Hillary Clinton über "Smart power", 12.04.2012 (Friedensratschlag)
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"Im Irak haben wir den größten Übergang von militärischer zu ziviler Führung seit dem Marshallplan beendet"

Hillary Clinton erläutert das neue Leitbild US-amerikanischer Außenpolitik "Smart Power": Militärische Stärke - Diplomatie - Entwicklung

Im Folgenden dokumentieren wir die unwesentlich gekürzte Grundsatz-Rede von US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton über "Smart Power" am Virginia Military Institute anlässlich der Verleihung des Distinguished Diplomat Award vom 3. April 2012. Die Übersetzung besorgte der Amerika Dienst. Die Zwischenüberschriften haben wir der besseren Lesbarkeit wegen selbst eingefügt.
Parallel zur "smart power" haben die Verteidigungsexperten der USA, der NATO und der Bundesregierung den Begriff der "smart defence" erfunden. Was es damit auf sich hat, können Sie u.a. hier lesen:


Rede der US-Außenministerin:

Vielen Dank, dass Sie mich heute hier im Virginia Military Institute (VMI) willkommen heißen. Es ist eine große Ehre für mich, den Distinguished Diplomat Award von einer so herausragenden Institution zu erhalten und in die Fußstapfen derjenigen zu treten, die ihn vor mir erhalten haben. Eine ganz besondere Ehre ist es auch, hier auf einem Campus zu sein, der einen der größten Amerikaner aller Zeiten hervorgebracht hat.

George C. Marshall - der "Vater" des Marshall-Plans

Sicher sind Sie es schon gewohnt, dass Redner hier Loblieder auf George Marshall singen, sowohl über ihn als Soldat als auch als Staatsmann, über seine Integrität und seinen Mut, seine Selbstlosigkeit, seine Loyalität und seine Ehrlichkeit. Aber eine meiner Lieblingsgeschichten über George Marshall stammt aus einer Zeit, in der sein Name noch nicht in jedem amerikanischen Geschichtsbuch zu finden war.

Es heißt, dass man nicht sehr viel von ihm erwartete, als er am VMI anfing. Er war schüchtern. Er hatte Angst. Er war ein unbeholfener und eher mittelmäßiger Student.

Viele Jahre später wurde George Marshall gefragt, was ihn verändert habe. Er erzählte, er habe zufällig mit angehört, wie sein älterer Bruder, ebenfalls Kadett am VMI, seine Mutter warnte, George sei so schwach und schüchtern, dass er „dem Familiennamen am VMI Schande machen“ würde. George Marshall sagte: „Ich habe in diesem Moment beschlosen, dass ich ihm das Gegenteil beweisen würde.“ Dieses Gespräch mit anzuhören habe bei ihm, wie er später sagte, einen „Erfolgsdrang“ ausgelöst.

Sicher haben wir alles schon einmal etwas erlebt, das dem Gefühl, über das Marshall sprach, ähnelt – dieser Drang, unsere Zweifel und Unsicherheiten in etwas Besseres und Stärkeres zu kanalisieren. Auf anderer Ebene können wir diese Erfahrung in dieser Zeit neuer Herausforderungen auch auf unsere Institutionen und unsere Gesellschaft anwenden. Marshalls Leistungen als Außenminister sind nicht nur auf diesen Erfolgsdrang, auf seinen Mut oder seine Integrität zurückzuführen. Sie rührten von seiner Vorstellung amerikanischer Stärke und Führungskraft her – einer Vorstellung, die perfekt in seine Zeit passte, aber ihr auch weit voraus war.

Einige von Ihnen haben vielleicht schon gehört, dass ich gerne über die Notwendigkeit spreche, in der Außenpolitik neben der Verteidigung auch Diplomatie und Entwicklung als Säulen unserer nationalen Sicherheit zu betonen. Schon George Marshall hatte dies erkannt. Allein dadurch, dass er das Amt als Außenminister nach einer langen Laufbahn geprägt vom Dienst und der Führungsstärke des Militärs übernahm, setzte er ein starkes Zeichen für die enge Verbindung zwischen Diplomatie und Verteidigung.

