zum 6. August wieder ihre traditionelle Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki durchführen. Dieses Ereignis kennzeichnet den Beginn des Endes der modernen europäischen Zivilisation. Sie ist charakterisiert durch Völkerraubmord seit 1492 in der Verbindung von Kapitalismus und Imperialismus, verbunden mit einer Wissenschaft und Technik, die vor nichts zurückschreckt.

Auf diesem Hintergrund scheint es mir wichtig, dass sich die Friedensbewegung mit den sozialen und ökologischen Bewegungen verbindet. Die Vielfachkrise (Energie, Rohstoffe, Ernährung, Erwerbslosigkeit, Finanzsystem, Klimakatastrophe usw.) hat einen gemeinsamen systemischen Kern, den wir überwinden müssen, um zu einer neuen Kultur des Lebens in gerechtem Frieden zu kommen.

In diesem Sinn sendet Kairos Europa Ihnen solidarische Grüße und Wünsche.

Ulrich Duchrow


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Fritz Edlinger

Generalsekretär der „Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ und Herausgeber der Zeitschrift „International“

Ich möchte meine heurige Grußadresse zu einigen kritischen, leider auch selbstkritischen, Feststellungen zur Verantwortungslosigkeit und dem machtpolitischen Zynismus der weltweiten Machteliten aber auch zur Schwäche und Orientierungslosigkeit der internationalen Friedensbewegung nutzen. Natürlich ist es wichtig, an Gedenketagen wie den heutigen auf die immense Gefahr atomarer Rüstung hinzuweisen, und ich möchte auch gerne meine Hochachtung für die unermüdliche Aufklärungsarbeit der Österreichischen Friedensbewegung zum Ausdruck bringen.

Ein Tag wie der heutige soll aber auch Gelegenheit geben, über die gegenwärtige Situation nachzudenken und die immensen Gefahren eines außer Kontrolle geratenen Militarismus aufzuzeigen. Meines Erachtens besteht die Gefahr, dass mehr und mehr verschiedene internationale Krisenherde in Afrika und Asien einen umfassenden und globalen militärischen Konflikt auslösen. Zum einen ist der von den USA nach dem Schock des 11. September 2001 unter völlig falschen Voraussetzungen begonnene „Krieg gegen den Terror“ dafür verantwortlich, zum anderen drohen interkulturelle, interreligiöse und regionale Konflikte außer Kontrolle zu geraten. Letzteres hat bereits zu einer Reihe gewaltsamer Konflikte geführt, deren Ausgang mehr als ungewiss ist und die zunehmend auch eine weltweite Bedrohung darstellen. In diesem Zusammenhang ist auch die verantwortungslose und auf den eigenen Machterhalt ausgerichtete Vorgangsweise großer Teile der herrschenden Eliten in Afrika und Asien zu verurteilen, welche den Wunsch nach Freiheit, sozialen Fortschritt und Demokratie ihrer Völker missbrauchen und für eigene Interessen ausnützen. Leider spielen die USA und einige ehemalige europäische Kolonialmächte dabei eine äußerst fragwürdige und verantwortungslose Rolle.

So sehr es wichtig und erfreulich ist, dass Gedenktage wie der heutige abgehalten werden, so darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die weltweite Friedensbewegung in einem äußerst bedauerlichen und schwachen Zustand ist. Wir sollten daher unsere Abscheu vor der Bedrohung der Menschheit durch atomare Rüstung im Besonderen und menschenfeindlichem Militarismus im Allgemeinen auch dazu nützen, wieder verstärkt für die humanen und politischen Ziele der Internationalen Friedensbewegung zu werben. Die Welt benötigt nötiger denn je eine aktive und machtvolle Friedensbewegung in den Metropolen der Macht aber auch in den Staaten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.


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Matthias-W. Engelke

Vorsitzender des Internationalen Versöhnungsbundes/deutscher Zweig

Fasten für eine Welt ohne Atomwaffen

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
seit dem 2. August findet mein diesjähriges öffentliches Fasten für eine Welt ohne Atomwaffen, für die Beendigung der nuklearen Teilhabe Deutschlands und für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland statt.

Dies ist mein viertes öffentliche Fasten dieser Art.

Vor Beginn des ersten Fastens habe ich erklärt: Solange Atomwaffen in Deutschland lagern, werde ich jedes Jahr einen Tag länger fasten.

