USA: Kerry will "Führungsrolle in der Arktis", 19.05.2013 (Friedensratschlag)
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Entschlossen zu einer "Führungsrolle in der Arktis"

Ein Namensartikel von US-Außenminister John Kerry in der Huffington Post - deutsche Übersetzung


Anlässlich einer Zusammenkunft des "Arktischen Rates" in Kiruna (Schweden) Mitte Mai 2013 ließ US-Außenminister John Kerry in der renommierten Internetzeitung Huffington Post einen Namensartikel veröffentlichen, in dem er die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zum Ausdruck bringt, in der Arktis eine "Führungsrolle" spielen zu wollen. Er erinnert vor allem an die durch den Klimawandel sich wandelnde Bedeutung der Arktis für die Energie- und Rohstoffversorgung der Anrainerstaaten. Dazu habe die Obama-Regierung eine "Nationale Strategie für die Arktis" (National Strategy for the Arctic Region) entwickelt, die den Schwerpunkt auf die Entwicklung der "nationalen Infrastruktur, auf den verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und auf mehr Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern" setzt.

Wir dokumentieren im Folgenden den Artikel in der Übersetzung des Amerika Dienstes. Im Anschluss daran folgt ein Artikel von Alison Bauerlein aus dem US-Außenministerium: Zehn Dinge, die man über die Arktis und den Arktischen Rat wissen sollte
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Klimawandel und die Zukunft der Arktis

Von John Kerry *

1867 handelte Außenminister William Seward den Kauf von Alaska aus. Die Vereinigten Staaten erstreckten sich damit nun offiziell bis in die Arktis, und nicht nur unsere Landkarte, sondern auch unsere Landschaft, unsere Ressourcen und unsere Identität veränderten sich grundlegend.

Was Seward nicht vorhersehen konnte, war die Art und Weise, wie der Klimawandel 150 Jahre später die Arktis selbst drastisch verändern würde. Seine Nachfolger in unserer Regierung stellte das vor Herausforderungen und eröffnete ihnen Chancen, die sich auch vor zehn Jahren nur wenige hätten vorstellen können. Seward verhandelte über den Kauf eines Gebiets. Der Klimawandel verlangt von uns, dass wir über ganz neue Beziehungen und Reaktionen verhandeln, die unsere Wirtschaft, unsere Gesundheit, unsere Sicherheit und unsere Interessen als arktische Macht betreffen. Wenn ich zum diesjährigen Treffen des Arktischen Rats nach Kiruna in die nördlichste Stadt Schwedens reise, werden diese Gegebenheiten im Mittelpunkt der Gespräche stehen.

Die Erderwärmung führt zu erheblichen, rasanten Veränderungen im Ökosystem der Arktis mit weitreichenden Konsequenzen. Im September war die Eisdecke über dem Nordpolarmeer auf ein nie da gewesenes Minimum geschmolzen, sodass das Leben von Meeressäugetieren und der von ihnen abhängigen Meerespopulationen in Gefahr war. Eine schmelzende Eisdecke könnte der Region aber auch mehr Handel und Industrie bringen, einschließlich der Förderung von Öl, Gas und Mineralien vor der Küste. Neue arktische Schiffsrouten könnten die Transitzeit zwischen den pazifischen und atlantischen Häfen erheblich reduzieren.

All diese Veränderungen in der Arktis müssen die Art und Weise verändern, wie wir an die Region herangehen. Die neue Nationale Strategie für die Arktis (National Strategy for the Arctic Region)[externer Link] der Regierung Obama setzt den Schwerpunkt bei der Entwicklung der nationalen Infrastruktur unter sich verändernden Bedingungen in der Arktis, auf den verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt und auf mehr Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern. Wir konzentrieren uns auf die Gewährleistung einer sicheren, friedlichen und wohlhabenden Region.

Eines der nützlichsten Foren, mit denen die Vereinigten Staaten arbeiten, ist der Arktische Rat. Deshalb bin ich stolz als erst zweiter US-Außenminister an der halbjährlich stattfindenden Zusammenkunft teilzunehmen, in der die acht arktischen Anrainerstaaten über regionale Umwelt- und Wirtschaftsthemen sowie die Belange der einheimischen Bevölkerung sprechen. Ich werden diese Woche in Kiruna ein Abkommen zur Prävention und Reaktion auf arktische Meeresverschmutzung durch Öl unterzeichnen, das den Rahmen für die Zusammenarbeit im Falle einer Ölkatastrophe in der Arktis bietet. Genau wie bei den immensen Herausforderungen des Klimawandels müssen wir heute auf die Krisen von morgen vorbereitet sein.

Ab Mai 2015 werden die Vereinigten Staaten für zwei Jahre den Vorsitz des Arktischen Rats übernehmen. In diesen Zeitraum fällt auch der 150. Jahrestag des Erwerbs von Alaska. Es ist eine aufregende Chance für die Vereinigten Staaten, eine Führungsrolle in der Region zu übernehmen. Sie hätte zu keiner entscheidenderen Zeit kommen können.