Militärische Stärke garaniert "unsere herausragende Führungsstärke"

Natürlich erkannte nicht jeder diese Verbindung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten sich viele Amerikaner von der Welt zurückziehen. Sie glaubten, eine starke Verteidigung reiche aus, um unsere Sicherheit zu garantieren. Aber General Marshall wusste schon damals, dass das stärkste Militär der Welt nicht ausreichte, um unsere Sicherheit allein zu gewährleisten.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Die militärische Stärke garantiert unsere herausragende Führungsstärke auf der ganzen Welt, heute wie damals. Marshall sagte bei seinem Abschied von der Army: „Neben dem großen Problem der Friedenswahrung müssen wir auch das Problem des Mangels an Essen, Kleidung, Kohle und Unterkünften lösen. Keines dieser Probleme kann allein gelöst werden. Sie stehen in direktem Zusammenhang zueinander.“

Damit trug er der Erkenntnis Rechnung, dass die Förderung unserer eigenen Interessen von den Bedingungen abhängig ist, unter denen andere Menschen auf der Welt leben. George Marshall war der Meinung, dass wir alle Instrumente unserer Macht einsetzen müssen, um unsere eigene Sicherheit zu gewährleisten. Das gilt heute mehr denn je. Wieder einmal sehen wir uns einer angespannten Haushaltslage gegenüber, und es entsteht der gefährliche Impuls, sich der Verantwortung zu entziehen, weil wir uns, wie einige sagen, internationales Engagement nicht mehr leisten können. Aber heute wie damals müssen wir erkennen, dass die Stärkung der globalen Führungsrolle der Vereinigten Staaten die beste Investition ist, die wir in unsere Zukunft tätigen können.

Deshalb verfolgen wir eine Außenpolitik basierend auf den drei Säulen: eine Strategie, mit der die Vorstellungen von Marshall aktualisiert und auf die globalisierte Welt des 21. Jahrhunderts angewandt werden. Als Marshall auf das vom Krieg zerrüttete Europa blickte, wusste er, dass Hunger und Armut letztendlich den eigenen Wohlstand und unsere Chancen untergraben, dass Verzweiflung und Chaos letztendlich Kräften Vorschub leisten würden, die uns hier in unserem Land bedrohen könnten. Heute erkennen wir in vielerlei Hinsicht, wie wahr diese Erkenntnisse sind. Wir sehen, dass die größte Bedrohung unserer Sicherheit von einem Mangel an Chancen, der Verweigerung von Menschenrechten, einem sich verändernden Klima sowie dem Mangel an Wasser, Essen und Energie ausgehen.

Smart Power für das 21. Jahrhundert

Wir sehen, dass die Lösung der heutigen Konflikte neben unseren militärischen Bemühungen auch von der Förderung wirtschaftlicher Entwicklung, von guter Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit abhängt. Ebenso wie seinerzeit von George Marshall kommen einige der lautesten Forderungen, neben der Verteidigung die Bedeutung von Diplomatie und Entwicklung zu stärken, von unserer militärischen Führung. Um nur ein Beispiel zu nennen: Als Leon Panetta voriges Jahr Verteidigungsminister wurde, betonte er gleich zu Anfang die Bedeutung dieser integrierten Herangehensweise. Er sagte, die nationale Sicherheit hänge von einer Reihe von Faktoren ab. Sie hängt von starker Diplomatie ab, von unserer Fähigkeit, mit anderen Ländern Kontakt aufzunehmen und ihnen zu helfen, und von unserer Fähigkeit, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Entwicklung zu beflügeln. Wir haben also Hand in Hand mit unseren Kollegen beim Militär gearbeitet, um eine Außenpolitik zu gestalten, die auf Smart Power für das 21. Jahrhundert beruht, eine Außenpolitik, die Ergebnisse für den globalen Frieden, Wohlstand und Fortschritte liefert. All das liegt zutiefst im eigenen Interesse der Vereinigten Staaten.

Ich möchte kurz erklären, wie wir diese Vorstellung von Smart Power umsetzen wollen. Zunächst werden wir alle Instrumente der amerikanischen Macht in Konfliktsituationen sowie nach einem Konflikt einsetzen, wo die Verbindungen zwischen Verteidigung, Diplomatie und Entwicklung am offensichtlichsten sind. Denken Sie an Afghanistan, den Irak, den Kampf gegen die Lord’s Resistance Army in Uganda und andernorts in Afrika, den Schutz der Zivilbevölkerung während wir helfen, ein neues Libyen zu schaffen. Verbesserungen der Sicherheit sind nur von Dauer, wenn sie von effektiven, rechenschaftspflichtigen Regierungen gestützt werden, die für ihre Bürger auch Resultate liefern. Solche Regierungen und Institutionen aufzubauen, erfordert eine starke und aktive zivile Präsenz.