Weil das Gedenken an die Opfer des Atombombenabwurf auf Nagasaki am 9.8. den Abschluss dieser Fastenaktion bilden soll, fängt in diesem Jahr das Fasten bereits am 2.8. an, in diesem Jahr vor dem Bundeskanzleramt in Berlin. Es wird vom 5. bis zum 9. August in Büchel/Südeifel vor dem Atomwaffenstützpunkt der Bundeswehr fortgesetzt. Im Anschluss folgt am 11./12. August eine 24-Stunden-Musikblockade der Tore des Atomwaffenstützpunktes in Büchel. Vielleicht ist es einigen von Ihnen und Euch noch möglich dazu zu kommen? Es gibt ein Friedenscamp, um ganz in der Nähe übernachten zu können. Informationen dazu sind zu finden auf der Webseite von atomwaffenfrei.de: Herzlich willkommen!

In diesem Jahr ist die Fastenaktion ein trinationales Fasten mit Freunden und Freundinnen der Friedensarbeit in England und Frankreich. Und ich weiß, dass nicht wenige schon seit Jahren in der Zeit vom 6. bis zum 9. August im Verborgenen fasten.

Mein Fasten ist ein Bußfasten. Ich versuche die Motive und Gründe zu ergründen und zu verstehen, die dazu führen, dass Menschen Atomwaffen entwickeln, sie konstruieren, transportieren, warten, mit ihnen üben, die Befehle zu ihrer Pflege und möglicherweise Einsatz geben und derer, die politische Verantwortung dafür tragen, dass Atomwaffen immer noch in Europa und weltweit stationiert sind. Ich möchte die Menschen erreichen, die mittelbar und unmittelbar mit Atomwaffen zu tun haben und lade dazu ein umzukehren und gemeinsam den Weg zu gehen, der zu einer atomwaffenfreien Welt beiträgt. Dieser Weg – das habe ich von Jesus von Nazareth gelernt – ist ein Weg des Friedens, wenn er mit Frieden anfängt und nicht mit Abschreckung und Drohung blockiert wird.

Mein Fasten und meine Gebete gelten der Aufgabe, die Weigerung zu überwinden, mit dazu beizutragen, dass unsere Welt frei von der nuklearen Gewalt auf Erden wird. Die nukleare Energie ist auf den Sternen zu Hause – aber nicht auf dem Planeten Erde, nirgendwo.

In unseren Andachten gedenken wir der Opfer durch die Atombombenopfer in Hiroshima und Nagasaki von 1945, den Opfern der Atombombentests vor Ort und durch den Fall-out weltweit, den Opfern durch Uranbergbau und den Opfern durch Katastrophen in Atomkraftwerken rund um unseren Globus. Unsere Erde und alle ihre Lebewesen sind bereits seit Jahrzehnten im Schwitzkasten der Atomindustrie, der Atomrüstungsindustrie, der Atomlobby, der Atomwaffenlobby und der militärischen Einheiten zur Lagerung und Anwendung von Atomwaffen und ihrer politischen Führungen. Eine Befreiung aus dieser Unterdrückung ist m. E. nur möglich, wenn wir selbst den Weg der Umkehr gehen und ich erkenne wie ich z. B. mit meinem Schweigen und meiner Untätigkeit mit dazu beigetragen habe, dass diese weltweite Atom-Herrschaft entstehen konnte. Ich vertraue der Kraft der Güte, der Kraft der Wahrheit und der Liebe im gewaltfreien Kampf dem Ziel für eine atomwaffenfreie Welt näher zu kommen. Den politischen Entscheidungsträgern die Zustimmung zu ihrem Atomkurs, gleich ob im militärischen oder im zivilen Bereich zu entziehen, ist bereits ein Schritt.


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Dompfarrer Toni Faber

Dompfarre St. Stephan

Krieg beraubt Menschen ihrer Würde. Atomwaffen aller Art machen den Menschen Angst. Unfrieden zerstört – Häuser, Familien, Hoffnungen.

Wir sehnen uns nach Frieden, nach Gerechtigkeit, nach Menschlichkeit. Beginnen wir im Kleinen! Setzen wir Zeichen in unserem jeweiligen Alltag. Sagen wir einander, was wir gut am anderen finden. Geben wir Dauer-Konflikten und Rachegedanken keine Chance. Raffen wir uns auf, Zeichen der Versöhnung zu setzen; manchmal genügt schon ein Lächeln statt eines bösen Blickes.

Schweigen wir nicht darüber, dass es immer mehr, statt weniger Atomwaffen gibt. Setzen wir uns ein für eine Welt, die auf Waffen aller Art verzichten kann. Denn Frieden ermöglicht Zukunft.

Ihr dankbarer Dompfarrer Toni Faber.


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Bundeskanzler Werner Faymann

Grußbotschaft anlässlich des Hiroshima-Gedenktags 2013 am 6. August

Wir gedenken heute zum 68. Mal des Abwurfs der beiden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Am 6. August 1945 wurde zum ersten Mal die schreckliche und vernichtende Kraft von Kernwaffen im Kriegseinsatz offensichtlich – 400.000 Menschen wurden getötet. Viele von ihnen starben erst Wochen, Monate und Jahre später. Selbst 1990 waren noch neun Prozent der Krebserkrankungen in Japan direkt auf die Bombenabwürfe zurückzuführen.

