Feiern im Flüchtlingslager

Demokratische Sahara-Republik beging Gründungsjubiläum. Kritik an UNO

Die junge welt ist eine der wenigen Tageszeitungen, die dem 25. Gründungsgeburtstag der Demokratischen Republik Westsahara einen Artikel gewidmet hat. Ansonsten meistens Schweigen im Blätterwald (löbliche Ausnahme: die Süddeutsche Zeitung mit einem interessanten Überblick über die Situation in Nordafrika). Ein Schweigen, das den marokkanischen Machthabern und Besatzern zu Gute kommt. Wir dokumentieren nachfolgend den Beitrag aus der jungen welt:

Am Dienstag begingen in den Flüchtlingslagern westlich der algerischen Stadt Tindouf rund 155 000 Flüchtlinge aus der ehemals spanisch beherrschten und dann von Marokko annektierten Westsahara den 25. Jahrestag der Gründung ihrer »Demokratischen Arabischen Republik Sahara«(DARS). Die DARS war seinerzeit von der Befreiungsbewegung der Sahrauis, der »Volksfront für die Befreiung der Seqiat al- Hamra und Rio de Oro« (POLISARIO) gegründet worden, um angesichts der Annexion des Landes durch Marokko und zunächst auch Mauretanien den Anspruch auf eine dem Völkerrecht und vor allem dem jahrelangen antikolonialen Kampf der POLISARIO gegen die spanische Kolonialmacht entsprechende Entkolonisierung durchzusetzen. Von Algerien und zeitweilig auch von Libyen unterstützt, gelang es der POLISARIO, die diplomatische Anerkennung der Mehrzahl der afrikanischen Staaten und einer Reihe vor allem auch lateinamerikanischer und asiatischer Staaten zu erringen, nicht jedoch die durch irgendein imperialistisches Land. Heute wird die DARS von rund 50 Ländern offiziell anerkannt.

Während die POLISARIO als eine typische nationale Befreiungsbewegung der damaligen Zeit als antiimperialistisch und progressiv galt und sich der politischen und materiellen Unterstützung Algeriens und solcher Staaten wie Kuba erfreute, beherbergte das Königreich Marokko US- amerikanische Militärbasen und diente sowohl dem amerikanischen als auch dem französischen Imperialismus in der arabischen Welt und im subsaharanischen Afrika als Aufmarschbasis.

Hintergrund des relativen Erfolgs der DARS war letztlich der bewaffnete Kampf der POLISARIO, die so zunächst Mauretanien zum Rückzug aus dem südlichen Teil der Westsahara zwingen und auch der ansonsten natürlich materiell weit überlegenen marokkanischen Armee schwere Niederlagen zufügen konnte. Der Bau einer die ganze »nützliche Sahara«, d. h. insbesondere den Teil der Sahara, in dem sich die gewaltigen Phosphatvorkommen von Bou Craa befinden, umfassenden Mauer erlaubte es Marokko schließlich, das bestehende militärische Patt einzufrieren. Militärisch und diplomatisch in die Enge getrieben, erklärte Marokko sich schließlich zu einem Waffenstillstand und zur grundsätzlichen Annahme eines UN-Plans über eine Volksabstimmung in der Westsahara bereit.

In Wirklichkeit jedoch hat Marokko dieses Referendum seit 1991 systematisch hintertrieben. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte vor kurzem erstmals implizit auf ein Referendum verzichtet und Marokko einen begrenzten Zeitraum zugestanden, innerhalb dessen es »substantielle Vorschläge« über eine administrative und politische Dezentralisierung der Westsahara machen solle. Vor diesem Hintergrund hatte der UN-Sicherheitsrat am Dienstag auch das Mandat für die UN- Mission in der Westsahara um weitere zwei Monate verlängert. Damit soll Marokko länger Zeit gegeben werden, eine Alternative zum geplanten Unabhängigkeitsreferendum für das besetzte Gebiet vorzulegen.

Die POLISARIO hat Kofi Annans Ausführungen als eine Negierung des Selbstbestimmungsrechts bezeichnet und darauf hingewiesen, daß dies das »das Risiko einer Rückkehr zur bewaffneten Konfrontation« berge. Allerdings hat die POLISARIO schon mehrfach mit der Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes gedroht, so zuletzt im Zusammenhang mit der ohne Konsultation mit ihr zustande gekommenen Routenführung der Autorallye Paris-Dakar.

Anton Holberg


Aus: junge welt, 1. März 2001

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