Afghanistan: "kämpfen, miteinander reden, aufbauen"

In Afghanistan beispielsweise verfolgen wir einen dreigleisigen Ansatz: kämpfen, miteinander reden, aufbauen. Das sind die drei Säulen in Aktion. Unser Militär erhält den Druck auf die Taliban aufrecht, an den Verhandlungstisch zu kommen und die sicherheitspolitischen Fähigkeiten der afghanischen Streitkräfte zu stärken. Gleichzeitig öffnen wir die Tür für die Afghanen, einen integrativen Friedensprozess zu verfolgen, der die Taliban von Al Kaida trennen und den jahrzehntelangen Konflikt in Afghanistan beenden könnte. Und schließlich arbeiten wir an einer wirtschaftlichen Grundlage für eine langfristige, nachhaltige Entwicklung.

Die drei Elemente - kämpfen, miteinander reden und aufbauen - verstärken sich gegenseitig und sind ausschlaggebend für die Stärkung dessen, was die Afghanen in den letzten zehn Jahren erreicht haben und darauf aufzubauen – von den entscheidenden Fortschritten bei Frauenrechten und dem verbessertem Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung und Bildung für Mädchen und Jungen. Zweifelsohne war dies ein besonders schwieriger Zeitraum in unseren Beziehungen zu Afghanistan, und es stehen noch enorme Herausforderungen bevor. Auch wenn wir uns dem Abzugsdatum 2014 nähern, werden die Vereinigten Staaten weiter mit den Bürgern Afghanistans zusammenarbeiten und helfen, eine bessere Zukunft aufzubauen. Wir hoffen, im kommenden Monat ein strategisches Partnerschaftsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Afghanistan abschließen zu können, aus dem unser langfristiges Engagement hervorgeht. Wir wissen, dass wir Afghanistan nicht allein lassen dürfen, wenn wir nicht - wie in der Vergangenheit - einen Preis dafür bezahlen wollen. Deshalb ist es unserer Meinung nach definitiv in unserem Interesse, Afghanistan weiter zu helfen, selbständig und dauerhaft sicher zu werden.

"Dauerhafte Partnerschaft mit einem freien und demokratischen Irak"

Im Irak haben wir den größten Übergang von militärischer zu ziviler Führung seit dem Marshallplan beendet. Unsere dauerhafte Partnerschaft mit einem freien und demokratischen Irak wird von Zivilisten geleitet. Wir verschließen nicht die Augen vor den verbleibenden Herausforderungen und der Arbeit, die vor uns liegt. Aber der Irak hat seine Sicherheit selbst in die Hand genommen und hat die Chance – wenn seine politische Führung sie ergreift – als bedeutendes Beispiel einer aufstrebenden Demokratie in einer Region zu gelten, die einen historischen Wandel durchläuft.

Um diese Zeit im vergangenen Jahr haben wir unsere militärische und zivile Unterstützung für Libyen in seiner Stunde der Not aufgestockt. Aber der wahre Gradmesser des Erfolgs in Libyen ist nicht der Sturz eines Diktators, sondern der Aufbau einer Demokratie, die auf Rechtsstaatlichkeit und der Achtung der Menschenrechte beruht.

Unsere Soldaten und Zivilisten arbeiten auch an anderen Orten zusammen. Lange bevor KONY 2012 die Lord’s Resistance Army zu einem beliebten Diskussionsthema machte, hatten wir Soldaten und Zivilisten vor Ort, die den Gemeinden halfen, sich gegen die Bedrohung zu wehren. Als Japan voriges Jahr von einen Erdbeben und Tsunami heimgesucht wurde, taten sich unsere Streitkräfte, Diplomaten und Entwicklungsexperten zusammen, um unmittelbar und umfassend zu reagieren. Am Horn von Afrika haben die Vereinigten Staaten fast eine Milliarde US-Dollar an humanitärer Hilfe zur Verfügung gestellt, die unzählige Menschen vor Unterernährung, dem Hungertod und Krankheiten bewahrt hat. Unser dauerhaftes Engagement hat das Beste an Amerika zum Vorschein gebracht, weil es dazu beigetragen hat, die extremistischen Bestrebungen von Terrorgruppen wie Al-Shabaab in Somalia zu unterlaufen.

