FRIEDENSVORLESUNGEN 2009 an der Uni Kassel, 27.04.2009 (Friedensratschlag)
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FRIEDENSVORLESUNGEN an der Uni Kassel: Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert

Probleme und Perspektiven einer friedensorientierten Außen- und Sicherheitspolitik - Das vollständige Programm

Auch im Sommersemester 2009 gibt es wieder eine Friedensvorlesungsreihe an der Universität Kassel, veranstaltet von der AG Friedensforschung im Fachbereich 5: Gesellschaftswissenschaften.
Hier geht es zu einer pdf-Version des Vorlesungsprogramms: Friedensvorlesungen 2009



Die nächste Vorlesung findet statt am:

Montag, 29. Juni

Pakistan: Fragile Atommacht zwischen den Fronten

Prof. Dr. John Neelsen, Soziologe, Universität Tübingen



Keine Frage: Das Ende der Ära Bush markiert eine Zäsur nicht nur in der amerikanischen Politik, sondern in der Gestaltung der globalen internationalen Beziehungen. Der neue US-Präsident Barack Obama steht für einen kooperativen Führungsstil im Inneren wie in der auswärtigen Politik, gilt als weltoffener, den Menschenrechten und dem sozialen Ausgleich verpflichteter Demokrat, der seine Partner durch Überzeugung für seine Politik gewinnen will und den Dialog mit seinen Gegnern sucht. Dies hat - zumindest atmosphärisch - zur Entspannung in den Beziehungen zum Iran und zu Russland und zu Annäherungen an Vertreter eines „anderen Gesellschaftsprojekts“ in Lateinamerika geführt. Obama hat mit dem Aufgreifen der Vision einer atomwaffenfreien Welt der nuklearen Abrüstung neue Impulse verliehen. Schließlich hat er angeordnet, dass seine Administration den Begriff „global war on terror“ nicht weiter verwendet. Dieser sprachlichen Kehrtwende folgt indessen keineswegs die reale Kriegspolitik der USA. Obama irritierte bereits seine Anhänger mit der verschärften Fortsetzung des Bush-Krieges in Afghanistan und mit der Rehabilitierung der Folterer aus den Reihen der eigenen Geheimdienste. Und schon längst hatte er personelle Entscheidungen getroffen, die eher auf Kontinuität denn auf Bruch mit der Außen- und Sicherheitspolitik seines Amtsvorgängers hindeuten.

Einen solchen Bruch muss es nicht nur in den USA, sondern auch in der Europäischen Union und in der Bundesrepublik Deutschland geben. Deren Sicherheitspolitik ist nach wie vor geprägt von der Vorstellung, die Probleme des 21. Jahrhunderts wie Hunger, Massenarmut, Klimawandel, Migration oder Ressourcenknappheit mit militärischen Mitteln lösen zu können. Daher die Transformation der Bundeswehr in eine weltweit einsetzbare Interventionsarmee, daher die Umwandlung der EU in eine Militärunion, daher das Festhalten an einem global agierenden Militärpakt NATO. Die Kriege in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten oder in Asien werden dadurch weder beendet noch eingedämmt, sondern geschürt. Eine friedenspolitische Alternative muss bei der Entmilitarisierung des Denkens und der Politik ansetzen.

Die Friedensvorlesungen der AG Friedensforschung richten sich nicht nur an Studierende und andere Mitglieder der Universität, sondern auch an die außeruniversitäre Öffentlichkeit.

PROGRAMM

Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert
Probleme und Perspektiven einer friedensorientierten Außen- und Sicherheitspolitik

Uni-Vorlesungsreihe im Sommersemester 2009
Jeweils Montag, 18.15 – 19.45 Uhr


Ort:
Uni Kassel, Standort am Holländischen Platz;
Hörsaal 0117 (Kurt-Wolter-Str. 3)

Montag, 4. Mai

Der Krieg beginnt in den Köpfen und Herzen: Durchsichtige und subtile Formen medialer Kriegsbefürwortung

Dr. Sabine Schiffer, IMV-Institut für Medienverantwortung, Erlangen

Montag, 11. Mai
Geschichte, Ideologie und sozial-psychologische Faktoren des Nahost-Konflikts
Michael Ingber, Wien, Historiker und Journalist, z.Zt. Lehrbeauftragter an den Unis Marburg und Kassel

Montag, 18. Mai
Pyramiden, Parties, Panzer - Neue Anlagen sucht das Kapital
Prof. Dr. Elmar Altvater, emerit. Hochschullehrer für Politische Wissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin

Montag, 25. Mai
Wenn die Milliarden plötzlich verschwinden: Regierungsstrategien zur Bewältigung der Weltwirtschaftskrise
Lucas Zeise, Finanzkolumnist der Financial Times Deutschland, Autor des Buches "Ende der Party" (Papyrossa 2009 [2. Aufl.])

Montag, 8. Juni
"Das Dorf des Deutschen" – Lesung und Diskussion mit Boualem Sansal
Boualem Sansal ist algerischer Schriftsteller, der sich in seinen Romanen mit den traumatischen Auswirkungen des Krieges auf die Gesellschaft Algeriens befasst. Er liest aus seinem neuen Roman „Das Dorf des Deutschen“
In Kooperation mit dem AK "Frankreich und Deutschland in Europa"


Montag, 15. Juni
"Krieg, Imperialismus und Demokratie – Wächst zusammen, was nicht zusammen gehört?"
David Salomon, Marburg, Politikwissenschaftler

Montag, 22. Juni
Hintergründe und Perspektiven des Darfur-Konflikts
Dr. Stefan Kröpelin, Universität Köln, Forschungsstelle Afrika; Leiter von Forschungsprojekten im Sudan und im Tschad




Montag, 29. Juni
Pakistan: Fragile Atommacht zwischen den Fronten
Prof. Dr. John Neelsen, Soziologe, Universität Tübingen




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