"Die Erinnerung an Hiroshima lässt jeden Menschen mit Entsetzen in einen Abgrund von Krieg und Zerstörung blicken"

20 Botschaften aus Wissenschaft, Politik und Kunst zum Hiroshima-Gedenktag 2007

In der österreichischen Hauptstadt Wien findet - wie in vielen anderen Städten dieser Welt - jedes Jahr zum 6. August eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima (6. August 1945) und Nagasaki (9. August 1945) statt. Die Organisatoren, darunter Alois Reisenbichler, den Besuchern des "Friedenspolitischen Ratschlags" in Kassel kein Unbekannter, schaffen es immer wieder, zu dieser Veranstaltung in Wien Grußbotschaften aus aller Welt zu erhalten. Im Folgenden dokumentieren wir eine kleine Auswahl von 20 aus insgesamt Hunderten von Grußbotschaften zum Gedenken 2007.

Aus der großen Auswahl (vollständig veröffentlicht unter www.hiroshima.at) an Botschaften dokumentieren wir die folgenden:


Grußbotschaft von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer

Sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Friedensfreunde!

Ich danke allen, die heute am Wiener Stephansplatz zur diesjährigen Gedenkveranstaltung zusammengekommen sind, um der Opfer und der Schrecken von Hiroshima und Nagasaki vor 62 Jahren zu gedenken.

Es war der erste Abwurf einer Atombombe und die Erinnerung daran lässt wohl jeden Menschen mit Entsetzen in einen Abgrund von Krieg und Zerstörung blicken. Insofern ist dieser Gedenktag für mich keine historische „Pflichtübung“, sondern eine Warnung vor den Gefahren atomarer Zerstörungskraft.

Noch gibt es Überlebende der Katastrophe des Jahres 1945, die als Zeitzeugen sprechen, wenngleich wohl niemals Worte gefunden werden können, um jenes menschliche Leid zu beschreiben, das damals verursacht worden ist. Jede Aufklärung über das atomare Vernichtungspotential ist für mich daher ein wichtiger Schritt dahingehend, dass die Schrecken atomarer Waffen niemals unterschätzt werden dürfen. Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass wir auch heute inmitten akuter Gefährdungen leben.

Alle Menschen, die sich für Frieden, Freiheit und Demokratie engagieren – von den kleinsten Bürgerinitiativen bis zu den höchsten politischen Entscheidungsträgern –, müssen im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles tun, um kriegerische Auseinandersetzungen mit mörderischen Waffen zu verhindern.

Wir haben allen Grund für die Erreichung dieser Ziele einzutreten, weil kein Tag vergeht, an dem wir nicht mit Bildern von Krieg und Zerstörung, Hass und Gewalt durch die Medien konfrontiert werden.

Nicht weit von Europa entfernt werden blutige Kämpfe geführt und täglich sterben Menschen, darunter viele Frauen und Kinder.

Ich halte es deshalb für besonders wichtig, alle Initiativen und Möglichkeiten für eine dringend notwendige Friedenspolitik auszuschöpfen.

Die internationale Gemeinschaft ist bemüht, Kriege zu beenden und in langwierigen Verhandlungen eine Begrenzung atomarer Hochrüstung zu erreichen. Aber je stärker die Bedrohungen werden und wechselseitige Ängste sich steigern, desto leichter können Situationen außer Kontrolle geraten und unabsehbare tödliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Deshalb bin ich der Wiener Friedensbewegung und der Hiroshima-Gruppe gerade in diesen Tagen der Erinnerung dankbar für ihr großes Engagement und ermuntere Sie gleichzeitig, auch weiterhin mit großem Einsatz für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen einzutreten!


Tadatoshi Akiba, Mayor, The City of Hiroshima

I am sending this message to honor the holding of the annual manifestation in commemoration of the victims of the first atomic bombs on Hiroshima and Nagasaki.

With the world’s first atomic bombing as our starting point, Hiroshima continuously appeals for the abolition of nuclear weapons and the realization of lasting world peace. Nonetheless, around the world cycles of hatred, violence, and revenge remain intact. Massive nuclear weapons remain stockpiled amid mounting danger that they will be used.

Since 2006, the 10th anniversary of the year the International Court of Justice handed down the advisory opinion that, “The use or threat of nuclear weapons would generally be contrary to the rules of international law,” Hiroshima City has worked with the Majors for Peace and its more than 1,600 city members to launch the Good Faith Challenge, the second stage of the 2020 Vision campaign to demand “good faith negotiations” towards nuclear disarmament. We are also pursuing the “Cities Are Not Targets” project which is demanding assurances from nuclear weapon states that they will not target cities for nuclear attack.

Each person alive on the Earth plays a part in determining the future of humanity. This is why the annual manifestation in commemoration of the victims of the first atomic bombs on Hiroshima and Nagasaki is truly significant, and I commend all of you for your efforts. I hope from my heart that you will continue to work with us to bring about the abolition of nuclear weapons and achievement of lasting world peace.

I close with best wishes for the success of the annual manifestation in commemoration of the victims of the first atomic bombs on Hiroshima and Nagasaki and the good health of all involved.


Franz Alt, Baden-Baden

Die Städte Hiroshima und Nagasaki hatten mich vor kurzem zu Vorträgen eingeladen. Dabei erfuhr ich vom Bürgermeister von Nagasaki, dass noch heute - 62 Jahre nach den beiden Atombomben - jedes Jahr etwa 3.ooo Menschen in Südjapan wegen nuklearer Verstrahlung sterben.

In Tschernobyl wurde 1986 über 50mal mehr nukleare Verstrahlung freigesetzt als in Hiroshima und Nagasaki zusammen. Und Tschernobyl liegt erst 21 Jahre hinter uns.

Das heißt: Tschernobyl liegt nicht hinter uns, sondern vor uns.

