Aufruf zum Einstein-Jahr, 25.01.2005 (Friedensratschlag)
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Aufruf zum Internationalen Einstein-Jahr 2005 / Appeal to support an International Einstein Year

Im Wortlaut: Deutsch und englisch mit Liste der Unterzeichner/innen / verbatim (german and english), Signatories

Friedensnobelpreisträger Josef Rotblat initiierte gemeinsam mit dem Internationalen Netzwerk von Ingenieuren und Wissenschaftlern (Ines) und dem Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) einen Aufruf zum Einstein-Jahr 2005. Darin fordern sie die Abkehr vom Krieg und Bildung für alle.
Wir dokumentieren im Folgenden den Text des Aufrufes in einer deutschen Übersetzung, die von der Redaktion der "Blätter für deutsche und internationale Politik" besorgt wurde.
Weiter unten dokumentieren wir ein Referat, das Prof. Dr. Jürgen Schneider, Göttingen, anlässlich der Pressekonferenz zur Vorstellung des Appells im Juni letzten Jahres vortrug.



Aufruf zum Internationalen Einstein-Jahr 2005

Im Jahr 2005 feiern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der ganzen Welt den hundertsten Geburtstag der Speziellen Relativitätstheorie und der Lichtquantenhypothese, die beide von Albert Einstein im Jahre 1905 entwickelt wurden. Im Jahr 2005 jährt sich auch Einsteins Todestag zum 50. Mal.

Einstein war nicht nur ein herausragender Wissenschaftler, sondern zudem ein Wissenschaftler, der sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellte, sich in die Politik einmischte und für Bürgerrechte kämpfte. Sein ganzes Leben lang war er sozialer Gerechtigkeit, Abrüstung und Frieden verpflichtet.

Einstein lehnte nationale Attitüden und inhaltslose gesellschaftliche Rituale ab. Das Internationale Einstein-Jahr 2005 soll deshalb im Geiste seiner universellen und weltbürgerlichen Gesinnung verwirklicht werden.

Die Zukunft demokratischer Gesellschaften beruht auf der umfassenden Bildung und Ausbildung aller Bürgerinnen und Bürger. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen daher allen Menschen zugänglich sein. Bildung darf kein Privileg einiger weniger sein. Die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger aller Länder hängt von der Bereitschaft der Menschen ab, sich dafür einzusetzen, dass eine kulturell, sozial und wirtschaftlich gerechte Welt, aber auch der ökologisch verträglichen Ressourcennutzung geschaffen wird, die dem Prinzip der Solidarität verpflichtet ist.

Die Zukunft der Menschheit liegt in der friedlichen und verständnisvollen Zusammenarbeit zwischen allen Ländern und Kulturen. Die Abschaffung aller Atomwaffen und anderer Massenvernichtungsmittel muss daher der erste und wichtigste Schritt sein, um eine Welt zu schaffen, in der Krieg als Mittel der Konfliktlösung keine Rolle mehr spielt. Um es mit Einsteins Worten auszudrücken:

„Krieg kann man nicht humanisieren. Er kann nur abgeschafft werden.“

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt sind aufgerufen, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und sich dafür einzusetzen, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse als gemeinsames Kulturerbe aller Menschen eingesetzt werden, um Armut, Unterentwicklung und Umweltzerstörung friedlich entgegenzutreten. In einem Interview aus dem Jahre 1929 fasste Einstein seine Vorstellungen einer friedlichen und wirtschaftlich gerechten Welt in folgende Worte:

„Was für eine Welt könnten wir bauen, wenn wir die Kräfte, die ein Krieg entfesselt, für den Aufbau einsetzten! Ein Zehntel der Energien, die die Krieg führenden Nationen im Weltkrieg verbrauchten, ein Bruchteil des Geldes, das sie mit Handgranaten und Giftgas verpulvert haben, wäre hinreichend, um den Lebensstandard in allen Ländern zu erhöhen sowie die Katastrophe der Arbeitslosigkeit in der Welt zu verhindern. Wir müssen darauf vorbereitet sein, für die Sache des Friedens die gleichen heroischen Opfer zu bringen, die wir widerstandslos für die Sache des Krieges gebracht haben. Es gibt nichts, das wichtiger ist und mir mehr am Herzen liegt. Was ich sonst mache oder sage, kann die Struktur des Universums nicht ändern. Aber vielleicht kann meine Stimme der größten Sache dienen: Eintracht unter den Menschen und Frieden auf Erden.“ Wir, die Initiatorinnen und Initiatoren des Internationalen Einstein-Jahres 2005, wollen im Geiste des großen Wissenschaftlers an der Verwirklichung dieser Zukunftsvision mitwirken und bitten die Menschen in aller Welt um ihre Unterstützung.

