Michael Morrissey, Kassel, zum Bush-Besuch, 21.07.2006 (Friedensratschlag)
Dieser Internet-Auftritt kann nach dem Tod des Webmasters, Peter Strutynski, bis auf Weiteres nicht aktualisiert werden. Er steht jedoch weiterhin als Archiv mit Beiträgen aus den Jahren 1996 – 2015 zur Verfügung.

"Die Bush-Regierung hat uns eine große Lüge nach der anderen aufgetischt"

Michael Morrissey auf einer Protestkundgebung in Kassel anlässlich des Deutschland-Besuchs des US-Präsidenten George W. Bush

Am 13. Juli 2006 besuchte der US-Präsident George Bush auf Einladung der deutschen Bundeskanzlerin Stralsund. Die Friedensbewegung begleitete das Ereignis mit einer eigenen Kundgebung in Stralsund sowie mit vvielen Aktionen im ganzen Land. In Kassel (Bush-Trommeln für den Frieden) sprach am 13. Juli Michael Morrissey.



Ich will Ihnen zunächst erklären, warum ich hier bin, und warum ich rede.
Ich bin hier, weil mein Freund Peter Strutynski, dessen langjährige Friedensarbeit ich sehr schätze, mich eingeladen hat. Er ist nämlich der Meinung, dass allen klar werden soll, dass eine solche Kundgebung nichts mit „Antiamerikanismus“ zu tun hat.

Er hat vollkommen Recht. Ich bin Amerikaner, und ich teile voll seine Meinung. Gegen Bush zu sein, heißt nicht gegen Amerikaner zu sein. Im Gegenteil.


Inzwischen ist sogar die Mehrheit der US-Bevölkerung gegen Bush. Sie kennen die Statistik. Nur noch 30% der US-Bürger stehen hinter Bush. George Bush ist ungefähr so beliebt wie Richard Nixon in seiner schlimmsten Zeit – während des Watergate-Skandals. Er ist sehr nah an einer Amtsenthebung, genau wie Nixon damals, und aus weitaus treffenderen Gründen. Auf jeden Fall viel treffenderen Gründen als es bei Präsident Clinton der Fall war. George Bush hat über viel wichtigere Dinge gelogen, als eine kleine Liebesaffäre. Er hat nicht nur gelogen, er hat kriminelle Handlungen begangen, die gegen unsere Verfassung und Gesetze sowie viele internationale Abkommen und Gesetze verstoßen, und seine Politik hat Tausende von Menschenleben gekostet.

Er hat schon zwei Kriege geführt auf der Basis dieser Lügen, droht einen dritten anzufangen und hat uns sogar offen angekündigt, dass diese Kriege gegen den Terror, wie er es nennt, niemals enden werden. Er hat das Gerüst eines Polizeistaates und einer Militärdiktatur aufgebaut im eigenen Land und uns erklärt, das sei der Preis für unsere Sicherheit. Dabei hat er uns nicht gefragt, ob wir bereit sind, Demokatie und Freiheit für seine Art von Sicherheit abzutreten, und nun fühlen wir uns wahrscheinlich viel weniger in Sicherheit als vor dem 11. September, als Konsequenz seiner kriegerischen Aussenpolitik.

Die Bush-Regierung hat uns eine große Lüge nach der anderen aufgetischt. Zuerst war Saddam Hussein verantwortlich für die Attacke in New York. Dann war er mit Al Qaeda liiert. Dann hatte er Massenvernichtungswaffen. Alles glatt gelogen. Zuletzt und immer noch, soll der Krieg und die Besetzung des Iraks zu „Demokratie“ führen. Wie denn? Indem man 100 bis 250 Tausend Zivilisten umbringt? (Die genaue Zahl ist unbekannt.) Indem man die Infrastruktur des Landes kaputt macht und das Land für immer mit radioaktiven Munitionensresten verseucht, und seine geologischen Ressourcen stiehlt? Wer soll das glauben?

Die Anklageschriften für Impeachment (Amtsenthebung) sind längst geschrieben worden, zum Beispiel vom ehemaligen US-Justizminister Ramsey Clark, und werden von vielen Bürger-nahen Organisationen unterstützt, inklusive Kriegsveteranen, Familien von Veteranen, und Gemeinderätem überall im Lande.

Trotzdem geht es weiter – und das ist es, was uns allen Angst machen muss. Genau wie im Märchen von Hans Christian Andersen ist dieser Kaiser splitterfaser nackt, und das wissen alle, inklusive er selbst. Aber alle die, die Verantwortung tragen, sagen nichts. Ich meine den US-Congress und die Massenmedien. Die haben uns im Stich gelassen, und das ist eine viel grössere und tiefliegendere Gefahr, als ein tyrannischer Präsdient.