Vor dem Hintergrund dieses Wissens ist es unverantwortlich, noch weiterhin Atomkraftwerke zu betreiben, denn AKWs sind immer die Voraussetzung zum Bau von Atombomben. Diesen Zusammenhang kannte auch Herr Sarkozy in Paris als er soeben Herrn Gaddafi den Bau eines Atomkraftwerks versprach. Und diesen fatalen Zusammenhang sollte auch der Papst in Rom kennen, der sich soeben für die "friedliche Nutzung der Atomenergie" einsetzte. Eine friedliche Nutzung der hochgefährlichen Atomtechnologie kann es nicht geben.

Wir können und müssen den Ausstieg aus dem Atomzeitalter organisieren. Der 100%ige Umstieg auf Erneuerbare Energien ist möglich.

Der Weg zum Frieden heißt:
Vom Atomzeitalter ins Solarzeitalter.


Roswitha Bachner et al, Österreichischer Gewerkschaftsbund

Vor 25 Jahren, am 15. Mai 1982, demonstrierten mehr als 70.000 Menschen auf dem Wiener Rathausplatz unter dem Slogan "Nein zum Atomkrieg". Sie sprachen sich für die Vernichtung aller Atomwaffen, beginnend mit den Arsenalen der fünf Atommächte, aus.

Damals schien Abrüstung realistisch und wurde zumindest in einigen Teilbereichen auch umgesetzt. Wahnsinnsprojekte wie die offene Militarisierung des Weltraums wurden – zumindest vorerst – verhindert. Das Ende des Kalten Krieges und der Zerfall der Sowjetunion haben jedoch nicht die erhoffte Friedensdividende gebracht. Im Gegenteil: Abrüstungsverhandlungen auf konventionellem wie nuklearem Gebiet stagnieren, neue Rüstungsprogramme wurden gestartet, Militärinterventionen, Kriege und Terroraktionen bestimmen den Alltag in vielen Regionen der Welt.

Umso wichtiger ist es für uns, von den PolitikerInnen aller Staaten, insbesondere der Großmächte, aber auch des neutralen Österreich verstärkte Bemühungen um Abrüstung und Frieden einzufordern! Der ÖGB steht hinter dieser Forderung und wünscht der heurigen Hiroshima-Kundgebung einen vollen Erfolg!

Roswitha Bachner, ÖGB-Vizepräsidentin
Monika Kemperle, Leitende Sekretärin des ÖGB
Renate Csörgits, ÖGB-Frauenvorsitzende
Sylvia Ledwinka, ÖGB-Frauensekretärin
Dr. Walter Sauer, Internationaler Sekretär


Dr. Matin Baraki, Marburg

Eigentlich unglaublich, dass ihnen das immer wieder gelingt ...
Deinem Urgroßvater haben sie erzählt:
Gegen den Erbfeind Für das Vaterland
Und er hat das tatsächlich geglaubt.
Was hat er gekriegt? Granatsplitter in Beine
und Kopp vor Verdun.
Deinem Großvater sagten sie:
Gegen die slawischen Horden.
Für die abendländische Kultur.
Er hat das wirklich geglaubt.
Was hat er gekriegt? Bauchschuss und
einen verrückten Kopp vor Stalingrad.
Deinem Vater erzählen sie jetzt:
Gegen die Völkermörder. Für die Menschenrechte.
Für den Frieden. Unglaublich - er glaubt’s.
Was er wohl kriegt?
Und wo wird das sein - diesmal?

(Franz Josef Degenhardt)

Liebe Friedensfreunde und Friedensfreundinnen,
damit es ihnen dieses Mal nicht gelingt, müssen wir für den Frieden aufstehen und unsere Stimme erheben.
Ich wünsche Ihnen/Euch viele Mitkämpferinnen und Mitkämpfer und eine erfolgsreiche Veranstaltung.
In Gedanken bin ich bei und mit Ihnen/Euch.
Mit solidarischen Grüßen
Matin Baraki


Prof. Dr. Thea Bauriedl

Psychoanalytikerin (Leiterin des Instituts für Politische Psychoanalyse München)

Es ist schön zu erfahren, dass in Wien viele Menschen für das Überleben der Menschheit und gegen Atomwaffen demonstrieren. Gerne wäre ich auch dabei. Wir dürfen nicht aufhören zu glauben, dass fast alle Menschen sich nach einem friedlichen Miteinander der Völker sehnen. Wenn sie alle aufstünden und diesen Wunsch laut und deutlich vertreten würden, dann hätten die wenigen Befürworter von Bewaffnung und Krieg wenig Chancen, an der Macht zu bleiben. Deshalb ist es so wichtig, die Stimme für den Frieden zu erheben - auch wenn andere glauben, dass dies aussichtslos oder unsinnig ist. Gerade wir Deutschen und Österreicher haben erfahren, wie gefährlich es ist, stumm zu bleiben oder stumm zu werden.


Karl Blecha, Präsident, Pensionistenverband Österreichs

Liebe Freundinnen und Freunde des Friedens!

Gerne unterstütze ich im Namen des Pensionistenverbandes Österreichs und auch im eigenen Namen Euer wertvolles Engagement für eine atomwaffenfreie Welt. Gerade in Zeiten wie diesen, wo Terror und Krieg leider auf der "Tagesordnung" stehen, ist der Ruf nach weltweitem Frieden stärker denn je.

Wir grüßen alle Menschen, die sich für den Frieden und vor allem für eine weltweite nukleare Abrüstung einsetzen und danken sehr herzlich für die Bemühungen! Gerade wir, die ältere Generation, kennen die Gräuel des Kriegs und sind dankbar, dass sie uns im letzten halben Jahrhundert erspart geblieben sind. Wir wünschen aber den Menschen in aller Welt, vor allem den Kindern und Jugendlichen aus ganzem Herzen, in einer atomwaffenfreien, friedlichen Welt aufwachsen zu können.