Das Bekenntnis zum Frieden ist eine der Grundfesten der Sozialdemokratie. Bertha von Suttner hat einmal gesagt: „Nicht unseren Vorvätern wollen wir trachten, uns würdig zu zeigen – nein: unseren Enkelkindern!“ Diese Worte der großen Friedensnobelpreisträgerin sind nach wie vor Handlungsmaxime. Wir wollen eine bessere, eine friedlichere Welt hinterlassen. Wir wollen keine Atomwaffen, die den Wahnsinn von Hiroshima und Nagasaki zigfach wiederholen können. Das heißt, das Gedenken an die Opfer zu ehren und sich aktiv für den Frieden einzusetzen. Mein Dank gilt der Hiroshima-Gruppe Wien und der Wiener Friedensbewegung, die sich genau dieser Arbeit widmen.


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Erich Foglar

ÖGB-Präsident

Tag für Tag einsetzen, dass Hunger, Gewalt und Krieg der Vergangenheit angehören

Anlässlich des 68. Jahrestages des Atombombenabwurfs über Hiroshima erinnert der ÖGB daran, dass wir uns noch stärker für eine gewaltfreie Welt einsetzen müssen, in der Nuklear- und Massenvernichtungswaffen der Vergangenheit angehören. Es ist gut, dass US-Präsident Barack Obama in seiner diesjährigen Rede in Berlin betonte, dass er für weltweite nukleare Abrüstung eintritt. Nichtsdestotrotz ist die Gefahr durch Massenvernichtungswaffen noch immer sehr hoch. Syrien zum Beispiel ist im Besitz chemischer und biologischer Waffen, andere Länder arbeiten an deren Weiterentwicklung.

Um ein friedliches Miteinander zu schaffen, muss das Augenmerk auch auf jene Probleme und Gefahren gerichtet sein, die die Menschen tagtäglich bedrohen: Armut und Arbeitslosigkeit steigen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sagt der Eurozone in ihrem Beschäftigungsausblick bis Ende des kommenden Jahres eine Arbeitslosenquote von 12,3 Prozent voraus.

Große Teile der Welt sind noch immer im Würgegriff der Finanzjongleure. In vielen Staaten werden nach wie vor Sozialleistungen gekürzt. An eine Reduktion der Militärausgaben denkt jedoch niemand. Obwohl nur ein kleiner Teil dieser Ausgaben reichen würde, um Hunger und Armut in den ärmsten Ländern der Welt wirksam zu bekämpfen.

Der ÖGB bekennt sich seit seiner Gründung zur Sicherung des Weltfriedens. Weltweit kämpfen GewerkschafterInnen täglich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und für einen gerechten Anteil der ArbeitnehmerInnen am erwirtschafteten Wohlstand. Der Nährboden für soziale Spannungen und Kriege sind heute zunehmend wachsende Ungleichgewichte, die Schieflage in der Verteilung und die daraus resultierende Verarmung immer größerer Schichten der Bevölkerung. Das Gedenken an Hiroshima ist ein Auftrag, uns Tag für Tag dafür einzusetzen, dass Hunger, Gewalt und Krieg in unserer Gesellschaft der Vergangenheit angehören müssen.


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Eva Glawischnig, Bundessprecherin, Alev Korun, Sprecherin für Außenpolitik und Menschenrechte, Judith Schwentner Sprecherin für Entwicklungspolitik - Die Grünen

Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,

vor 68 Jahren, im August 1945, wurden die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki von Atombomben zerstört. Mehrere hunderttausend Menschen starben unmittelbar durch die Explosionen oder in den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten an den Folgen der radioaktiven Strahlung. Leider wird bis heute an unterschiedlichen Orten der Welt immer wieder Krieg geführt. Und es sind immer die Menschen, die für viele Jahre und im Fall von Hiroshima und Nagasaki sogar Jahrzehnte unter den Folgen des Krieges zu leiden haben.

Die Überlebenden litten nicht nur unter gravierenden gesundheitlichen Problemen bzw. mussten damit rechnen, zu erkranken. Die sogenannten „Hibakusha“ wurden auch sozial ausgegrenzt und hatten es beispielsweise schwer, Ehepartner zu finden.

Der Super-Gau im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat der Welt im März 2011 die unermesslichen Gefahren der Atomkraft erneut vor Augen geführt. Hunderttausende Menschen mussten ihre Heimat verlassen, wurden umgesiedelt.