Unsere militärischen und zivilen Einsatzkräfte arbeiten also an vielen Orten Seite an Seite und erleben dort unmittelbar Konflikte und Krisen. Wir arbeiten aber auch zusammen, um die Anzahl der Orte zu verringern, in denen wir auf diese Art reagieren müssen, denn die Entsendung von amerikanischen Soldaten, Matrosen, Fliegern und Marineinfanteristen ist keine Entscheidung, die ein Präsident leichtfertig trifft. Im Außenministerium arbeiten unsere Diplomaten also rund um die Uhr, um alle anderen Optionen auszuschöpfen. Ein zweites Schlüsselelement unserer Smart Power ist also der Einsatz von Diplomatie zur Verhinderung von Konflikten und der Beilegung von Streitigkeiten, bevor sie sich zu einer Krise ausweiten, die militärisches Eingreifen erfordert.

Druck auf den Iran

Lassen Sie uns ein aus den Medien bekanntes Beispiel betrachten: unsere laufenden Bemühungen, internationalen Druck auf das Regime in Iran auszuüben. Präsident Obama hat deutlich seine Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, Iran davon abzuhalten, Kernwaffen zu erlangen. Alle Optionen bleiben auf dem Tisch, aber wir sind der Meinung, dass noch Zeit und Raum ist, es mit Sanktionen und Diplomatie zu versuchen.

Wir bereiten uns also auf eine weitere Runde der so genannten P5+1-Gespräche vor, also mit den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats: den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Russland und China – und Deutschland und der Europäischen Union. Die Gespräche werden Ende des Monats stattfinden, allerdings nicht mit offenem Ende, da beide Parteien sonst endlos um das Thema herumreden, ohne je eine Einigung zu erzielen. Wir erwarten von Iran konkrete Zusagen über die Offenlegung seines Atomprogramms und die Einhaltung seiner internationalen Verpflichtungen.

Inzwischen werden wir weiter mit voller Kraft gegen das Regime vorgehen, das umfassendste Sanktionspaket der Geschichte durchsetzen und Iran weiter von der internationalen Gemeinschaft isolieren. Der anhaltende Druck bringt die iranische Führung zurück an den Verhandlungstisch und wird, wie wir hoffen, zu einem Aktionsplan führen, mit dem unsere Unstimmigkeiten auf friedliche Weise beigelegt werden können.

Hand in Hand mit unseren diplomatischen Bestrebungen arbeitet die dritte Säule unserer Smart Power, Entwicklung: die Investition in die langfristigen Grundlagen humanitärer Sicherheit und Stabilität. Unsere Entwicklungsarbeit gründet natürlich auf unseren Werten. Wir halten es für falsch, dass Menschen an vermeidbaren Krankheiten und gesundheitlichen Problemen sterben, die im 21. Jahrhundert keinen Platz haben. Entwicklung ist auch eine wesentliche und gleichberechtigte Säule unserer nationalen Sicherheitsstrategie. Wir wollen den Ländern helfen, selbstständiger zu werden, damit sie stärkere Partner sein können, die uns helfen, gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen. Breit angelegtes Wirtschaftswachstum dient der Menschenwürde und ist beim Aufbau einer stabileren Gesellschaft behilflich.

Nicht nur die Forschung, sondern auch die Erfahrung hat gezeigt, dass es in bis zu 40 Prozent aller Länder, die sich von einem Konflikt erholen, innerhalb von zehn Jahren wieder Gewalt geben wird. Wenn aber ihre Wirtschaft wächst und das Einkommen ihrer Bürger steigt, sinkt die Gefahr, dass diese Länder zu Gewalt zurückkehren, drastisch. Dafür gibt es keine bessere Methode als die Einführung der Prinzipien der freien Marktwirtschaft, die Förderung des Unternehmertums, die Schaffung von Bedingungen, die es Frauen und Männern ermöglichen, die Früchte ihrer Arbeit in Form von steigenden Einkommen und besseren Chancen für ihre Kinder zu ernten.