Wir verbleiben mit unseren besten Wünschen für die längst fällige Durchsetzung Eurer Forderungen und wünschen viel Erfolg für die Veranstaltung am 6. August am Wiener Stephansplatz. Ich bedauere zutiefst an dieser nicht teilnehmen zu können, da ich leider einen unverschiebbaren Termin wahrnehmen muss.

Mit solidarischen Friedensgrüßen!
Karl Blecha


Felix M. Bertram, Delegierter von Pax Christi International

Zweiundsechzig Jahre sind seit der unfassbaren Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki durch den Abwurf je einer Atombombe vergangen. Unermessliches Leid, Schmerz, Verzweiflung sowie Angst vor der Zukunft waren die Folge. Die mögliche Vernichtung der gesamten Menschheit und ihres Lebensraum ist von bloßer Theorie zu brutaler Realität geworden. – Zweiundsechzig Jahre, eine beachtliche Zeit, und wo stehen wir heute?

Der Schock, den die Ereignisse von Hiroshima und Nagasaki auslösten, gab damals Grund zur Hoffnung, dass die Welt angesichts dieser grauenvollen Katastrophe zur Vernunft gefunden hätte. So wurde bald danach ein völkerrechtlicher Vertrag erarbeitet, um eine atomare Bedrohung der Welt für immer zu beseitigen. Dabei handelt es sich um den so genannten NPT-Vertrag (Non-Proliferation-Treaty – Nichtweitergabe von Atomwaffen), besser als „Atomsperrvertrag“ bekannt, der bereits seit dem Jahre 1970 in Kraft getreten ist. In diesem Vertrag verpflichten sich die Atommächte in Artikel VI unverzüglich die Reduktion ihres Atomwaffen-Bestandes einzuleiten mit dem Ziel einer totalen Vernichtung ihres gesamten Nuklearwaffenpotentials, um so zu einer atomwaffenfreien Welt zu gelangen.

Die Wirklichkeit spricht jedoch eine andere Sprache. Inzwischen lagern weltweit an die 27.000 atomare Sprengköpfe – 26.000 allein bei den Supermächten USA und Russland in deren Waffenkammern; Sprengköpfe, die in ihrer grauenvollen Wirkung das Unheil von Hiroshima und Nagasaki um ein Vielfaches übertreffen würden. Unser Globus, die Welt und Menschheit, alles Leben könnten derzeit mit einem Knopfdruck für unzählige Male vernichtet, ausgelöscht werden.

Im Jahre 2010 soll besagter „Atomsperrvertrag“ wieder überprüft werden. Eine internationale Vorbereitungskonferenz diesen Vertrag betreffend fand vom 29. April 2007 bis 11. Mai 2007 in Wien statt. Bei den Beobachtern der teilnehmenden NGOs (nichtstaatlichen Organisationen) war die Enttäuschung über den Verlauf der Konferenz unübersehbar: Die offiziellen Regierungsdelegationen konnten sich nämlich eine Woche lang nicht über die vorliegende Tagesordnung einigen. Somit blieb zur Behandlung der eigentlich wesentlichen Themen kaum mehr Zeit. Die Weltsituation in sich ist zu ernst und dringlich, als dass man sie politischer und diplomatischer Willkür überlassen dürfte.

Es muss möglichst allen Menschen bewusst werden, dass wir zur Zeit auf einem gigantischen „Feuerball“ leben, der jederzeit hochgehen kann. Die atomare Bedrohung, ihre Beseitigung durch eine totale Abrüstung sind zu einer Überlebensfrage der Menschheit geworden. Bei den anstehenden Verhandlungen dürfen nicht mehr politische, wirtschaftliche Fakten den Vorrang haben, sondern ausschließlich nur das Leben unserer Kinder, Kindeskinder, Eltern, Partner, Partnerinnen sowie der Menschheit schlechthin. Dieser Gedanke, ein kategorischer Imperativ, muss Allgemeingut, Überzeugung einer globalen Weltgesellschaft werden.

Weltweit gibt es bereits vielerorts Bemühungen, aufzuzeigen, dass dringender Handlungsbedarf besteht, einer totalen Vernichtung, beziehungsweise Abrüstung des gesamten nuklearen Waffenbestandes unverzüglich nachzukommen. Daher ist jedes Unterfangen, das Hiroshima und Nagasaki in Erinnerung bringt, mehr als notwendig denn je und mit Dank zu begrüßen.

In diesem Sinne wünsche ich den Initiatoren des Hiroshimatages weiterhin Kraft, Mut und Ausdauer, Ihre so wichtige Arbeit fortzusetzen, um dabei bei den Verantwortungsträgern, aber auch bei uns selbst Besinnung, Umkehr herbeizuführen.

Mit Dank für Ihren unermüdlichen Einsatz und Friedensgrüßen
herzlichst
Felix M. Bertram


Doris Bures, Bundesministerin für Frauen, Medien und Öffentlichen Dienst

„Der Krieg ist nicht undenkbar, aber es ist unangenehm, an ihn zu denken. Deshalb gibt es nur einen Weg, ihn zu vermeiden: Man muss ständig an ihn denken.“
(Edward Teller)

Liebe Friedensfreundinnen,
liebe Friedensfreunde!

Der 6. beziehungsweise der 9. August müssen uns stets als Tage in Erinnerung bleiben, an denen vor 62 Jahren in wenigen Minuten mehr als über 155.000 Menschen sofort ums Leben kamen. Und noch heute sterben viele unschuldige Menschen an den Spätfolgen dieser atomaren Katastrophe.

Das jährliche Gedenken an die beiden Atombombenabwürfe muss uns daher stets als ein mahnendes Zeichen dienen, wie verabscheuungswürdig und grausam Kriege sind. Auch muss uns das Gedenken dazu aufrufen, geschlossen für den weltweiten Frieden einzutreten, aber es muss von uns allen auch als Aufforderung verstanden werden, bei Konflikten und Ungerechtigkeiten die wir in unserem Alltagsleben täglich miterleben nicht wegzuschauen, sondern uns auf die Seite der Schwächeren zu stellen und Hilfe anzubieten. Denn nur wenn wir den Frieden und den Zusammenhalt auch in unserer unmittelbaren Umgebung bewusst leben, können zukünftig solche verheerenden und menschenverachtenden Gräueltaten vermieden werden.


