Aufruf der Friedensbewegung: "Kein Soldat mehr!" 26.01.2010 (Friedensratschlag)
Dieser Internet-Auftritt kann nach dem Tod des Webmasters, Peter Strutynski, bis auf Weiteres nicht aktualisiert werden. Er steht jedoch weiterhin als Archiv mit Beiträgen aus den Jahren 1996 – 2015 zur Verfügung.

Friedensbewegung: "Soldaten sind keine Entwicklungshelfer in Uniform"

Ein Aufruf der Kampagne "Dem Frieden eine Chance - Truppen raus aus Afghanistan" - Am 20. Februar bundesweite Aktion in Berlin - Dokumentiert: Appell von Künstler und Intellektuellen

Im Folgenden dokumentieren wir zunächst einen Aufruf der Friedensbewegung zu einer gemeinsamen bundesweiten Aktion am 20. Februar 2010 in Berlin. Anlass ist die wahrscheinlich Ende Februar im Bundestag verhandelte Veränderung des Einsatzmandats für die Bundeswehr in Afghanistan, die u.a. eine Erhöhung der Truppen beinhalten wird. (Den Aufruf gibt es hier auch als pdf-Datei.)

Zur Erläuterung hängen wir noch ein Rundmail der Initiatoren an, was mit dem Aufruf geschehen soll.

Und schließlich dokumentieren wir noch einen Appell ("Für einen Abzug") von 25 Künstlern und Intellektuellen, der im September l.J. in der Wochenzeitung "Der Freitag" veröffentlicht worden war.

Kein Soldat mehr!

Dem Frieden eine Chance – Truppen raus aus Afghanistan!

Deutsche Soldatinnen und Soldaten sind keine Entwicklungshelfer in Uniform. Die Bundeswehr tötet am Hindukusch. Nach dem Bombenabwurf in Kunduz wissen das alle.

Heute sind über 100.000 ausländische Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan. Die Menschen in Afghanistan fühlen sich dadurch nicht befreit, sondern besetzt. Das nährt den bewaffneten Widerstand.

Jetzt sollen noch 40.000 weitere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan Krieg führen. Davon wahrscheinlich 2.000 aus Deutschland Die Bundesregierung will im Bundestag beantragen: Truppenaufstockung für Afghanistan.

Mit der Mehrheit der Bevölkerung sagen wir dazu Nein. Wir fordern die Bundestagsabgeordneten auf: Stimmen Sie mit Nein! Schicken Sie keine weiteren Truppen, sondern ziehen Sie diese ab! Nur dann hat der Frieden eine Chance, können die humanitären Hilfsorganisationen ungefährdet arbeiten.

Wir rufen auf: Protestiert am 20. Februar gemeinsam gegen den Krieg. Macht den Abgeordneten klar: Gegen unseren Willen schickt die Bundesregierung weitere Truppen an den Hindukusch. Gegen unseren Willen werden weitere Milliarden für den Krieg ausgegeben. Gegen unseren Willen werden neue Waffen eingesetzt. Afghanistan braucht zivilen Aufbau, der verstärkt werden muss. Afghanistan braucht kein Geld für den Krieg.

Deutschland steht erneut vor der Entscheidung. Mehr Soldatinnen und Soldaten und mehr Waffen, damit mehr Tote und mehr Verletzte. Oder: Waffenstillstand, Truppenabzug und zivile Hilfe. Dafür demonstrieren wir. Dafür brauchen wir Unterstützung. Am 20. Februar und darüber hinaus.

Keine Erhöhung der Truppen – Frieden und Aufbau statt Unterstützung für den Krieg!

Am 20. Februar gemeinsam gegen den Afghanistan-Krieg!



Begleitschreiben der Kampagne "Dem Frieden eine Chance - Truppen raus aus Afghanistan"

Liebe Friedensfreundinnen und Freunde,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Kampagne der Friedensbewegung "Dem Frieden eine Chance - Truppen raus aus Afghanistan" hat ihren Fahrplan für den Protest gegen eine weitere Erhöhung der Truppen in Afghanistan erstellt und bittet alle Friedensinitiativen und -organisationen und alle anderen demokratischen und sozialen Bewegungen (Gewerkschaften, kirchliche Gruppen, Parteien, Jugendorganisationen) mitzuhelfen, den Widerstand gegen die Kriegspolitik unüberhörbar zu machen.

Hierzu haben wir einen Aufruf zu einer bundesweiten demonstrativen Aktion am 20. Februar in Berlin verabschiedet, um dessen Unterstützung wir dringend bitten. Der Aufruf befindet sich als pdf-Datei im attachment! Der 20. Februar wurde gewählt, weil aller Voraussicht nach in der Woche danach im Bundestag über eine Erhöhung der Truppen, die in den Krieg geschickt werden, abgestimmt werden soll.