Wenn wir uns Entwicklung ansehen, fangen wir mit dem Grundlegenden an. Was wollen wir von unserem Leben? Denn das unterscheidet sich nicht so sehr von dem, was andere wollen. Wenn alle sechs Sekunden auf der Welt ein Kind verhungert, dann wollen wir mehr tun um zu gewährleisten, dass Mütter und Kinder genug zu essen bekommen, insbesondere in dem Zeitraum von 1.000 Tagen von der Schwangerschaft bis das Kind zwei Jahre alt ist, denn Unterernährung in dieser Zeit kann die Entwicklung eines Kindes auf Dauer schädigen.

Durch unser Ernährungsprogramm Feed the Future werden Länder bei der Entwicklung eigener Pläne zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion unterstützt. Damit Kindern ausreichend Nahrung zur Verfügung steht, müssen die Bauern genug verkaufen, und Familien sollten sich nicht darum sorgen müssen, woher die nächste Mahlzeit kommt. Wir wollen also nicht nur in Krisen wie Hungersnöten einschreiten, sondern versuchen, die Bauern dabei zu unterstützen, die Ernteerträge zu erhöhen. Wir warten auf den Tag, an dem die Länder nicht mehr auf Hilfe von außen angewiesen sind, um ihre Bürger zu ernähren. Wir wollen außerdem Konflikte über Nahrungsquellen vermeiden und eine starke und produktivere Bevölkerung in unseren Partnerländern fördern.

Im Rahmen unserer Globalen Gesundheitsinitiative (Global Health Initiative) werden Krankheiten behandelt und Gesundheitssysteme verbessert, weil wir möchten, dass die Länder mehr Verantwortung für die Gesundheitsversorgung ihrer Bürger übernehmen. Das bedeutet, dass wir an einigen Orten Tuberkulose oder andere vernachlässigte Tropenkrankheiten bekämpfen oder bis Ende des kommenden Jahres lebensrettende HIV-Behandlungen für sechs Millionen Menschen zur Verfügung stellen, um die Grundlage für Generation ohne AIDS zu schaffen. Indem wir den Wünschen der Länder wirklich Gehör schenken und sie als Partner an den Tisch bringen, können wir mit denselben Ressourcen tatsächlich mehr erreichen.

Konzentration auf Frauen und Mädchen

Ein wichtiges Prinzip dieser Programme ist die Konzentration auf Frauen und Mädchen. Warum? Weil die Erfahrung und viele Beweise zeigen, dass wir Frauen in jedem Bereich mit einbeziehen müssen, wenn wir wirtschaftliche Chancen und Wachstum erhöhen, die Gesundheit und die Bildung der Menschen verbessern und verantwortungsvolle Regierungsführung und Demokratie fördern wollen. Hier am VMI haben Sie in den 15 Jahren, in denen weibliche Kadetten hier zugelassen werden, sicherlich gesehen, wie Frauen einen einzigartigen Beitrag zur Stärkung und zur Ehre dieser Institution geleistet haben. Wenn wir gemeinsam Fortschritte machen wollen, können wir nicht einfach die Hälfte der Bevölkerung ignorieren.

Wir nutzen also die Prinzipien der Smart Power und arbeiten mit unseren Streitkräften zusammen, um die Errungenschaften im Bereich Sicherheit und die Stabilität auf lange Sicht zu fördern, um Probleme und Krisen zu lösen. Wir sehen Entwicklung als Mittel um zu verhindern, dass sich Konflikte langfristig festsetzen. Wir wissen, dass wir zur Anwendung der Instrumente der Smart Power die derzeitigen dramatischen globalen Veränderungen, die auf der ganzen Welt stattfinden und unsere Handlungsweise verändert haben, analysieren müssen. Und wir müssen reagieren.

Wir haben also die Struktur des Außenministeriums und des US-Amts für internationale Entwicklung sorgfältig untersucht. Wir haben unsere Herangehensweise und unsere grundlegenden Fähigkeiten überprüft. Einige von Ihnen haben sicherlich vom Quadrennial Defense Review, dem Vierjahresbericht des Verteidigungsministeriums, gehört. Er ist eine Maßnahme, mit dem das Verteidigungsministerium alle vier Jahre versucht, seine Ressourcen und seine Organisation an seine Strategien und Bedürfnisse anzupassen. Ich habe selbst gesehen, wie effektiv der Bericht ist, als ich im Streitkräfteausschuss des Senats tätig war. Wir haben diese Idee daher für das Außenministerium übernommen. Im Dezember 2010 haben wir den ersten Bericht über Diplomatie und Entwicklung (Quadrennial Diplomacy and Development Review – QDDR) veröffentlicht.