Maga. Gabi Burgstaller, Landeshauptfrau, Salzburg

62 Jahre nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki richte ich meine Grußworte an die Friedensinitiative der Österreichischen Friedensbewegung. Der Abwurf der ersten Atombomben erfolgte am 6. August und am 9. August 1945. Diese Bombenabwürfe haben die Welt verändert.

Heute gedenken wir der Opfer aber auch der Überlebenden des Atomangriffs, denen unermessliches Leid zugefügt wurde. Die Opfer der Bombenabwürfe dürfen nicht in Vergessenheit geraten, damit sich Angriffe gegen Menschen und gegen Natur in diesem riesigen Ausmaß nicht wiederholen. Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Entwicklung neuer Atomwaffen weiter geht und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen Bestandteil der Weltpolitik geworden ist. Echte Friedenspolitik ist gegen jede Art von Gewalt, gegen verbale Gewalt, Gewalt in Familie bis zu Gewalt in Form von Anschlägen oder kriegerischen Auseinandersetzungen. Umso wichtiger ist es, der Friedensarbeit eine breite Öffentlichkeit zu bieten. Es ist eine Pflicht, auch die Jugend anzusprechen, mit Mahnungen und Dokumentationen immer wieder auf die unfassbaren Zerstörungen durch einen Atombomben-Abwurf hinzuweisen, damit ihnen die Erfahrungen und Auswirkungen eines Krieges erspart bleiben.

Daher unterstütze ich diese Aktion der Wiener Friedensbewegung für eine Welt ohne Krieg, ohne Angst und Gewalt. Ich danke Ihnen allen für das bekennende Auftreten gegen Krieg und gegen jede Art von Gewaltanwendung. Setzen wir uns täglich für eine friedliche Welt ein, im Kleinen wie im Großen, für eine Welt des Friedens und der Toleranz, die großen Ziele einer internationalen Friedenspolitik.


Noam Chomsky



I would like to express my strongest support for the urgent demand that nuclear weapons be abolished. Disaster has come all too close many times since 1945, and the threats only continue to mount as long as these dreadful devices exist. Initiatives such as those you are undertaking are of inestimable importance. Until they succeed, it is no exaggeration to say that survival of the species hangs by a thread.


Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer

Das Inferno vom 6. August 1945 hat der Menschheit die schrecklichen Konsequenzen der Nuklearwaffen verdeutlicht. Doch statt daraus die Lehre zu ziehen, Atomwaffen für immer zu ächten, begann sich eine beispiellose Rüstungsspirale zu drehen, die bis heute nicht gestoppt wurde. Wir sind immer noch mit mehreren zehntausend Nuklearwaffen weltweit konfrontiert und die Anzahl jener Länder, die Nuklearwaffen besitzen oder deren Entwicklung betreiben, wächst beständig. Im Schatten des mehrfachen Overkills, der auch heute in den internationalen Waffenarsenalen ruht, zu leben, heißt, im Schatten des Todes zu leben. Inzwischen geht die Bedrohung aber nicht nur von Staaten aus, sondern auch von terroristischen Organisationen, die versuchen, Atomwaffen zu erwerben. Der Gefahr der weiteren Verbreitung von Nuklearwaffen muss die internationale Gemeinschaft energisch entgegentreten. Gleichzeitig müssen aber auch die Staaten, die schon Atomwaffen besitzen, ihre Abrüstungsverpflichtung ernst nehmen. In den letzten Jahren hat die internationale Diskussion um Nuklearwaffen eine perverse Wendung genommen. Statt über Schritte zur völligen Eliminierung dieser Waffen zu beraten, wogte die Debatte darüber, welcher Staat sie legitimerweise besitzen darf. Die zentrale Frage kann aber nicht sein: Wer darf die Atombombe besitzen. Wer kann verantwortungsvoll damit umgehen. Die einzige Schutz vor der nuklearen Katastrophe ist der völlige Verzicht auf Atomwaffen. Die Friedensbewegung hat sich über Jahrzehnte dafür engagiert, dieses Ziel zu erreichen. Wir haben inzwischen unerwartete Verbündete in diesem Kampf gefunden. Anfang des Jahres veröffentlichten unter anderem Henry Kissinger und George Shultz einen Artikel im Wall Street Journal. Darin forderten sie einen Verzicht der Atommächte auf Nuklearwaffen. Auch die Atommächte müssen sich angesichts der Risken der Proliferation und der Horrorvision, dass Terroristen sich einer Atombombe bemächtigen könnten, von der Illusion verabschieden, dass ihnen diese Waffen mehr Sicherheit bringen.

Österreich wird sich gemeinsam mit der Friedensbewegung weiterhin für eine konsequente Abrüstungs- und Non-Proliferationspolitik engagieren. Im Rahmen des NPT, in der Genfer Abrüstungskonferenz, in den Vereinten Nationen. Die IAEO ist ein wichtiger und unersetzbarer Bestandteil in den internationalen Bemühungen das Gefährdungspotential zu minimieren.

Tatsächlich benötigen wir heute mehr denn je internationale Schritte zur atomaren Abrüstung. Ich appelliere daher auch an alle Staaten, endlich den Vertrag über ein umfassendes Verbot von Atomtests (CTBT) zu ratifizieren und rasch ein Verbot für die Produktion von Waffenfähigem Nuklearmaterial auszuverhandeln. Gemeinsam müssen wir darauf dringen, dass die Lehren aus Hiroshima und Nagasaki endlich gezogen werden. Nur eine Welt ohne Nuklearwaffen ist eine sichere Welt.