Der Erwerb Alaskas durch Außenminister Seward war der erste Schritt der Vereinigten Staaten zu einer Führungsrolle in der Arktis. Nach 150 Jahren auf diesem Weg nehmen wir die Herausforderungen von heute mit der gleichen Entschlossenheit an.

* Originaltext: Kerry on Climate Change, Future of the Arctic. Erschinenen in der Huffington Post vom 14. Mai 2013. Deutsche Übersetzung: Amerika Dienst.

Herausgeber: US-Botschaft Berlin, Abteilung für öffentliche Angelegenheiten; http://blogs.usembassy.gov/amerikadienst/


Der Arktische Rat

Dem Arktischen Rat gehören die folgenden acht Staaten an:
Die fünf nordischen Länder: Norwegen, Island, Schweden, Dänemark und Finnland sowie die USA, Kanada und Russland.
Sechs Ländern werden im Rat Beobachterstatus (kein Rederecht und ohne Stimme) gewährt: China, Indien, Japan, Südkorea, Singapur und Italien.



Zehn Dinge, die man über die Arktis und den Arktischen Rat wissen sollte

Von Alison Bauerlein **

Der folgende Text von Alison Bauerlein über die Arktis und den Arktischen Rat wurde am 15. Mai 2013 auf DipNote, dem offiziellen Blog des US-Außenministeriums, veröffentlicht. Bauerlein arbeitet im Büro für digitale Öffentlichkeitsarbeit im US-Außenministerium. Die deutsche Übersetzung besorgte der Amerika Dienst.

1. Der Arktische Rat setzt sich aus acht Mitgliedsländern zusammen: Dänemark, Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden und den Vereinigten Staaten.

2. Der Arktische Rat wurde 1996 in Ottawa gegründet.

3. Die arktischen Länder sind für schätzungsweise 10 Prozent aller von Menschen verursachten Rußemissionen und 20 Prozent der anthropogenen Methanemissionen verantwortlich. Diese Schadstoffe haben in der Arktis eine besonders schädliche Wirkung, da sie die zirkumpolare Erwärmung beschleunigen.

4. Die Arktis erwärmt sich bereits zweimal so schnell wie der übrige Planet, was zu einer enormen Veränderung unserer Umwelt sowie der Wettermuster führt. Außenminister Kerry reiste gestern nach Kiruna (Schweden), um die bisherigen Errungenschaften sowie die zukünftige Agenda des Arktischen Rates zu erörtern.

5. Der Klimawandel bedroht die vielfältigen Habitate, Kulturen und Ressourcen der Arktis. Der alte Permafrost taut und arktische Lauffeuer brechen aus. Als Reaktion auf Fragen wie diese haben die Vereinigten Staaten und Schweden (gemeinsam mit vier weiteren Ländern und der UNEP) das Bündnis für Klima und saubere Luft ins Leben gerufen, um den Ausstoß kurzlebiger Klimaschadstoffe, darunter auch Rußemissionen, zu verringern. Diese Maßnahmen zusammengenommen könnten die Erwärmung bis 2050 um 0,5°C verringern.

6. Im September 2012 schmolz die Eisdecke im arktischen Ozean so stark wie noch nie, was zur Verstärkung einer gefährlichen Klima-Feedback-Schleife führte, die globale Wettermuster beeinflusst und Meeressäuger bedroht, die von der arktischen Eisdecke als Jagdgrund und Brutplatz abhängig sind.

7. Das Schmelzen der Eisdecke hat Auswirkungen auf die in der Arktis lebenden Menschen – Gemeinden von Ureinwohnern, die seit Generationen zum Schutz und für die Gewinnung von Nahrungsmitteln auf das arktische Eis angewiesen sind. In Alaska stellt das Eis eine natürliche Barriere dar, die die Küste vor der feindlichen See schützt. Ohne diesen Schutz würden die Küsten Alaskas Opfer von Erosion, so dass Häuser ins Meer stürzen würden und Gemeinden umsiedeln müssten.

8. Arktische Lauffeuer waren über Tausende von Jahren nicht mehr in der Tundra zu sehen, aber jetzt sind sie wieder zu sehen. 2007 brannte ein Feuer in Alaska, das durch einen Blitzeinschlag ausgelöst wurde, über Monate hinweg. Es verbrannte eine Fläche von mehr als 1.000 km² und zerstörte wichtiges Habitat.

9. Wie Außenminister Kerry gestern in seiner Rede in Stockholm sagte, sind die Vereinigten Staaten und China gemeinsam für mehr als 50 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Die beiden Länder gaben im vergangenen Monat eine gemeinsame Erklärung zum Klimawandel ab.

10. In diesem Monat hat das Weiße Haus eine Nationale Strategie für die Arktis (National Strategy for the Arctic Region) veröffentlicht, die die strategischen Prioritäten der US-Regierung für die Arktis skizziert.

** Originaltext: Ten Things You Should Know About the Arctic and the Arctic Council.
Herausgeber: US-Botschaft Berlin, Abteilung für öffentliche Angelegenheiten; http://blogs.usembassy.gov/amerikadienst/



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