Seitdem haben wir daran gearbeitet, die Hindernisse zu überwinden, die zu oft zwischen Referaten und Behörden entstehen, um uns selbst darauf vorzubereiten, mit den langfristigen globalen Trends umgehen zu können. Als ich ins Außenministerium kam, stellte ich beispielsweise fest, dass die Versorgungssicherheit eine der großen Herausforderungen unserer Zeit ist. Daher habe ich eine neue Abteilung im Außenministerium eingerichtet, in der Experten und Diplomaten arbeiten, die die Bemühungen unserer Regierung zur Sicherung einer stabilen und bezahlbaren Energieversorgung beim Übergang zu einer sauberen Energiewirtschaft anführen.

"Aufbau demokratischer, sicherer und gerechter Gesellschaften"

Außerdem konzentrieren wir uns mehr auf die zentralen Elemente beim Aufbau demokratischer, sicherer und gerechter Gesellschaften. Unsere Programme zur Terrorismusbekämpfung und zur Strafverfolgung sind nun neben denen zur Verteidigung der Menschenrechte und zur Förderung der Chancen für junge Menschen angesiedelt. Unsere neue Abteilung für Konflikt- und Stabilisierungseinsätze setzt sich dafür ein, dass wir gewaltsamen Auseinandersetzungen besser vorbeugen und besser auf sie reagieren können, wenn eine Krise ausbricht. Außerdem stärken wir unsere Führungsrolle und unser Ziviles Eingreifscorps (Civilian Response Corps), um es flexibler und mobiler zu gestalten.

Die zivilen Experten von heute tragen Arbeitsstiefel und Cargohosen ebenso wie Krawatten und Anzüge. Sie arbeiten an den entlegensten und oft schlecht regierten Orten der Welt. Sie arbeiten als Einheit – Entwicklungshilfeexperten, Spezialisten für Landwirtschaft, Verfechter von Menschenrechten und Demokratie –, um die Hauptinteressen der Vereinigten Staaten zu fördern.

Wenn man seine Vorgehensweise ändern will, muss man auch neue Werkzeuge nutzen, um mehr Menschen an mehr Orten zu erreichen und über die Regierungsebene hinaus direkt mit den Menschen Kontakt aufzunehmen. Das bezeichnen wir als Staatskunst des 21. Jahrhunderts. Unsere Botschafter schreiben also Blogs und nutzen sogar Twitter. Jede Botschaft hat eine Facebook-Seite. Und wir tun mehr als nur reden. Wir hören zu und haben Kontakt zu Menschen, die wir vorher nicht erreichen konnten.

Letztes Jahr haben Sie einen Teil dessen gesehen. Nachdem Mubarak zurückgetreten war und die Ägypter sich schwierigen Fragen über die Zukunft stellen mussten, habe ich an einem Webchat mit jungen Ägyptern teilgenommen. Von meinem Büro in Washington aus habe ich online Fragen aus ganz Ägypten beantwortet. Sie haben schwierige Fragen gestellt, und es war ein lebhafter Austausch. Ehrlich gesagt waren viele von ihnen den Vereinigten Staaten gegenüber kritisch eingestellt und scheuten sich nicht, dies auch zum Ausdruck zu bringen. Allein der offene und ehrliche Austausch war revolutionär und gibt uns die Chance, neue Beziehungen aufzubauen. Ich habe dasselbe mit Menschen aus Iran getan. Wir haben uns online in Gesprächen ausgetauscht, die simultan ins Farsi gedolmetscht wurden. Wir haben von Iranern selbst von den Herausforderungen, den Hoffnungen und Wünschen der Menschen gehört. Diese Dinge sind alle Bestandteil von Smart Power und für unsere nationale Sicherheit entscheidend.