Alfred Kirchmayr, Psychoanalytiker, Konflikt- und Humorforscher (Wien)

Die Zerstörung von Phantasie und Sympathie macht dumm, herzlos und kriegsblind!

Angesichts des unvorstellbaren Elends und Grauens der vielen aktuellen Kriege ist eine Erinnerung an Friedenskämpfer wie Friedrich Heer und Dorothee Sölle wohltuend, ermutigend und herausfordernd. Beide wussten um die große Bedeutung der Phantasie, also des Vorstellungs-Vermögens, für die Friedensfähigkeit und die Friedensarbeit.

Für die Bewältigung der Misere in der großen Welt und in den kleinen Welten von uns Erdkrustenbewohnern bedürfen wir ganz besonders der Pflege unserer Phantasie, unseres Vorstellungs- und Einfühlungsvermögens, damit wir Konfliktfähigkeit, echte Toleranz, Solidarität und Lebensfreude entfalten lernen. Menschen, deren Phantasie durch neoliberalen Egokult und der mit ihm verbundenen mörderischen Konkurrenzangst kaputt gemacht wird, betrachten die Dinge des Lebens oft „mit den blöden Maulwurfsaugen der Selbstsucht“ (Immanuel Kant).

Zur Entfaltung unserer Phantasie ermutigt uns Dorothee Sölle, die sich ein Leben lang für Friedens- und Konfliktfähigkeit engagiert hat. Sie war eine heitere Pessimistin mit viel Humor, einem langen Atem und einer Spiritualität der kleinen, energischen Veränderungsschritte. Sie träumte kreativ und öffentlichwirksam von einem ethischen System, in dem alle Tugenden der Phantasie entwachsen und nicht der blind gehorsamen und kurzsichtigen Anpassung an ein unmenschliches Lebens- und Wirtschaftssystem: „Ich nenne einige dieser neuen Tugenden …: die Toleranz und der Humor, der gerechte Zorn und die Einfühlung, die Initiative und die Beharrlichkeit einer produktiven Vorstellungskraft.“

Und Friedrich Heer, der ebenso geduldige wie zornige Historiker und Humanist, forderte energisch immer wieder die Entfaltung von Phantasie und das damit verbundene „Gespräch der Feinde“ schon in der Zeit des „Kalten Krieges“: „Die Pflege der schöpferischen Phantasie ist ein Politikum allerersten Ranges. … Der Ausfall von schöpferischer Phantasie, diesem wichtigsten Vitamin einer offenen, freien menschlichen Gesellschaft, kann verschiedene Ursachen haben. Man kann die schöpferische Phantasie abtöten, indem man schlicht ihre Gefäße, die Menschen nämlich, zerschlägt. … Man kann diese Phantasie aber auch anders töten: durch ein Blindmachen und Verblöden der Sinne, dieser kostbaren Organe des Menschen, die er braucht, um sich zu orientieren und sein volles Leben zu gewinnen. Wenn durch die Übermacht der Propaganda und der Reklame industrieller Produktion die Einbildungskraft abgetötet wird, ist der Wille zur Freiheit ins Mark getroffen.“

Die Schädigung und Zerstörung unserer Phantasie bewirkt eine Verblödung der Sinnes- und Besinnungsorgane und somit Verdummung. Eine der gescheitesten Studien über die essentielle Dummheit hat Thomas von Aquin verfasst. Er geht von der Weisheit der Sprache aus. Dummheit bedeutet eine „Stumpfheit des Herzens, eine Abstumpfung der Sinne und des Verstandes“. Dies führt zu einer „Starrheit des Urteilssinnes, vor allem in Bezug auf wichtige Aspekte des Lebens“. Dummheit befällt den ganzen Menschen, sein Herz, seinen Willen, seine Sinne und seinen Verstand. Sie blockiert das Kontaktverhalten des Menschen nach innen und außen. Essentielle Dummheit hat eine Tendenz zu absoluten Wahrheiten und fundamentalistischer Erstarrung.

Die berühmten drei Affen: „Nichts hören! Nichts sehen! Nichts sagen!“, sind das Ursymbol der Dummheit. Der etymologische Befund ergibt in vielen Sprachen, dass Dummheit mit Erstarrung, Verstockung, Sturheit, Vertrottelung und Verwesung zu tun hat. Dagegen leitet sich Weisheit immer von Worten her, die Bewegung, Offenheit und Aufmerksamkeit bezeichnen. Auch die bei den alttestamentlichen Propheten beliebte Metapher des „versteinerten Herzens“ bringt dies zum Ausdruck: Das Herz - als Symbol des ganzen Menschen - kann empfindsam, offen, mitfühlend sein oder aber verhärtet, verfettet, versteinert. Bei Ezechiel 36,26 heißt es: „Ich nehme das Herz aus Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz aus Fleisch“.

Das schauerliche Gebet um Dummheit aus der Hitlerzeit hat leider immer noch eine gewisse Aktualität:

So betete man in Wien im Jahr 1943:
Lieber Herrgott mach mich blind,
damit ich alles herrlich find!
Lieber Herrgott mach mich taub,
damit ich allen Unsinn glaub!
Lieber Herrgott mach mich stumm,
damit ich net nach Dachau kum!
Denn nur wer blind ist, taub und stumm zugleich,
der taugt fürs Dritte Reich.



Dr. Gerald MADER, Präsident, Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK), Burg Schlaining

Vor 60 Jahren, am 16. Juli 1945 wurde in der Wüste von New Mexiko erstmals eine Atombombe gezündet. Am 6. August 1945 erfolgt der Abwurf der Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima, wodurch große Teile der Stadt dem Erdboden gleich gemacht wurden. Durch die in Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Atombomben starben 150.000 Menschen sofort, an den langfristigen Folgen gingen mehr als eine halbe Million Menschen elend zu Grunde.

