Ferien in Frieden / Vacaciones en Paz

Kinder aus Flüchtlingslagern in der Westsahara verbringen die Sommermonate in Andalusien. Bericht und Hintergrund *

SEVILLA / SPANIEN (28.06.2011): Das Kinderhilfsprogramm "Vacaciones en Paz" (Ferien in Frieden), ermöglicht jedes Jahr Tausenden von Kindern, die in Flüchtlingslagern der Sahara leben, Ferien in Spanien.

Die Kinder, die das Glück haben, an dem Programm "Vacaciones en Paz" teilnehmen zu können, sind zwischen 8 und 12 Jahren alt und verbringen die Sommermonate in Andalusien, Am letzten Samstag sind 412 Kinder in Sevilla angekommen.

Nachdem Spanien 1976 seine Kolonie in der Westsahara aufgab und Marokko das südlich seines Landes liegende Wüstengebiet annektierte, flohen 100.000 dieser Einwohner in die algerische Wüste, wo sie seitdem in Flüchtlingslagern leben.

Die Menschen leben in Armut, besonders die Kinder leiden in den Sommermonaten unter der unerträglichen Hitze. Spanien fühlt sich diesen im Stich gelassenen Menschen verpflichtet und ermöglicht jedes Jahr mehreren Tausend Kindern einen Ferienaufenthalt. Die Sahauris, wie sie in Spanien genannt werden, leben während dieser Zeit in Familien und können eine Weile lang das armselige Leben hinter sich lassen und unbeschwerte Ferien bei ihren Gastfamilien verbringen.

Auch in diesem Jahr läuft alles planmäßig, bestätigte die stattliche Koordinatorin des Programms und Präsidentin der "Federación Andaluza de Asociaciones de Amistad con el Pueblo Saharaui", Ángeles Ariza. 400 Städte aus ganz Andalusien nehmen an dem Programm teil.

Auch wenn diese Kinder oft Probleme haben, vielleicht krank sind, unterernährt, oder einfach nur traurig, man setzt alles daran, dass des Sahauris geholfen wird und sie eine glückliche und erholsame Zeit in Spanien verbingen.

In diesem Sommer verbringen 1.649 Kinder der im Exil lebenden Flüchtlingsfamilien aus der Sahara, unter der Regie des Programms 'Programa "Vacaciones en Paz 2011" ihre Ferien in andalusischen Familien. Seit 36 Jahren warten diese Menschen auf ein Referendum welches niemals kommen wird,

Im Vergleich zu anderen Ländern Afrikas war die Kolonialzeit in der Westsahara recht kurz. 1884 erklärten die Spanier das Gebiet zwischen La Gouira im Süden und dem Kap Bojador zu ihrem Protektorat. Sie unterhielten lediglich einige kleinere Handelsposten an der Küste. Erst von 1930 bis 1934 drangen spanische Kolonialtruppen ins Landesinnere vor.

Die spanischen Truppen verließen 1976 endgültig das Land, worauf Mauretanien den Südteil, Marokko den Nordteil annektierte. Es ist dies der einzige Fall oder Versuch von Grenzveränderungen im nachkolonialen Afrika, wenn man von Libyens Übergriffen auf den Tschad oder der heutigen Lage im Kongo absieht. Der ausgerufene Staat Westsahara hat seine Exilregierung bis heute in den Lagern in Westalgerien.

Ihr militärischer Arm, die Frente Polisario, war erfolgreich im Kampf gegen Mauretanien, das sich völlig aus der Westsahara zurückzog. Nach blutigen Kämpfen gegen die marokkanische Armee beherrscht die Frente Polisario etwa ein Drittel des beanspruchten Wüstengebietes.

Auch der Waffenstillstand von 1991 hat nicht zu einer Lösung der Situation geführt. In der Westsahara leben noch 308.000 Menschen, 200.000 sahraurische Flüchtlinge leben im Ausland, davon die meisten in Algerien.

Kurz hinter der Grenze lebt eine große Gruppe von ca. 165.000 Sahauris in vier Zeltstädten in der algerischen Sahara im Gebiet von Tindouf. Diese Lager werden bislang vom UNHCR versorgt und es hat sich dort eine rudimentäre Infrastruktur entwickelt. Angesichts der Perspektivlosigkeit in den Lagern versuchen viele der jungen Leute in die angrenzenden Länder oder auch nach Europa zu fliehen.

[Quelle: zum Teil Wikipedia]

* Dieser Artikel erschien in COMPRENDES Das Spanienmagazin, 28. Juni 2011; www.comprendes.de


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