"Denn Kinder sind die Hoffnung der Welt"

Stichtag 11. Dezember 1946: Vor 60 Jahren gründeten die Vereinten Nationen UNICEF. Bericht und Botschaft von Kofi Annan

04.12.06 - UNICEF ist ein Kriegskind, geboren aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Eigentlich sollte es die Organisation heute gar nicht mehr geben. Als die Vereinten Nationen auf ihrer ersten Vollversammlung am 11. Dezember 1946 ihr Kinderhilfswerk gründeten, gaben sie dem „United Nations International Children´s Emergency Fund“ die Aufgabe, den hungernden und kranken Kindern im verwüsteten Europa so lange zu helfen, bis die größte Not überwunden sei. Doch danach startete UNICEF große Hilfsprogramme in den Entwicklungsländern. Heute ist UNICEF die bekannteste Kinderrechtsorganisation der Welt. 7.000 Mitarbeiter setzen sich in 160 Ländern dafür ein, dass Kinder in die Schule gehen können, medizinische Hilfe, Nahrung und sauberes Wasser bekommen und vor Ausbeutung geschützt werden. 40.000 ehrenamtliche Helfer in den Industrieländern leisten Aufklärungsarbeit, verkaufen Grußkarten und sammeln Spenden.

Die Gründung von UNICEF vor 60 Jahren war, wie es Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela ausdrückt, „eine Antwort auf das Scheitern der Menschlichkeit im Zweiten Weltkrieg“. Gerade angesichts der Kriegsverbrechen, die damals erst in ihrem ganzen Ausmaß bewusst wurden, sollte die Hilfe für Kinder eine Brücke schlagen zwischen den verfeindeten Völkern. „Kinder zu betreuen ist ein internationales Problem, dessen Lösung auf internationaler Ebene zu suchen ist. Denn die Hoffnung der Welt richtet sich auf die kommenden Generationen“, heißt es in der Gründungserklärung.

Von der Nothilfe zur Entwicklungshilfe

Schon Ende der 40er Jahre hilft UNICEF Millionen Kindern in 14 Ländern. Auf dem Höhepunkt der Arbeit in Europa erhalten jeden Tag sechs Millionen Kinder Milch und Lebertran. Nach Deutschland liefert UNICEF Rohstoffe für Kinderkleidung und Kinderschuhe, Millionen Vitamin-A-Tabletten und unterstützt die Ausbildung von Ärzten und Krankenschwestern. Bald arbeitet UNICEF in China, Palästina und Israel. 1950 sind es schon 38 Länder.

Drei Jahre später wird die Organisation zur permanenten Einrichtung. Sie soll das dramatische Elend der Kinder in den ärmsten Ländern der Erde bekämpfen. In den 50er und 60er Jahren beginnt UNICEF große Gesundheitsprogramme in den Entwicklungsländern, von denen viele gerade ihre Unabhängigkeit aus der Kolonialherrschaft erlangen. Riesige Kampagnen werden gestartet: gegen Malaria, Tuberkulose, Lepra, Himbeerpocken und die Augenkrankheit Trachom. Auf Fahrrädern ziehen so genannte Barfußärzte in die entlegensten Dörfer.

Früh erkennt UNICEF, dass es darauf ankommt, die breite Bevölkerung anzusprechen. Dies ist die Geburtsstunde der UNICEF-Botschafter. 1954 eröffnet der amerikanische Komiker Danny Kaye die lange Liste von Schauspielern, Musikern und Künstlern von Peter Ustinov über Audrey Hepburn bis zum Popstar Shakira, die auf das Leid der Kinder aufmerksam machen und um Unterstützung werben.

Die 60er und 70er Jahre: Jahrzehnt des Aufbruchs

„Politische Unabhängigkeit bleibt nichts als eine Farce, wenn die Mittel fehlen, Armut, Analphabetismus und Krankheiten zu überwinden“, mit diesen Worten erklärte der amerikanische Präsident John F. Kennedy die 60er Jahre zur „Dekade der Entwicklung“. Mütter, Familien, das ganze Dorf rücken in den Blick. Die Lebensbedingungen sollen sich insgesamt verbessern. UNICEF sieht sich immer mehr als Unterstützer lokaler Einrichtungen und Initiativen. Mit einfachen und kostengünstigen Mitteln wie der Handpumpe „India Mark II“, Latrinen und Hygieneaufklärung sollen die Menschen in die Lage versetzt werden, selbst ihre Situation zu verbessern. 1965 erhält UNICEF den Friedensnobelpreis – als erste Organisation überhaupt.

