Söldner, Schurken, Seepiraten, 22.11.2009 (Friedensratschlag)
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Söldner, Schurken, Seepiraten

Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der "neuen" Kriege. Buchvorstellung

Das Buch, das wir im Folgenden vorstellen wollen, geht auf die 26. Internationale Sommerakademie zurück, die unter dem Motto "Söldner, Schurken, Seepiraten. Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der 'neuen' Kriege" vom 5. bis 10. Juli 2009 auf der Burg Schlaining/Österreich stattfand.



Piraten, Warlords, Kindersoldaten, private Militärunternehmer und Söldner bestimmten in den letzten Jahren die öffentliche Debatte als „neue“ Akteure in gewaltsamen Konflikten und Kriegen. Hat sich mit diesen Kriegsparteien und der zunehmenden Privatisierung des Krieges auch der Krieg selbst verändert? Wie sehen Bürgerkriegsökonomien aus und welche Rolle spielt die globale Wirtschaft in den heutigen Kriegen? Stehen wir vor oder sind wir mitten in so genannten „neuen Kriegen“ oder zeigen sich „alte“ Kriege im neuen Gewand?

Die Reaktion der EU auf die Piraten vor der Küste Somalias hat sich sehr rasch „versicherheitlicht“ und militarisiert. Eine ursachenorientierte Entwicklungszusammenarbeit bleibt bei gleichzeitig steigenden Budgets für Militärinterventionen unterdotiert bzw. wird angesichts der Finanzkrise sogar in Frage gestellt. Veränderte Formen von Kriegen scheinen immer öfter dem Zweck der Weltordnungsvorstellungen westlicher Wirtschafts- und Militärmächte nachzukommen als den Bedürfnissen der Bevölkerung nach der ursprünglich rein zivil verstandenen „menschlichen Sicherheit“. Die humanitäre Hilfe steckt dabei oftmals im Spannungsfeld zwischen Neutralität, Rückzug oder der höchst unbeliebten zivil-militärischen Zusammenarbeit fest.

Wenn wir heute einen Wandel im Krieg und seiner Austragung erkennen, so stehen sowohl die Anstrengungen der Anti-Kriegs-Bewegung zur Debatte als auch die Formen zur politischen Durchsetzung ziviler Krisenprävention und des zivilen Krisenmanagements.

Zum Inhalt:

  • Der Krieg als „Chamäleon“? – Vorwort
    Thomas Roithner (Friedensforschungszentrum Burg Schlaining – Wien)
  • Friedenspolitik zwischen Realität und Utopie. Zukunftsbild einer Friedensuniversität
    Gerald Mader (Präsident des ÖSFK Burg Schlaining)
Teil 1: Neue Tendenzen im Kriegsgeschehen
  • Konflikte der Zukunft
    Harald Müller (Universität Frankfurt, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung)
  • Das Kriegsgeschehen unter den Vorzeichen der Globalisierung. Neue Kriege oder neue Gewaltkonflikte?
    Wolfgang Schreiber (Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung Hamburg)
  • Die Kontroversen über die „neuen“ Kriege der Gegenwart: Wie sinnvoll ist die Rede vom „Neuen“?
    Anna Geis (Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt/Main)
Teil 2: Was erobern Piraten und Kindersoldaten? Die Akteure der heutigen Kriege
  • Piratenjagd am Horn von Afrika: Politökonomische Betrachtungen zu Beute, Jägern und Gejagten
    Volker Matthies (Universität Hamburg, AFK)
  • „Neue Kriege“ – Neue Gewaltakteure? Zur Rolle von Kindern und Jugendlichen in bewaffneten Konflikten
    Michael Pittwald (Institut für praxisorientierte Sozialforschung, Osnabrück)
  • Piraten, Warlords und zerfallende Staaten – versagt das Völkerrecht?
    Hans-Joachim Heintze (Universität Bochum)
Teil 3: Die Rolle privater Sicherheitsfirmen und Militärunternehmer
  • Die Rolle des Privatsektors in internationalen Einsätzen: über ethische Grundsätze beim Vertragsabschluss
    J.J. Messner (International Peace Operations Association)
  • Kommentar zum Referat von J.J. Messner
    Andreas Zumach (Journalist und Buchautor, Genf)
  • Söldner – Freiwillige – Soldaten: Gedanken zum Thema
    Erwin A. Schmidl (Landesverteidigungsakademie Wien)
Teil 4: Globale Ökonomie und Gewaltökonomien in den heutigen Kriegen und Konflikten
  • Piraten am Horn von Afrika – eine neue Gefahr für die globale Sicherheit?
    Birgit Mahnkopf (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, wiss. Beirat ATTAC)
  • Diamanten-, Holz- und Drogenschmuggel: Die Gewaltökonomien der „neuen Kriege“
    Monika Heupel (Freie Universität Berlin, OSI)
  • Neue Kriege und Neoliberaler Kolonialismus: Systemadministration im Zeitalter des totalen Marktes
    Jürgen Wagner (Informationsstelle Militarisierung, Tübingen, W&F)
Teil 5: Ursache und Wirkung am Beispiel Lateinamerika und dem Nahen Osten
  • Kriegsökonomische Strukturen und Formwandel der Gewalt. Was wir aus den „alten“ Kriegen Lateinamerikas lernen können
    Sabine Kurtenbach (Institut für Lateinamerikastudien des German Institute for Global and Area Studies, Hamburg)
  • Der Gaza-Krieg 2008/2009: Was lehrt uns die Wiederkehr des ewig Gleichen?
    Margret Johannsen (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg)
  • Gender – Macht – Konflikt: Geschlechterverhältnisse im besetzten Palästina
    Magda Seewald (VIDC)
Teil 6: Alternativen und Ansätze aus Theorie und Praxis
  • Richtige Köpfe für Krisenprävention: Welche Diplomatie und Verhandlungsführung für die Verhinderung bzw. Bewältigung der neuen alten Kriege?
    Karin Kneissl (Journalistin, Nahost- und Energieexpertin)
  • Wie die Zivilgesellschaft auf neue soziale Konflikte antwortet
    Ueli Mäder (Universität Basel)
  • Gewogen und zu leicht befunden: Vor Militärinterventionen ist dringend abzuraten
    Peter Strutynski (Universität Kassel)
  • Humanitäre Organisationen in Konfliktgebieten: Neue Herausforderungen durch „neue“ Kriege?
    Andreas Papp (Ärzte ohne Grenzen), Thomas Preindl (Caritas), Martina Schloffer (Rotes Kreuz)
  • Haben wir ein neues Bild vom Krieg? Fragen an ein ruhiges Land
    Johannes M. Becker (Universität Marburg)
Anhang
Der Gott des Friedens und der Gerechtigkeit
Predigt des Friedensgottesdienstes von Franz Sieder

Bibliographische Angabe:
Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.), Projektleitung: Roithner Thomas: Söldner, Schurken, Seepiraten. Von der Privatisierung der Sicherheit und dem Chaos der „neuen“ Kriege, Dialog 58 – Beiträge zur Friedensforschung, ISBN 9783643500991, 343 Seiten, € 9,80, Lit- Verlag, Münster – Hamburg – London – Berlin – Wien, Jänner 2010.


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