Der Jahrestag der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki ist Anlass, sich bewusst zu machen, dass es notwendig ist, den Auswirkungen dieser Katastrophe immer gewahr zu bleiben. Dieses Gedenken soll uns eine Warnung sein – besonders in Zeiten, in denen immer wieder über eine Renaissance der Atomkraftnutzung einzelner Staaten der Erde berichtet wird und sich die Atomwaffenstaaten immer noch gegen atomare Abrüstung wehren.

Allen Menschen, die sich weltweit für nukleare Abrüstung und den Ausstieg aus der Atomkraft einsetzen, wollen wir auf diesem Wege unseren Dank und unsere Anerkennung aussprechen. In unseren Gedanken sind wir bei den Angehörigen der zahllosen Opfer der vielen Kriege, die geführt wurden und leider immer noch geführt werden. Wir hoffen sehr, dass es trotz aller Widrigkeiten gelingen möge, einen Verzicht auf Atomwaffen durchzusetzen und einen dauerhaften Frieden für die Menschen zu erreichen.

Wir werden weiterhin alles daran setzen, dass andere Staaten, die EU und letztlich die internationale Staatengemeinschaft die riskante Nutzung der Atomtechnologie auf allen Ebenen beenden.

Wir verbleiben mit friedlichen umweltfreundlichen Grüßen und sagen:

Sayonara Genpatsu!
Atomkraft? Nein Danke!


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Dr. Michael Häupl

Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien

So lange es auf dieser Welt Krieg, Terror und Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen gibt, so lange dürfen die Stimmen des Friedens und die Stimmen der Vernunft nicht ruhen. Die verheerende Katastrophe in Fukushima hat erneut deutlich gezeigt, dass selbst die friedliche Nutzung der Atomkraft mit schrecklichen und nicht akzeptablen Risiken verbunden ist.

Und genauso wie diese Technologie abzulehnen ist, muss man bewaffneten Auseinandersetzungen auf politischer Ebene entschieden entgegentreten. Das gebieten die Menschlichkeit und der Glaube an eine friedliche Zukunft aller Menschen auf diesem Planeten. Denn Friede ist unteilbar, Friede bedeutet Einigkeit, Solidarität und Mitmenschlichkeit.

Ich übermittle allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie dem Organisationsteam der Gedenkveranstaltung meine besten Wünsche.


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Mag. Evelyn Messner

Präsidentin, Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung, Stadtschlaining, Burg

Nunmehr sind beinahe 70 Jahre vergangen, seit die Abwürfe der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki unendliches Leid über die Bewohner dieser Städte gebracht haben. Aber immer noch gibt es Atomwaffen und sie sind stärker und zerstörerischer als je zuvor. Wenngleich alle Staaten beteuern, sie nicht anwenden zu wollen, so ist doch das Zerstörungspotential von einer derartigen Größe, das unsere Erde wohl auf immer unbewohnbar würde, kämen sie zur Anwendung. Aber nicht nur im Bereich der Waffen liegt eine riesige Gefahr, auch die Nutzung der Nuklearenergie für friedliche Zwecke hat bereits großes Unglück über Menschen und Städte gebracht. Wenn wir an Fukushima denken, dann müssen wir erkennen, dass wir Menschen hier mit Mächten umgehen, die wir nicht wirklich im Griff haben.

Das kleine Mädchen Sadako hat vor ihrem Tod, der durch den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima hervorgerufen wurde, 1.000 kleine Papierkraniche gefaltet, weil sie hoffte, damit wieder gesund zu werden. Das war ihr nicht beschieden. Wir dürfen in der Friedensbibliothek in Schlaining den kleinen Kranich aufbewahren, den Sadakos Bruder unserem Kontinent Europa geschenkt hat. Lassen wir ihn für uns zum Symbol werden, zum Symbol für eine friedliche Welt, in der alle Menschen einen Platz zum Leben haben und in dem es keine Atomwaffen mehr gibt!


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Mirko Messner

Bundessprecher, Kommunistische Partei Österreichs

Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Der KPÖ ist es jedes Jahr ein wichtiges Anliegen anlässlich der schon traditionellen Aktion zum Hiroshima-Jahrestag eine Grußbotschaft an die Hiroshima-Gruppe und die Wiener Friedensbewegung zu richten.

Die beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki bleiben durch die dort am 6. bzw. 9. August 1945 gezündeten Atombomben als Symbole der atomaren Bedrohung im Gedächtnis der Menschheit. Auch 68 Jahre nach diesem bislang einmaligen Ereignis müssen wir allerdings feststellen, dass die atomare Bedrohung noch immer nicht beseitigt ist. Es ist alarmierend, wenn immer noch mehr als 2.000 Atomsprengköpfe in den Arsenalen auf höchster Alarmbereitschaft gehalten, also sofort einsatzbereit sind.