Einige Amerikaner mögen sich fragen, wie der Wiederaufbau von Volkswirtschaften uns dabei helfen kann, auf die für uns größten Bedrohungen zu reagieren, und ob durch Entwicklungsunterstützung nur Gelder verteilt werden, die besser Zuhause investiert werden sollten. George Marshall sah sich mit ähnlichen Sorgen konfrontiert. Ich erinnere mich daran, wie ich über den Marshall Plan gelesen habe und mir dachte, wie unmöglich er schien, nachdem Männer wie mein Vater, die während des Zweiten Weltkriegs in der Marine gedient haben, nach Hause zurückkehrten und einfach nur ein normales Leben aufbauen, wieder arbeiten, eine Familie gründen und ein Haus bauen wollten. Und Marshall wusste das, aber er hörte nicht auf die Skeptiker. Er hielt an seiner Vorstellung fest. Er reiste mit anderen durchs ganze Land, um für Verständnis zu werben und ein Bündnis aufzubauen, um diejenigen zu unterstützen, die Männer wie er und mein Vater bis vor kurzem noch mit allen Mitteln bekämpft hatten. Denn er hatte verstanden, dass wir in das Potenzial der anderen investieren müssen, wenn die Vereinigten Staaten in Frieden und Wohlstand leben sollen.

Amerikanische Werte: "Quelle für globale Stärke und Stolz"

Wenn wir Amerikaner also auf eine immer komplexer werdende globale Realität mit aufstrebenden Mächten und neuen Herausforderungen blicken, müssen auch wir an dieser Vorstellung festhalten. Unsere Außenpolitik kann nur erfolgreich sein, wenn alle Amerikanerinnen und Amerikaner sie unterstützen. Denken Sie an die Veteranen des Zweiten Weltkriegs, denen man bei ihrer Rückkehr sagte, dass sie weiter Steuern zahlen müssen, von denen ein großer Teil genutzt wird, um die Länder wiederaufzubauen, die wir zu zerstören versuchten – stellen Sie sich das einmal in der heutigen Zeit vor. Jemand steht auf und sagt: „Wir müssen mehr Steuern erheben, um ein anderes Land aufzubauen.“ Ich kann mir vorstellen, was im Radio oder im Kabelfernsehen gesagt werden würde. Es erforderte einen großen Staatsbürger und Soldaten, einen Kadetten der VMI, der sich für Smart Power stark machte.

Ich denke, dass es ihrer Generation an Staatsbürgern in Uniform bedarf, um sich für Smart Power im 21. Jahrhundert einzusetzen. Unsere amerikanischen Werte – Ehre, Pflichtgefühl, Opferbereitschaft, Freiheit, Mitgefühl, Bescheidenheit – sind eine großartige Quelle für globale Stärke und Stolz. Wir schauen auf Sie alle, Sie leben diese Werte und werden im Laufe Ihrer Karriere einen Beitrag zu unserem Land leisten, und den Amerikaner zeigen, warum unsere nationale Sicherheit von der Sicherheit der Menschen abhängt, um noch einmal zu beweisen, dass amerikanische Führungsstärke mehr Sicherheit für uns alle schafft, während wir überall auf der Welt Menschenwürde und Chancen Welt fördern.

Ich bin neugierig auf das, was die Zukunft für uns bereithält. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Welt auf gewisse Art und Weise einfacher war, als sie bipolar war und eine klare Trennung zwischen den Vereinigten Staaten und der Freiheit auf der einen, und der Sowjetunion und anderen Nationen sowie dem Kommunismus auf der anderen Seite gab. Ja, es ist komplizierter. Die Probleme sind multipolar. Aber die Stärke der Vereinigten Staaten ist immer noch notwendig. Wir können nicht alle Probleme auf der Welt lösen, aber es gibt kein großes Problem, das ohne uns gelöst werden kann.

Ich danke Ihnen daher für Ihr Engagement als Staatsbürger, Ihr Engagement für ein eigenes Leben und eine eigene Zukunft, für den Willen, wirklich erfolgreich zu sein, und das nicht nur für sich selbst, sondern für diese großartige Nation, die wir lieben und in Ehren halten.

Vielen herzlichen Dank.

Originaltext: Clinton on George Marshall and Smart Power; siehe: http://iipdigital.usembassy.gov/st/english/texttrans/2012/04/201204033264.html#axzz1r3ZWNYBN

Herausgeber: US-Botschaft Berlin, Abteilung für öffentliche Angelegenheiten; http://blogs.usembassy.gov/amerikadienst/



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