Das ganze Establishment, ursprünglich als demokratische Kontrolle über tyrannische Präsidenten gedacht, ist wie versteinert, und das schon lange. Sie sind so gut wie tot. Die Demokratie in dieser Form lebt nicht mehr in Amerika. Das ist die Realität, die wir endlich begreifen müssen, wenn wir aus dieser Zwickmühle herauskommen wollen. Wir sind total auf uns gestellt. Wir haben nur noch das Internet, Talk Radio, und Kundgebungen wie diese hier. Wir sind am Boden. Der 11. September war ein KO-Schlag, und die Wahrheitsverschleierer im Weissen Haus haben die Angst und Verwirrung der Menschen schonungslos und systematisch ausgebeutet.

Was tun? Das ist die Frage, die wir uns alle jeden Tag stellen müssen. Wir sollten z.B. nach Südamerika schauen, nach Bolivien und Venezuela. Da haben die Menschen richtige demokratischen Wahlen geschaffen, und echte Vertreter des Volkes gewählt. Es ist also möglich. Wir sind noch weit davon entfernt, aber wir könnten es auch schaffen, wenn wir das Wahlsystem sanieren, die Fernseher ausschalten, und die grossen Zeitschriften und andere Propandaorgane boykottieren würden. Hier könnte das Internet wirklich eine entscheidende Rolle in der Wiederherstellung der Demokratie spielen.

Wir sollten nicht vergessen, dass all das Unheil, das die Bush-Regierung uns gebracht hat, schon vor dem 11. September geplant war. Das ist klar dokumentiert, und Sie können das Dokument im Internet nachlesen. Das Dokument heisst "Rebuilding America's Defenses", und wurde im September 2000 von einer Organsation namens "Projekt für ein neues amerikanisches Jahrhundert" verfasst.

Eins fehlte noch, im September 2000, um diese Agenda durchzuführen: Angst und Schrecken - oder wie sie es selber ausgedrückt haben, "ein neues Pearl Harbor".

Dieses neue Pearl Harbor kam am 11. September 2001.

Nach der offiziellen Verschwörungstheorie haben 19 Araber die gesamte US-Air Force an dem Tag besiegt. Sie haben einfach ein paar Flugzeuge entführt und eins davon direkt in das meist geschützte Gebäude des Universums hineingeflogen.

Aber haben die Wahrheitsverschleierer der US-Regierung uns erklärt, wie so eine meisterhafte feindliche Leistung überhaupt möglich war? Hat der Präsident etwa den Verteidigungsminister Rumsfeld gefeuert, oder sogar getadelt, auf Grund dieses katastophalen Fehlers?

Und wenn wir schon bei Herrn Rumsfeld sind, hat irgendjemand ihn gefragt, wo die 2,3 Billionen - ja Billionen - Dollar geblieben sind, die er am 10. September, einen Tag vor dem Attentat, als "verlorengegangen" angegemeldet hat? Warum ist diese Frage nach dem 11. September nicht mehr in den Massenmedien erschienen? Hat das irgendwas damit zu tun, dass sich in dem Teil des Pentagons, der getroffen wurde, die Büros des Naval Intelligence und viele finanzielle Dokumente des Pentagons befunden haben?

2,3 Billionen Dollar, einfach weg. Verschwunden, und niemand weiß wohin oder wofür. Wir haben eine Klausel in unserer Verfassung, die so etwas ausdrücklich verhindern soll. Aber wir wissen schon, was unser Präsidenten und seine Leute von unserer Verfassung halten. Genau deshalb, und aus vielen anderen Gründen, gehören sie alle auf die Anklagebank.

Meine Bitte an die 12.000 deutschen Polizeibeamten, die meinen Präsidenten in Stralsund vor empörten Demonstranten schützen sollen, ist folgende: Nehmen ihn fest! Aber seien Sie vorsichtig. Der Mann ist irre, bis an die Zähne bewaffnet, und höchst gefährlich. Liefern Sie ihn aus an den Weltgerichtshof in Den Haag. Er würde schon einen fairen Prozess bekommen, und das ist viel mehr, als er den Gefangenen in Guantanamo anbietet, oder den US-Bürgern in amerikanischen Gefängnissen, die nach seinen neuen Terror-Gesetzen ewig lange, ohne Beweise und ohne Prozess eingesperrt werden können, was direkt gegen den vierten Zusatz unserer Verfassung verstößt. Er würde gerecht behandelt, obwohl Gerechtigkeit ein Prinzip ist, das er selber offensichtlich weder versteht noch achtet.


Zu weiteren Beiträgen zum Bush-Besuch

Zur Seite "Friedensbewegung"

Zur USA-Seite

Zurück zur Homepage