Leider wurde die nach dem Ende des „Kalten Krieges“ vorhandene Möglichkeit einer umfassenden atomaren Abrüstung nicht genützt. Im Ergebnis drängen heute neben den offiziellen Atomwaffenmächten weitere Länder nach solchen Waffen und wächst die Gefahr der Anwendung damit zwangsläufig. Dazu stellen wir allerdings eindeutig fest, dass es für keinen Staat der Welt ein „Menschenrecht auf Atomwaffen“ gibt und die atomwaffenbesitzenden Länder durch Abrüstung und die danach strebenden durch Verzicht auf die Entwicklung solcher Instrumente des Massenmordes aktiv werden sollen.

Aus unserer Sicht sind zudem die Existenz und Entwicklung von Atomwaffen und die „friedliche Nutzung“ der spätestens durch die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima als höchst riskant einzustufende Atomenergie siamesische Zwillinge. Ein Nein zur Atomenergie muss daher auch immer auch ein Nein zu Atomwaffen sein.

Auch wenn die von Atombomben ausgehende Bedrohung eine besondere Qualität darstellt, muss sie im Zusammenhang mit der Rüstungsbedrohung insgesamt gesehen werden. Denn auch konventionell, biologisch und chemisch wird aufgerüstet. Es werden zudem neue Bedrohungen, etwa durch Kampfdrohnen entwickelt. Und es nimmt die mit Terrorismus und militärischer Bedrohung begründete Überwachung in einem besorgniserregenden Ausmaß zu, wie jüngst die Enthüllungen von Edward Snowden über die Tätigkeit des US-Spitzeldienstes NSA zeigt. Dabei ist in Erinnerung zu rufen, dass das erste Opfer von Kriegen immer die Wahrheit ist und Österreich neutralitätswidrig mit den US-Geheimdiensten seit Jahrzehnten kooperiert.

Der Hiroshima-Gedenktag ist für die KPÖ ein Anlass, auf die Notwendigkeit mit aller Kraft für die weltweite atomare Abrüstung als Ausgangspunkt für eine allgemeine Abrüstung hinzuwirken. Die österreichische Bundesregierung sollte dafür im Sinne einer konsequenten und aktiven Neutralitätspolitik entsprechende Initiativen setzen. Bekanntlich tötet Rüstung schon in Friedenszeiten, indem gigantische Mittel todbringend verschwendet werden, anstatt sie sinnvoll für soziale, ökonomische, ökologische oder kulturelle Zwecke einzusetzen.

Daher verurteilen wir auch das Geschäft mit dem Tod in Form des internationalen Waffenhandels, bei dem skrupellos auch Despotenstaaten welche Grund- und Menschenrechte systematisch missachten aufgerüstet werden und an dem auch Österreich beteiligt ist. Ohne die Lieferung von Rüstungsgütern aller Art durch skrupellose Geschäftemacher würden viele Konflikte rasch beigelegt statt sie auszuweiten, wie sich aktuell am Beispiel von Syrien zeigt.

Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, muss Abrüstung im eigenen Land beginnen. Bei der Volksbefragung im Jänner 2013 sprach sich eine klare Mehrheit für die Erhaltung der Wehrpflicht und gegen ein reines Berufsheer aus. Die jüngste Entwicklung zeigt jedoch, dass damit keineswegs ein Auftrag für eine konsequente Neutralitätspolitik verbunden ist, sondern Politik und Militär die neutralitätswidrige Einbindung des Bundesheeres in die Militarisierung der EU sowie in die NATO forcieren.

Beispiele dafür sind etwa gemeinsame Militärübungen mit NATO-Einheiten, die auch wenn nur symbolische Beteiligung an Interventionen wie in Tschad oder Mali, der Ankauf von Drohnen für das Bundesheer, die Aufstellung von Einheiten für die Battle Groups der EU oder die Anschaffung der milliardenteuren Eurofighter die nur als Baustein im Rahmen der EU einen Sinn ergeben. Die KPÖ bekräftigt daher ihre seit Jahrzehnten vertretene Forderung nach Abschaffung des Bundesheeres als ein wichtiger Schritt für eine aktive Neutralitätspolitik und gleichzeitig eindeutige Absage an die neutralitätswidrige Einbindung in die EU-Militarisierung.

Namens des Bundesvorstandes der KPÖ und der ganzen Partei wünsche ich viel Erfolg zum Hiroshima-Tag 2013 und bei Euren Aktivitäten im Kampf für eine allgemeine Abrüstung.