Leider führte diese menschliche Katastrophe nicht zur Abschaffung der Atombombe, sondern es kam während des Ost-West-Konfliktes zu einem atomaren Rüstungswettlauf zwischen USA und der Sowjetunion. Die USA brachten es auf die Produktion von 70.000 nuklearen Waffenköpfen, die Sowjetunion auf 55.000 nukleare Sprengköpfe. Der ganze Wahnsinn hieß Vernichtungs- bzw. Vergeltungsabschreckung. Der weltpolitische Umbruch (1989 – 1992) führte zu Vereinbarungen (Moskauer Vertrag), mit welchen Obergrenzen für die operativ dislozierten strategischen Waffenköpfe festgelegt wurden. Die USA haben jedoch auf ihre Abschreckungsstrategie nicht verzichtet. Es wurde quantitativ abgerüstet und qualitativ aufgerüstet. Die USA zielen weiterhin auf eine nukleare Erstschlagsfähigkeit, die sich in der Zeitschrift Foreign Affairs im Jahre 2006 so liest: „Es wird wahrscheinlich für die USA bald möglich sein, die russischen und chinesischen Nukleararsenale von langer Reichweite mit einem Erstschlag zu zerstören. Diese dramatische Verschiebung im nuklearen Gleichgewicht resultiert aus einer Serie von Verbesserungen in den Nuklearsystemen der Vereinigten Staaten ... Insofern Moskau und Peking nicht Maßnahmen ergreifen, um die Größe und Einsatzbereitschaft ihrer nuklearen Streitkräfte zu erhöhen, werden Russland und China – und der Rest der Welt – viele kommende Jahre lang unter dem Schatten der nuklearen Vorherrschaft der USA leben müssen.“

Die USA streben hierbei eine Erstschlagfähigkeit von nuklear einsetzbaren Nuklearwaffen an, über deren Zielsetzung im Global Strike-Konzept nachzulesen ist: „Danach tragen die Nuklearstreitkräfte der USA einzigartig und grundlegend zur Abschreckung bei ... Atomwaffen bieten dem Präsidenten das ultimative Mittel, einen Konflikt innerhalb kürzester Zeit zu beenden und zwar zu Bedingungen, die für die USA vorteilhaft sind.“ Manche halten daher sogar einen Sieg im Nuklearkrieg für möglich!

Die asymmetrische Ausgangslage führt heute schon zu einem politischen und menschlichen Desaster. Diese asymmetrischen Konfliktkonstellationen müssen die Gefahren eines Atomkrieges noch erhöhen. Die Irak-Politik der USA zeigt uns darüber hinaus, wohin eine Mischung von tatsächlicher und eingebildeter Machtfülle einerseits und Selbstverblendung bzw. Blindheit andererseits führen kann, worauf Dieter Senghaas in seinem Aufsatz „Abschreckung nach der Abschreckung“ hingewiesen hat. Nicht nur Terroristen, sondern auch machtbesessene Politiker stellen eine atomare Gefahr dar.

Mit Recht fordert Dieter Senghaas in dem zitierten Artikel, dass nicht nur die Analyse von Abschreckungspolitik und die neue Abschreckungsstrategie, sondern auch die Abschreckungskritik erneut auf die Tagesordnung von Politik und Wissenschaft gehören. Aber nicht nur. Denn dazu wird es nur kommen, wenn von der Gesellschaft von unten jener Druck entsteht, der den politischen Willen der Regierungen beeinflusst und auch Bewegung in die atomare Abrüstung bringt. Aufgabe einer aktiven Minderheit sollte es sein, darüber nachzudenken, wie eine dafür notwendige breite Aufklärungsdebatte ins Leben gerufen werden kann, die über das Gedenken an die Opfer hinausgeht.


Prof. Dr. Werner Ruf, Kassel

Demokratisierung der Atomwaffen?

Nein, nein, damit ist nicht gemeint, dass dieses Teufelszeug nun unter die Kontrolle der Völker gestellt und folgerichtig ganz schnell abgeschafft würde – im Gegenteil!

Was derzeit in der Welt geschieht, ist gekennzeichnet durch zwei Grauen erregende und sich gegenseitig bedingende Entwicklungen: Die Atommächte, allesamt Ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, weigern sich, ihre Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag zu erfüllen und ihrerseits massiv nuklear abzurüsten. Viele Mittelmächte – nicht nur die „bösen“ wie Nordkorea oder Iran – sind in die Nukleartechnologie eingestiegen und streben mehr oder weniger offen nach der Fähigkeit zum Bau der Bombe. Dieses Ziel haben erreicht: Israel, Pakistan und Indien. Viele Länder sind auf dem Weg dahin, z. T. mit massiver Unterstützung der USA wie beispielsweise Ägypten und Algerien.

In diesem Sinne kann man in perverser Weise von einer Demokratisierung sprechen, da der Trend zur Fähigkeit, nukleare Kriege zu führen, nunmehr eine wachsende Zahl von Staaten ergriffen hat.
  • Hiervon wird die Welt nicht sicherer, sondern gefährlicher.
  • Von der steigenden Gefahr nuklearer Kriegführung ist vor allem die Zivilbevölkerung auch nicht beteiligter Staaten betroffen.
  • Nukleare Abrüstung ist daher dringender denn je.
  • Sie muss bei den Großmächten beginnen, damit auch die Kleineren sich sicher fühlen können, ohne ihrerseits ein völkerrechtswidriges nukleares „Abschreckungspotenzial“ aufzubauen!


