Gernika Gogoratuz Peace Research Centre, 26.04.2007 (Friedensratschlag)
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Guernica: Symbol der Identität, des Friedens und der Versöhnung / Gernika, symbol of identity, peace and reconciliation

Über Arbeit und Selbstverständnis des Friedensforschungszentrums "Gernika Gogoratuz" (Gernika erinnernd) / Work and mission of the Gernika Gogoratuz Peace Research Centre

Im Folgenden informieren wir über ein relativ junges Friedensforschungszentrum (gegr. 1987), das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die barbarische Zerstörung der Stadt Guernica (in der baskischen Sprache: Gernika) wachzuhalten und Lehren für die Zukunft daraus zu ziehen.



"Welches Land wollen wir?"

Aufgaben des Friedensforschungszentrums in Gernika im baskischen Autonomieprozeß. Ein Gespräch mit Maria Oianguren *
(Interview: Ingo Niebel)

Welchen Schwerpunkt setzen Sie sich für die Arbeit Ihres Zentrums?

Eine sehr große: Das Zentrum entstand 1987, am 50. Jahrestag der Zerstörung. Wie sein Name sagt, verstehen wir unsere Arbeit, die wir mit den Opfern der Bombardierung und zum Erhalt des kollektiven Gedächntnisses machen, als besonders wichtig, damit wir aus der Geschichte lernen und Vorschläge für die Zukunft ableiten können.

Was symbolisiert Gernika?

Gernika symbolisiert Identität, baskische Freiheiten, Demokratie, Frieden, Versöhnung. Auf dieser Basis können wir kreative Vorschläge unterbreiten, die den Friedensbildungsprozeß im Baskenland voranbringen könnten.

Wie steht »Gernika Gogoratuz« (GGG) zum Konflikt zwischen dem Baskenland und Madrid?

Im konkreten Fall ist es uns wichtig, die kulturelle Dimension des Konflikts im Baskenland herauszuarbeiten. Wir halten es für sehr wichtig, daß man über die Vorschläge zur Beteiligung der Bürger an dem Friedensprozeß spricht. Wie beteiligen wir die Zugewanderten an diesem Prozeß? Und wir möchten die baskischen Bürger anstoßen, bewußt und verantwortungsvoll mit der Frage umzugehen, was die baskische Identität ist.

Wie bewertet GGG die aktuelle Situation: Existiert der Friedensprozeß noch?

Ich glaube, wir beginnen nicht wieder bei Null. Der Dialog zwischen den Konfliktparteien muß permanent sein. Der Konflikt wird fortbestehen. Die Frage ist, welche Mechanismen aktivieren wir, um allen Anzeichen von Gewalt, egal woher sie kommen, zu begegnen. Und wir müssen in Foren darüber reden, welches Land wir eigentlich wollen.

1997 wandte sich Bundespräsident Roman Herzog in einem Brief an die Überlebenden. Wie bewerten Sie diese Geste?

Der Brief beinhaltete drei Elemente, die man gewöhnlich in einem Versöhnungsprozeß berücksichtigt: Anerkennung des begangenen Schadens, Solidarität mit den Opfern und die Feststellung, daß es die »Legion Condor« war. Als Geste der Versöhnung gab er den Überlebenden seine Hand. Diese lasen ihrerseits einen Brief vor. Das sind kleine, aber wichtige Schritte.

Aus Madrid gab es bisher keine solchen Signale. Ihre Stadt fordert seit langem mit dem Slogan »›Guernica‹ nach Gernika« die Verlegung von Picassos Bild. Wäre das ein Zeichen?

Als Gernikanerin verstehe ich diese Forderung nur zu gut. Und sie hat ihre Berechtigung. Aber als GGG verstehen wir auch, daß es viel Sinn machen würde, wenn dieses Bild wegen seines pädagogischen Wertes als Anklage des Krieges und der Gewalt an vielen Orten gezeigt würde: in all jenen Orten, die bombardiert wurden – also »›Guernica‹ nach Dresden«, aber wir würden auch sagen: »›Guernica‹ nach Falludscha«.

* Maria Oianguren leitet das Friedensforschungs­zentrum "Gernika Gogoratuz" (Gernika erinnernd, GGG)

Aus: junge Welt, 25. April 2007


Peace Research Centre

Gernika Gogoratuz is a Peace Research Centre. It was founded in 1987 in a unanimous decision by the Basque Parliament in remembrance of the 50th Anniversary of the Bombing of Gernika.

The Centre is supported by the Gernika Gogoratuz Foundation of whom the board members consist of representatives of Gernika-Lumo City Hall, the Ministry of Culture and Education, University and Research of the Basque Government, and Rectors of University of Basque Country - Euskal Herriko Unibertsitatea, the University of Deusto, the University of Mondragon, and the Gernika Gogoratuz Association.

The mission of Gernika Gogoratuz is to enrich the symbol of Gernika with regard to the past, by remembering and honouring the history of Gernika, and with regard to the future, by contributing, with a backing of scientific thought, to the generation of an emancipatory, just and reconciliatory peace both in the Basque Country and worldwide.
  • Gernika, symbol of identity, peace and reconciliation
  • Conflict Transformation
  • Horizon of Reconciliation
  • Respect for others
  • Positive Peace - Local and global
  • Remembrance and commitment
  • Facilitation of Mediation Skills
  • Culture of peace
  • Pedagogy of peace
  • Dialogue of towns and countries
Website: www.gernikagogoratuz.org




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