PD Mag. Dr. Thomas Roithner

Forschungsdirektor am Österreichischen Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) auf der Friedensburg Schlaining

Ein neuer Anlauf für nukleare Abrüstung


Im April 2009 erklärte US-Präsident Barack Obama in Prag seine Vision einer Welt ohne Atomwaffen. Der Haken: Voraussichtlich nicht mehr zu Lebzeiten Obamas und sicher nicht als einseitige Abrüstung. Auf der anderen Seite des Atlantiks fand man in der EU – wie in vielen außenpolitischen Fragen – diesbezüglich weder zu einer gemeinsamen Stimme, geschweige denn zu tatsächlichen Abrüstungsschritten. Die europäischen Atombombenmächte Frankreich und Großbritannien sehen ihre Sicherheit u. a. durch diese Waffen gewährleistet. Wieviel Sicherheit braucht eigentlich der Friede?

Allein zu leise ist die Stimme von Österreichs Außenminister Michael Spindelegger, wenn er meint: „Beginnen wir doch mit der Abschaffung der Atomwaffen in Europa. Dies wäre eine immense vertrauensbildende Maßnahme auf unserem Kontinent. Die Zeiten des Kalten Krieges sind schließlich vorbei. Das sollte sich doch endlich auch in den Militärdoktrinen widerspiegeln. (…) Ist ein Europa oder eine Welt ohne Atomwaffen, eine reine Utopie? Mitnichten! Wir müssen es nur wollen. Und entsprechend handeln“ (Rede von Vizekanzler und Außenminister Spindelegger vor der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik und die Vereinten Nationen, 26.11.2012). Das wirft ein Spannungsfeld zwischen europäischer Solidarität und Loyalität auf der einen und nuklearer Abrüstung auf der anderen Seite auf.

Österreich – das zeigt beispielsweise auch der jüngste Vorschlag Südafrikas – ist mit der Forderung nach nuklearer Abrüstung keinesfalls allein. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 3.12.2012 beschlossen, im Rahmen einer Arbeitsgruppe Vorschläge zu erarbeiten, „wie die multilateralen Verhandlungen über nukleare Abrüstung zur Herbeiführung und Erhaltung einer Welt ohne Kernwaffen vorangebracht werden können“. Das neutrale Österreich sollte sich mit den Rückenwind der UNO – gestützt auf ein breites Bündnis nationaler und internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen – unmissverständlich an die Spitze einer Staatenkoalition stellen, die mit einem breiten Bündel an politischen, humanitären und völkerrechtlichen Argumenten und Instrumenten Schritte in Richtung einer atomwaffenfreien Welt setzt. Das Anliegen darf nicht in einer Arbeitsgruppe steckenbleiben – hier tragen die UNO-Mitglieder eine Verantwortung. Fangen wir vor der eigenen Haustüre an zu kehren: bei der europäischen Wertgemeinschaft.


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Prof. Dr. Werner Ruf

Das Gedenken an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki heißt für uns heute, aufstehen für eine Welt ohne Atomwaffen, ohne Atomkraftwerke und ohne Krieg, um das Morgen für den Frieden zu sichern.

Dieser Grundsatz gilt noch immer!

Der Teufelskreis der Produktion und Proliferation von Massenvernichtungsmitteln kann nicht durch die Weiterentwicklung solcher Waffen durchbrochen werden, die geradezu zum Einsatz anreizen. Er kann nur gestoppt werden durch den Verzicht auf deren Produktion – und zwar weltweit!

Die USA, die die Verantwortung tragen für Hiroshima und Nagasaki, präsentieren sich stets als demokratische und zivilisierte Nation. Gerade deshalb haben sie allen Grund, ein Zeichen des Einstiegs in wirkliche Abrüstung zu setzen – nicht zuletzt um ihrer eigenen Sicherheit willen.

Präsident Obama muss endlich seinen schönen Worten Taten folgen lassen und den Atomwaffensperrvertrag umsetzen, der in seinem Artikel VI verlangt, dass die Großmächte mit effektiver Abrüstung beginnen.


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Dr. Fuat SANAC

Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Ehrenwerte Mitglieder der Wiener Friedensbewegung und der Hiroshima-Gruppe Wien!
Liebe Friedensstifterinnen und Friedensstifter!

Auf der ganzen Welt wollen die Menschen, gesund, glücklich und harmonisch leben, was aber immer und überall nicht möglich ist, weil die Humanen schweigen und die Machtgierigen auf Kosten des Menschenlebens Politik machen.

Daher bedanke ich mich bei Ihnen allen, dass Sie sich als mutige Friedensstifter für eine friedvolle Welt engagieren und hoffe, dass Sie mit Ihren Friedensbemühungen und Aufklärungsarbeiten weiterhin so engagiert bleiben.