Unterzeichner:
  • Prof. Dr. Marion Addy, Universität Akkra, Ghana
  • Prof. Dr. Zhores I. Alferow, Nobelpreisträger für Physik 2000, Russland
  • Prof. Dr. Josef Altshuler, Präsident der Kubanischen Gesellschaft für die Geschichte von Wissenschaft und Technologie, Kuba
  • Oscar Arias, ehem. Präsident von Costa Rica, Friedensnobelpreisträger 1987, Costa Rica
  • Prof. Dr. Fernando de Souza Barros, Pugwash Council, Brasilien
  • Prof. Dr. Ulrike Beisiegel, Vorsitzende der Europäischen Arteriosklerosegesellschaft, Deutschland
  • Prof Dr. Baruj Benacerraf, Nobelpreisträger für Medizin 1980, USA
  • Prof. Dr. Hans Bethe, Nobelpreisträger für Physik 1967, USA
  • Prof. Dr. Jeffrey Boutwell, Amerikanische Akademie für Kunst und Wissenschaften, Geschäftsführer der Pugwash-Konferenz Wissenschaft und Weltgeschehen, USA
  • Col. (ret.) Pierre Canonne, ehem. Chef der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen in Den Haag und Pugwash Council, Frankreich
  • Ernesto Cardinal, Schriftsteller, Nicaragua
  • Prof Dr. Arvid Carlsson, Nobelpreisträger für Medizin 2000, Schweden
  • Prof. Dr. Ana-Maria Cetto, Generalsekretärin des Internationalen Rats für Wissenschaft, Mexiko
  • Prof. Dr. Paolo Cotta-Ramusino, Sekretär der Union der italienischen Wissenschaftler für Abrüstung, Italien
  • Prof. Dr. Paul Crutzen, Nobelpreisträger für Chemie 1995, Deutschland/Niederlande
  • Prof. Dr. Jean Dausset, Nobelpreisträger für Medizin 1980, Frankreich
  • Botschafter Jayantha Dhanapala, ehem. Stellvertretender UN-Generalsekretär für Abrüstung, Sri Lanka
  • Prof. Dr. Ogunlade Davidson, wissenschaftlicher Berater von UNEP, Südafrika
  • Prof. Dr. Francisco Jose Delich, ehem. Rektor der Nationalen Universität von Cordoba und Buenos Aires, Argentinien
  • Prof. Dr. Johann Deisenhofer, Nobelpreisträger für Chemie 1988, USA
  • Prof. Dr. Hans-Peter Dürr, Max-Planck-Institut für Astrophysik, Träger des alternativen Nobelpreises 1987, Deutschland
  • Prof. Dr. Manfred Eigen, Nobelpreisträger für Chemie 1967, Deutschland
  • Adolfo Perez Esquivel, Friedensnobelpreisträger 1980, Argentinien
  • Prof. Richard R. Ernst, Nobelpreisträger für Chemie 1991, Schweiz
  • Prof. Dr. Dietrich Fischer, Direktor des Europäischen Friedensmuseums, USA/Österreich
  • Prof Dr. John Kenneth Galbraith, Wirtschaftswissenschaftler an der Harvard Universität, USA
  • Prof. Dr. Johan Galtung, Träger des alternativen Nobelpreises 1987, Norwegen
  • Prof. Dr. Witali Ginsburg, Nobelpreisträger für Physik 2003, Russland
  • Michael Gorbatschow, Friedensnobelpreisträger 1990, Russland
  • Prof. Dr. Cleve W.J. Granger, Nobelpreisträger für Wirtschaft 2003, USA
  • Prof. Karen Hallberg, Vorstandsmitglied der Physikerverbandes, Argentinien
  • Prof. Dr. Gerd Harigel, Europäisches Kernforschungszentrum (CERN), Schweiz
  • Prof. Dr. Herbert A. Hauptmann, Nobelpreisträger für Chemie 1985, USA
  • Prof. Dudley R. Herschbach, Nobelpreisträger für Chemie 1986, USA
  • Prof. Dr. Dieter B. Herrmann, Direktor der Archenhold-Sternwarte Berlin, Deutschland
  • Prof. Dr. Frank von Hippel, ehem. Präsident der Vereinigung amerikanischer Wissenschaftler, USA
  • Prof. Pervez Hoodbhoy, Pugwash Council, Pakistan
  • Prof. Dr. Roald Hoffmann, Nobelpreisträger für Chemie 1981, USA
  • Prof. Dr. Tim Hunt, Nobelpreisträger für Physiologie/Medizin 2001, Großbritannien
  • Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), Friedensnobelpreisträger 1985
  • Internationales Friedensbüro, Friedensnobelpreisträger 1910
  • Dr. Alla Jaroschinskaja, Trägerin des alternativen Nobelpreises 1992, Russland
  • Prof. Dr. Gordana Jovanovi



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