Die Zeit ist also knapp. Wir bitten dringend um Rückmeldung, ob ihr bzw. eure Gruppen/Organisationen den Aufruf unterstützt. Rückmeldung bis zum 26. Januar (also kommenden Dienstag) an folgende e-mail-Adresse:
afghanistan.aktion@yahoo.de

Zur Finanzierung von Drucksachen (Flyer, Plakat) und der Aktion am 20. Februar bitten wir um eine finanzielle Beteiligung:
Einzelpersonen: 30 EUR
Initiativen/Gruppen: 50 EUR
(Größere) Organisationen: 100 EUR.
Das Geld bitte an folgendes Konto überweisen:
Friedens- und Zukunftswerkstatt e.V.,
Kto-Nr. 2000 81 390
Frankfurter Sparkasse 1822, BLZ 500 502 01
Stichwort: Afghanistan-Kampagne

Am 27. Januar wird Bundeskanzlerin Merkel eine Regierungserklärung zu Afghanistan abgeben. Am 28. Januar findet in London die internationale Afghanistan-Konferenz statt (sie wird von der dortigen Friedensbewegung mit einer Gegenveranstaltung begleitet). Dieses Ereignis sollte von den Friedensgruppen/Initiativen vor Ort genutzt werden, um gegen die bevorstehende Truppenerhöhung zu protestieren und - stattdessen - den Abzug der NATO-Truppen und eine wirkliche Wende zur ausschließlich zivilen Hilfe zu fordern. Falls es Planungen zu lokalen Aktivitäten (Mahnwachen, Info-Stände, Kundgebungen, Demos, andere Veranstaltungen) gibt, sollten sie ebenfalls umgehend an das vorübergehend eingerichtete Kampagnen-Büro gemeldet werden:
afghanistan.aktion@yahoo.de

In der Hoffnung auf zahlreiche Rückmeldungen verbleiben wir (im Namen der Kampagne "Dem Frieden eine Chance - Truppen raus aus Afghanistan") mit herzlichen Grußen
Peter Strutynski (Friedensratschlag)
Lühr Henken (Hamburger Forum)
Reiner Braun (IALANA)
Susanne Grabenhorst (Kooperation für den Frieden)
Monty Schädel (DFG-VK)
Horst Trapp (Friedens- und Zukunftswerkstatt FFM e.V.)
Laura von Wimmersperg (FRIKO Berlin)



Dokumentiert

Für einen Abzug

25 Künstler und Intellektuelle rufen im Freitag auf: In Afghanistan müssen zivile Aufbauorganisationen innerhalb von zwei Jahren an die Stelle der Bundeswehr treten

"Unsere Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt" - mit diesem Satz wird das wachsende Engagement der Bundeswehr in Afghanistan gerechtfertigt. Ende des Jahres werden annähend 4.500 deutsche Soldaten im Rahmen der ISAF-Truppen der NATO Dienst tun, mitsamt Tornado-Flugzeugen, Panzern und Geschützen. Am Hindukusch wird Krieg geführt. Der Gegner ist keine Armee, sondern eine Kultur. Darum ist dieser Konflikt mit einer Verstärkung des militärischen Engagements nicht zu lösen. Sondern nur durch ein langfristiges entwicklungspolitisches Engagement.

Deutschland hat sich in diesen Krieg verwickeln lassen. Nun hat unser Land eine Verantwortung übernommen, der wir nicht ausweichen wollen. Die deutschen Truppen können nicht unverzüglich abgezogen werden. Wir brauchen einen klaren, transparenten Zeitrahmen für einen solchen Abzug: Im Laufe der kommenden zwei Jahre soll Deutschland seine militärische Präsenz in Afghanistan beenden. Diese Zeit muss für einen Übergang zum nicht-militärischen Engagement genutzt werden. Schritt für Schritt muss sich die Bundeswehr zurückziehen und müssen zivile Aufbauorganisationen an ihre Stelle treten.

Daniela Dahn (Schriftstellerin), György Dalos (Schriftsteller), Dietmar Dath (Schriftsteller), Thomas Dörschel (Virginia Jetzt), Gretchen Dutschke-Klotz (Aktivistin), Jürgen Flimm (Regisseur), Peter Hamm (Schriftsteller), Christoph Hein (Schriftsteller), Inga Humpe (Musikerin), Elfriede Jelinek (Schriftstellerin), Marianne Koch (Ärztin), Friedrich Küppersbusch (Journalist), Sarah Kuttner (Moderatorin), Dirk von Lowtzow (Tocotronic), Thomas Ostermeier (Regisseur), Tim Renner (Musikmanager), Harry Rowohlt (Übersetzer), Horst Eberhard Richter (Psychoanalytiker), Charlotte Roche (Moderatorin), Ruben Jonas Schnell (Medienunternehmer), Friedrich Schorlemmer (Theologe), Katharina Thalbach (Schauspielerin), Martin Walser (Schriftsteller), Roger Willemsen (Publizist), Feridun Zaimoglu (Schriftsteller)

Quelle: Der Freitag, 8. September 2009




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