Michaela Sburny, Bundesgeschäftsführerin Die Grünen, Abgeordnete zum Nationalrat

Die Aufnahme von Verhandlungen über die Errichtung von Raketenabwehranlagen der USA in Polen und Tschechien erwecken auch in Österreich aus mehren Gründen tiefe Besorgnis. Die Begründung für solche Anlagen, dass sie vor der Gefahr iranischer und nordkoreanischer Langstreckenraketen schützen sollen, erinnert allzu sehr an die Begründung des Irakkrieges, dass er die Gefahr der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen verhindern soll. Während die damalige Fehleinschätzung bis heute nicht aufgeklärt wurde, steht im Falle des Iran fest, dass er weder jetzt noch in absehbarer Zeit über Langstreckenraketen von entsprechender Reichweite verfügt. Es gibt keine Anzeichen, dass irgendein Land Angriffspläne gegen Europa oder die USA verfolgt, die solche Präventivmaßnahmen rechtfertigen würden. Die Entwicklung und Aufstellung neuer Waffensysteme bedeuten eine Rückkehr zum Wettrüsten, wie man es in Europa seit dem Fall des Kommunismus für überwunden geglaubt hat.


Dr. Manfred Scheuer, Bischof von Innsbruck

Der 6. August, Fest der Verklärung Christi und Gedenktag des ersten Atombombenabwurfes 1945, sollte uns auf das nahe Beieinanderliegen von Erlösung, Glück und Freude sowie tiefstem und schrecklichstem Leid einstimmen.

Das Ausmaß an Schrecken und Leid durch Atomwaffen ist in der menschlichen Entwicklungsgeschichte ein Abgrund, ein negativer Rekord. Schon der Besitz und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen sind ein Verbrechen gegenüber der Würde des Menschen.

Die echte, uns immer gegebene Möglichkeit zu Frieden und Gewaltverzicht muss uns gerade angesichts der Möglichkeit, dass wir, die westliche Gesellschaft zu Massenmördern werden könnten, Hoffnung und Herausforderung sein. Wir, nicht bloß die anderen, müssen uns ändern, damit das Schreckliche nicht geschieht, das da ja technisch vorbereitet wird.


Kardinal Dr. Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien

Hiroshima und Nagasaki bleiben für immer Zäsuren des Schreckens der Menschheitsgeschichte, auch wenn das Ereignis bereits mehr als 60 Jahre zurückliegt. Seit dem Brudermord von Kain an Abel wissen wir, zu welch grausamen Handlungen der Mensch immer wieder fähig ist.

Die atomare Bedrohung ist seither nicht geringer geworden, im Gegenteil neue Gefahrenpotentiale wie im Nahen Osten bedrohen die internationale Völkergemeinschaft. Unter dem Vorwand der „friedlichen Nutzung“ erlebt die Atomindustrie einen neuen Aufschwung und birgt damit auch vielfache Verlockungen und Möglichkeiten für militärische Zwecke.

Nur ein entschiedenes Eintreten gegen den Rüstungswahn und für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung kann die Zukunft der gesamten Menschheit sichern. Uns Christen kommt dabei durch die Bergpredigt Jesu eine besondere Verantwortung zu, weil sie eine Botschaft des Friedens, der Gerechtigkeit und der Versöhnung unter allen Menschen ist.


Frank Uhe, Geschäftsstellenleiter, I P P N W, Deutsche Sektion

Eine Welt gestalten, frei von Atomwaffen

Am 6. und 9. August 1945 geschah das Unfassbare. Zwei Atombomben zerstörten die Städte Hiroshima und Nagasaki. Über 100.000 Menschen starben am Angriffstag und den ersten Monaten danach. Atombomben haben ihren Schrecken auch 62 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki nicht verloren. Für die Überlebenden (Hibakusha) nicht: Sie leiden bis heute unter den Verletzungen und Folgekrankheiten der Bombe und den Diskriminierungen. Für ihre Kinder nicht: Sie erkranken an den Spätfolgen. Und für uns alle nicht, da wir nach wie vor durch Atomwaffen bedroht sind.

Zwei Generationen nach ihrem ersten Einsatz erhält die Bedrohung durch Atomwaffen eine neue Qualität: Immer mehr Staaten streben nach einfachen Atomwaffen als Faustpfand ihrer Macht. Zugleich plant die Atomwaffenmacht USA eine neue Generation Atomwaffen, deren Folgen angeblich kontrollierbar sein sollen. Es droht die Hemmschwelle des Einsatzes von Atomwaffen drastisch zu sinken.

Statt ihrer endgültigen Verschrottung erleben wir die weitere Auf- und Umrüstung der Atomwaffen. Sie drohen in das Zentrum von immer mehr Konflikten zu rücken. Die vertragliche Grundlage der Nichtverbreitung, der Atomwaffensperrvertrag, ist bereits in Frage gestellt. Sein Grundkonsens, wonach keiner nach Atomwaffen greift und ihre Besitzer sie abrüsten, wird nicht mehr geteilt.

Zudem haben die USA für ihre nicht nur militärisch verstandene „Überlegenheit auf breiter Front“ die atomare Strategie ausgeweitet. Ein Baustein dieser Überlegenheit ist die globale „Nationale Raketenabwehr“ (NMD) der USA. Sie wird als Verteidigung der USA gegen allerlei Gefahren verkauft. Doch die Raketenabwehr bedeutet zugleich die atomare Erstschlagesoption gegen konkurrierende Staaten. Damit wird die Rüstungsspirale weiter angestoßen, die anderen Atomwaffenstaaten reagieren bereits darauf.

Der Jahrestag der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki mahnt uns nachdrücklich zur vollständigen Abschaffung aller Atomwaffen und anderer Massenvernichtungswaffen. Das ist unser bleibe Aufgabe. Auf der Grundlage der Achtung der Menschenrechte, des Einsatzes für Demokratie und nachhaltiger Entwicklung sind wir aufgefordert an einer Kultur des Friedens zu arbeiten. Das ist die bleibende Aufgabe aus den Lehren von Hiroshima und Nagasaki.


Werkstatt Frieden & Solidarität, Linz

Für den sofortigen Austritt Österreichs aus EURATOM!
Für ein Ende der Unterordnung Österreichs unter die EU-Militarisierung!