"Wer einen Menschen tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und wer einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet." (Koran: 5/32)

Eine Welt ohne Atomwaffen ist möglich, wenn wir uns alle solidarisch für Frieden und gegen Atomwaffen einsetzen. Daher sagen wir alle: weg mit allen Atomwaffen und nie wieder Krieg!

ln diesem Sinne wünsche ich ein gutes Gelingen lhrer Gedenkveranstaltung


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Christoph Kardinal Schönborn

Zum diesjährigen Hiroshimatag möchte ich auf ein Mahnmal hinweisen, das sich im UNO-Hauptquartier in New York befindet. Es ist dies die steinerne Statue der hl. Agnes mit dem Lamm. Dieses Mahnmal symbolisiert die Ohnmacht des Menschen gegenüber dem Wahnsinn einer atomaren Katastrophe. Die Statue hat das Inferno der Atombombenexplosion in Nagasaki am 9. August 1945 überlebt. Sie wurde mit dem Gesicht nach unten in der völlig zerstörten Kathedrale Urakami Tenshudo unweit des Epizentrums in Nagasaki aufgefunden. Durch die enorme Feuersbrunst und Strahlenbelastung wurde ihre Rückseite schwer beschädigt. Die Vorderseite blieb wie durch ein Wunder völlig unverletzt. Papst Benedikt XVI. betete bei seinem Besuch in New York im April 2008 vor dieser Statue um den Frieden in der Welt und um die Bewahrung vor einem Atomkrieg.

Die hl. Agnes mit dem Lamm ist ein tiefes christliches Symbol, das uns an die scheinbare Ohnmacht aller erinnert, die gegen Gewalt und für den Frieden eintreten. In Wirklichkeit ist der Frieden letztlich stärker als alle Waffen, selbst die Atombombe. Das bezeugt diese Statue aus Nagasaki.


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Kaplan Franz Sieder

Betriebsseelsorger, Amstetten

Die atomare Bedrohung ist die größte Bedrohung der Menschheit. Für mich ist es schwer verständlich, warum die Politikerinnen und Politiker sich nur sehr halbherzig für atomare Abrüstung und letztlich für ein Verschwinden der Atomwaffen einsetzen. Ich begreife es auch schwer, warum der Widerstand von unten so gering ist und die gegenwärtige Situation zwar nicht gewollt, aber geduldet wird. Ich habe nachgedacht, welche Interessen dahinter stecken, weiterhin einsatzbereite Atomwaffen zu besitzen. Ich bin zu folgender Analyse gekommen:

Der Besitz der Atombombe hängt mit Macht zusammen – Macht über andere Völker. Wenn ich die Atombombe besitze, dann bin ich auch als Staat fast unangreifbar. Niemand würde in Nordkorea, das die Atombombe besitzt, eine Intervention wagen wie es in Libyen geschehen ist. Wie sich in den USA viele vor Einbrechern dadurch schützen möchten, dass sie eine Waffe zu Hause haben, so versuchen sich Staaten durch den Besitz der Atomwaffen zu schützen.

Damit es zu einer wirklich atomaren Abrüstung kommt, müssten die Nationalstaaten ihre Lust und Begierde über andere zu herrschen, aufgeben. Es müsste auch ein anderes „Sicherheitsschloss“ gefunden werden, das die Nationalstaaten schützt vor Interventionen und potentiellen Einbrechern.

Ich denke, dass das alles erst möglich sein wird, wenn die UNO zu einer Art Weltregierung wird – wenn das nationale Denken zurückgeht und der Nationalismus nicht mehr zelebriert wird. Etwas für die atomare Abrüstung zu tun, heißt mitzuwirken, dass die Grenzen auch in den Gehirnen der Menschen immer mehr verschwinden und die ganze Welt zu einem Volk von Brüdern und Schwestern wird. Präsident John F. Kennedy hat das schon visionär vorausgesehen, wenn er sagt: „Nur miteinander können wir die Welt retten oder miteinander werden wir in den Flammen ihres Brandes untergehen. Aber retten können wir sie und retten müssen wir sie – und damit werden wir uns den ewigen Dank der Menschheit verdienen und als Friedenstifterinnen und Friedenstifter den ewigen Segen Gottes.“

Ein weiteres großes Hindernis, warum in der atomaren Abrüstung nichts weitergeht, sind die ungerechten kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen, die sich über die ganze Welt ausbreiten. Die reichen Länder brauchen die Atombomben, um dieses Unrechtssystem aufrecht erhalten zu können. Die Menschen in den armen Ländern, die Opfer dieses Unrechtssystems sind, werden sich das auf Dauer nicht gefallen lassen. Die Vernunft allein müsste uns daher schon sagen, dass Unrechtssysteme nur mit militärischer Gewalt nicht aufrecht erhalten werden können. Wir brauchen ein weltweites Wirtschaftssystem, wo nicht mehr Profitmaximierung das vorrangige Ziel ist, sondern der Mensch. Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen dauerhaften Frieden. Ohne weltweite gerechte Wirtschaftsstrukturen wird es auch zu keiner wirklichen atomaren Abrüstung kommen. Wenn Obama am kapitalistischen Unrechtssystem – wo die USA Vorreiter sind – festhalten will, dann sind seine Worte von einer atomwaffenfreien Welt nur leere Phrasen.