80er Jahre: Eine Revolution für das Überleben der Kinder

Seit Anfang der 70er Jahren sucht UNICEF nach einem Mittel, eine der größten Gefahren für das Überleben der Kinder in den Griff zu bekommen: das gefährliche Austrocknen bei schwerem Durchfall. Cholera- und Durchfallepidemien töten in dieser Zeit jährlich fünf Millionen Kinder. Eine Handvoll Kristalle sind die Antwort: Eine Mischung aus Salzen und Glukose ermöglicht es, den erkrankten Kindern rasch wieder Flüssigkeit zuzuführen. Die Orale Rehydratationstherapie ist geboren – laut der britischen Zeitschrift „The Lancet“ die „vielleicht größte Erfindung des 20. Jahrhunderts“. Eine von UNICEF ausgeklügelte Strategie aus Gewichtskontrollen, Oraler Flüssigkeitszufuhr bei Durchfall, Förderung der Bereitschaft zu Stillen und Impfkampagnen rettet bis heute unzählige Kinderleben.

90er Jahre: Kinder haben Rechte – ein Jahrzehnt der Kriege

Im November 1989 fällt die Berliner Mauer – und die Vereinten Nationen verabschieden die UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Die Regierungen verpflichteten sich damit erstmals, allen Kindern das Recht auf Überleben, Schulbildung, Schutz vor Missbrauch und Gewalt und auf Beteiligung zu sichern. Dieses weltweite „Grundgesetz“ für Kinder verändert und erweitert die Arbeit von UNICEF erneut. Immer stärker versteht sich UNICEF als Anwalt für Kinder, die ja nicht nur Bedürfnisse haben, sondern auch Rechte.

Trotz aller Veränderungen der Arbeit bleibt UNICEF aber immer seinen Ursprüngen verbunden: der Nothilfe für Kinder im Krieg und nach Naturkatastrophen. Ob im Vietnamkrieg, in Biafra, Afghanistan, auf dem Balkan, in Ruanda oder in Tschetschenien - überall leiden Kinder und Frauen am härtesten. Heute leistet UNICEF jederzeit in mehr als 30 Ländern Not- und Wiederaufbauhilfe in Krisengebieten und nach Naturkatastrophen. Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

Heute gehen mehr Kinder zur Schule als jemals zuvor. Die Kindersterblichkeit wurde in den letzten 30 Jahren halbiert. Doch immer noch wachsen vor allem in Afrika und in Südasien Millionen Kinder in einem permanenten Ausnahmezustand in extremer Armut, ohne Gesundheitsversorgung und Schulbildung auf. Es gibt zwar das Wissen und die technischen Mittel, allen Kindern ein gesundes und sicheres Aufwachsen zu ermöglichen. Trotzdem sterben immer noch die meisten Kinder an Krankheiten wie Masern, Malaria, Lungenentzündung und AIDS. An gut klingenden Bekenntnissen etwas zu ändern, fehlt es nicht, häufig aber an politischem Willen. „Die Welt ist zwar nur wenig gerechter geworden. Aber für Politiker wird es immer schwieriger, Unrecht zu rechtfertigen. Das nennt man Fortschritt“, erklärte der dienstälteste UNICEF-Botschafter Sir Peter Ustinov kurz vor seinem Tod.

Quelle: UNICEF-Pressestelle; www.unicef.de

Kofi Annan: "I will no longer be Secretary-General, but I will always be your fan"

MESSAGE TO THE SPECIAL COMMEMORATIVE MEETING OF THE GENERAL ASSEMBLY FOR THE 60TH ANNIVERSARY OF UNICEF

New York, 8 December 2006


In the 10 years I have served as Secretary-General, I have been privileged to meet UNICEF colleagues all around the world. I have seen them do great things for children, on all continents, against all odds. They have given a voice to those children who need it most. The have protected children, and helped them survive and develop.

It is largely thanks to UNICEF that today, we understand better than ever that building a better future begins with children -- with ensuring that they are healthy, educated, safe and loved. When given the best possible start in life, children can grow up to realize their greatest potential as adults. UNICEF is dedicated to providing that gateway to a better future.

Over the six decades that have passed since UNICEF’s creation at the end of World War Two, UNICEF’s advocacy on behalf of children has changed the international discourse, putting a human face on development. Each year, UNICEF’s flagship publication has borne witness to the State of the World’s Children, bringing the world’s attention to its youngest citizens. Campaigns for child survival, girls’ education and HIV/AIDS have proved models of a broad and deep partnership across agencies. UNICEF’s emergency responses have saved the lives of millions of children caught up in wars and natural disasters. Health programmes have saved millions of children from disease, undernutrition, illness and death. Education programmes have enabled millions to learn what they need to lead full and productive lives. Protection programmes have saved millions from trafficking, sexual exploitation, violence and abuse. And today, UNICEF’s work to realize the rights of all children is at the heart of our efforts to reach the Millennium Development Goals.

If UNICEF didn’t exist, the world would have to invent it. As you celebrate this milestone, I extend my profound thanks to the staff and leadership of UNICEF, as well as to the National Committees for UNICEF and their Goodwill Ambassadors, for the wonderful partnership we have enjoyed. I know you will keep going strong for many such milestones to come. I will no longer be Secretary-General, but I will always be your fan.

Kofi A. Annan




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