Am 6. und 9. August jähren sich die Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zum 62. Mal. Hunderttausende Menschen wurden dabei getötet oder schwer verletzt, zwei Städte fast vollständig zerstört und die Gebiete rund um Hiroshima und Nagasaki radioaktiv verseucht. Seit Jahrzehnten leiden die Überlebenden (japanisch: „Hibakusha“) an ihren Verletzungen, an Folgekrankheiten und seelische Nöten. Bis heute erkranken Überlebende der Atombomben-Abwürfe an Krebs und sterben daran.

62 Jahre danach ist die Bedrohung durch Atomwaffen wieder aktueller denn je. Die Sprengkraft der bis heute verbliebenen 28.000 Atomwaffen würde ausreichen, das Leben auf dieser Welt mehrfach auszulöschen. Und die Lage wird immer unübersichtlicher: Neben den bisherigen Atomwaffen-Staaten (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Israel, Indien und Pakistan) greifen immer mehr Staaten und nicht-staatliche Akteure nach dieser Massenvernichtungswaffe. Bei den internationalen Verhandlungen zur Abrüstung und Rüstungskontrolle herrscht Stillstand.

Auf dem Weg zur EU-Atombombe

Heute geben die USA mehr für nukleare Rüstung aus als zu Zeiten des „Kalten Krieges“. Doch auch in Europa wird die atomare Aufrüstung vorangetrieben. Großbritannien hat im Frühjahr 2007 die Modernisierung seines Atomwaffenarsenals beschlossen. Frankreich investiert schon länger massiv in die Entwicklung neuer atomarer Lang- und Mittelstreckenraketen. Außerdem will Frankreich - ähnlich wie die USA - so genannte „Mini-Nukes“ bis zum Jahr 2010 einsatzbereit haben. Mit diesen sog. „Mini-Atombomben“ (die immerhin ein Drittel der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe haben) soll ein Atomkrieg gegen sog. „Schurkenstaaten“ wieder führbar werden. Die deutschen Machteliten setzen vor allem die „Europäisierung“ der Atomwaffen, um selbst Zugriff auf Massenvernichtungswaffen zu erlangen. In einem Papier des Centrums für Angewandte Politikforschung, einem führenden Beratungsinstitut der deutschen Regierung, heißt es über die Zukunft der EU: „Nur im Szenario Supermacht Europa wird das große Europa seinem objektiven Weltmachtpotenzial gerecht. ... Der Aufbau der Vereinten Europäischen Strategischen Streitkräfte, die sich unter einem gemeinsamen europäischen Oberkommando des Atomwaffenpotenzials Frankreichs und Großbritanniens bedienen können, wird die internationale Rolle der EU verändern. ... Die Supermacht Europa verabschiedet sich endgültig von der Idee einer Zivilmacht und bedient sich uneingeschränkt der Mittel internationaler Machtpolitik.“ (Zukunft Europas, Mai 2003, CAP)

40 Millionen jährlich für Atomwirtschaft

In Österreich ist sowohl die zivile als auch die militärische Nutzung der Atomenergie verfassungsmäßig untersagt (Atomsperrgesetz bzw. seit 1999 „Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich“), denn diese sind in der Praxis siamesische Zwillinge. Über die EU-Ebene werden diese Verpflichtungen jedoch ständig ausgehöhlt. Österreich ist Mitglied bei EURATOM, dessen Ziel es ist, „die Voraussetzungen für die Entwicklung einer mächtigen Kernindustrie zu schaffen“. Im 7. Rahmenprogramm für Forschung werden die Mittel für das EURATOM-Programm von 1,2 auf 4,1 Milliarden Euro erhöht. Bereits heute zahlt das „Anti-Atomland“ Österreich jährlich ca. 40 Millionen Euro in die EU-Atomtöpfe - ein Beitrag, der weiter steigen wird. Über die Einbindung Österreichs in die EU-Militarisierung droht auch das Verbot der militärischen Nutzung zunehmend zur Makulatur zu verkommen. Das österreichische Verteidigungsministerium unterstützt offensichtlich die deutsche Linie einer eigenen EU-Atombombe. Im Jahr 2006 forderte einer der (damals) ranghöchsten Beamten im Verteidigungsministerium, Erich Reiter, die „Europäisierung der Atomwaffen“ und stellte fest: „Ja, Europa braucht atomare Abschreckung. Es muss bereit sein, die Atombombe auch einzusetzen“. (News, 06/2006). Es ist dem Druck der österreichischen Friedensbewegung zu verdanken, dass die Regierung den Atomwaffenfan Reiter zurückpfeifen musste.

Für Neutralität und Anti-Atompolitik!

Österreich muss wieder zu einer entschiedenen Anti-Atom-Politik zurückfinden und seine verfassungsmäßigen Verpflichtungen erfüllen. Das erfordert den sofortigen Austritt aus EURATOM und ein Ende der Unterordnung unter die EU-Militarisierung. Die geplante EU-Verfassung (die jetzt auf „Reformvertrag“ umgetauft wurde) soll die EU-Staaten zur dauerhaften militärischen Aufrüstung verpflichten und dem EU-Ministerrat ein Mandat für weltweite Militäreinsätze bei der sog. „Bekämpfung der Terrorismus“ geben. Die österreichische Regierung will sich an den EU-Schlachtgruppen („battle groups“) beteiligen, die für Kriegseinsätze in den rohstoffreichen Regionen von Zentralafrika bis zum Südkaukasus aufgestellt werden. Das alles ist mit der Neutralität nicht vereinbar, die zur Nicht-Teilnahme an Kriegen verpflichtet.

Anlässlich des Hiroshima-Gedenktages fordert die Werkstatt Frieden & Solidarität daher: Statt bei EU-Kriegseinsätzen mitzumarschieren und für EURATOM mitzufinanzieren soll Österreich eine glaubwürdige Anti-Atom- und Neutralitätspolitik betreiben, die internationale Initiativen für Abrüstung und die weltweite Vernichtung aller Atomwaffen setzt.


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