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Dr. Peter Strutynski, Kassel

Politikwissenschaftler und Friedensforscher; Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag

Alle vier Jahre

US-Präsident Barack Obama hat in seiner bisherigen Amtszeit zwei Mal mit großartigen Ankündigungen Furore gemacht: Das erste Mal im April 2009 in Prag, das zweite Mal im Juni 2013 in Berlin. Beide Male sprach er über das Ziel, die Welt atomwaffenfrei zu machen. Allein: Seine Verheißung eines "Global Zero" nimmt ihm heute kaum noch jemand ab.

Dabei hat es durchaus ein wenig Bewegung gegeben in der Reduzierung nicht mehr benötigter Atomsprengköpfe. So trat 2011 der sog. Neu-START-Vertrag in Kraft, in dem sich die USA und Russland verpflichten, ihre nuklearstrategischen Trägermittel – U-Boote, Interkontinentalraketen und Langstreckenbomber auf 800 zu halbieren und die Zahl der Sprengköpfe um fast ein Drittel auf 1.550 zu reduzieren. Bezieht man indessen alle atomaren Sprengköpfe (also auch die "taktischen") mit ein, so verfügen die beiden Nuklear-Großmächte zusammen immer noch über 16.200 Atomwaffen; hinzu kommen weiter 1.100 Sprengköpfe der anderen Atommächte Frankreich, China, Großbritannien, Pakistan, Indien, Israel und Nordkorea. Ein furchterregendes Arsenal von 17.300 Atomwaffen, jede für sich genommen größer als die Bombe, die über Hiroshima abgeworfen wurde. Die Menschheit ließe sich damit mehrfach auslöschen.

Den schönen Abrüstungsworten zum Trotz ist keine der atomaren Supermächte bereit, auf Atomwaffen grundsätzlich zu verzichten. Die Sicherheitsstrategie der USA und das Lissabonner Gipfeldokument der NATO bestehen weiterhin auf dem Besitz von Atomwaffen, die sie gegebenenfalls auch als erste einzusetzen bereit sind.

Nukleare Abrüstung sieht anders aus: Sie beginnt mit der Abkehr von der alten Einsatzdoktrin, mit einem radikalen Abschied vom alten Abschreckungs-Denken und mit sichtbaren einseitigen ersten Schritten zur Reduzierung der Arsenale und dem Rückzug Atomwaffen bewehrter Kriegsschiffe aus Konfliktregionen sowie dem Abbau von Abschussrampen.

Viel zu tun also für einen Präsidenten, der sich den Friedensnobelpreis erst noch verdienen muss!

Konstantin Wecker

Liebe Freunde! Liebe Freundinnen!

Die 70er Jahre waren auch die Jahre der großen Friedenskonzerte in Deutschland. Damals galt ja für unsere ganze Generation: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! (Das hat Deutschland nicht ganz durchgehalten, nebenbei bemerkt.) Ich hab das Glück gehabt bei diesen Konzerten großartigen Menschen und Künstlern begegnen zu dürfen. Ich durfte Harry Belafonte begleiten am Klavier, ich hab mit Theodorakis zusammengespielt, mit Mercedes Sosa, die leider schon verstorben ist, und Joan Baez hat das folgende Lied, dessen Text gleich verlesen wird, lange Zeit auf Deutsch im Programm gehabt. Und dieses Lied ist – geben wir es zu – eine Utopie, die Utopie einer gewaltfreien, einer herrschaftsfreien Gesellschaft. Ich halte es da mit Oscar Wilde: "Eine Landkarte, auf der Utopia nicht verzeichnet ist, ist für mich keines einzigen Blickes wert."

Wenn unsre Brüder kommen
mit Bomben und Gewehren,
dann wolln wir sie umarmen,
dann wolln wir uns nicht wehren.

Sie sehen aus wie Feinde,
sie tragen Uniformen,
sie sind wie wir verblendet
und festgefahrn in Normen.

Auch wenn sie anders sprechen,
wir wolln mit ihnen reden.
Es solln die Präsidenten
sich doch allein befehden!

Jedoch, bevor sie kommen,
wär´s gut, sich zu besinnen.
Ein jeder muss die Liebe
mit sich allein beginnen.

Wenn unsre Brüder kommen
mit Bomben und Gewehren,
dann wolln wir sie umarmen,
dann wolln wir uns nicht wehren.


Mit solidarischen Grüßen
Euer Konstantin Wecker

Mehr Grußbotschaften auf: www.hiroshima.at


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