USA-Vietnam: Betr. Dioxin – eine neue Rechnung

Von Karl-Rainer Fabig

Die Frendschaftsgesellschaft Vietnam veröffentlicht seit kurzem einen VietnamNewsletter. Der Newsletter kann bestellt werden bei: stefan-kuehner@gmx.de. Der ersten Ausgabe des Newsletters entnehmen wir den Hinweis auf einen Beitrag von Dr. Karl-Reiner Fabig über den Einsatz des berüchtigten Giftes "Agent Orange", den wir im Folgenden dokumentieren.


33 Jahre nach dem Ende der Entlaubungen im Vietnam-Krieg kommen bisher unbekannte oder auch verdrängte Tatsachen ans Tageslicht. Worauf wir in einer kurzen Notiz in der letzten Nummer des Viet Nam Kurier schon hinwiesen, wird nun von unserem Vorstandsmitglied Karl Rainer Fabig, Arzt und Vorsitzender des „Ausschusses Umweltmedizin“ der Ärztekammer Hamburg detailliert dargestellt.

Wir widmen unsere Aufmerksamkeit einem Artikel, der am 17. April 2003 in der weltweit angesehenen Wissenschaftler-Zeitschrift NATURE erschien (1)[Die Ziffern in Klammern verweisen auf die Literaturangaben am Ende des Artikels]. Autoren sind die US-Wissenschaftler Jeanne M. und Steven D. Stellman, Richard Christian, Tracy Weber und Carrie Tomsallo. Ihre Arbeit The extend and patterns of usage of Agent Orange and other herbicides in Vietnam ist das erste wichtige öffentliche Ergebnis eines US-Gesetzes von 1991 („Agent Orange Act”), in dem das „Institut für Medizin“ (IOM) angewiesen wurde, in Zusammenarbeit mit dem „Department of Veterans Affairs“ die Beziehungen zwischen dem Kontakt zu Herbiziden in Vietnam und Gesundheitsschäden zu untersuchen.

Frühere Einschätzungen der Sprühaktionen in Vietnam

Zu einer ersten internationale Konferenz zum Thema (2) trafen sich 128 Wissenschaftler aus den USA, Vietnam und anderen Ländern sowie 32 Beobachter, darunter auch solche aus Unterorganisationen der UNO vom 13.-20. Jan.1983 in Ho Chi Minh-Stadt. In dem Schlußdokument, das von der Mehrheit der Teilnehmer angenommen wurde, ist zu lesen, daß „es sich um einen chemischen Krieg mit einem in der Kriegsgeschichte erstmaligen, sehr massiven Einsatz von toxischen Stoffen hinsichtlich Raum und Zeit“ (3) handelte. Dieses Statement beruhte auf Daten und Zahlen über die dokumentierten Mengen und die Art der eingesetzten Herbizide. Bekannt waren folgende Stoffe (mit chemischen Namen und in teilweiser Abkürzung): 2,4-D, 2,4,5-T, Picloram und Dimethyl-Arsin­säure (sowie chemische Verwandte und Lösungsmittel). Von allen Wissenschaftlern stets besonders beachtet wurde die Chemikalie 2,4,5-T (2,4,5-Trichloressig­säure), die immer mit dem giftigsten der Dioxine (TCDD) verunreinigt ist. Die 1:1-Mischung von 2,4,5-T mit 2,4-D wurde Agent Orange genannt. 1983 bis 2003 wurde den Angaben der US-Regierungen geglaubt, daß zwischen 1961 und 1970 etwa 44 Mio. Liter Agent Orange über Vietnam versprüht worden seien. Das nicht durch Dioxin wirkende Entlaubungsmittel Agent White (eine Mischung von 2,4-D und Picloram) soll in einer Gesamtmenge von 20 Mio. Litern versprüht worden sein. Das Arsen-haltige Mittel Agent Blue wurde in einer Menge von 8 Mio. Litern ausschließlich zur Erntevernichtung eingesetzt.

Offizielle US-Quellen behaupteten stets, daß die vom 2,4,5-T herrührende Gesamtmenge des in Vietnam eingesetzten TCDD (Dioxin) 170 kg betrage (zum Vergleich: In Seveso wurden 1976 etwa 1,5 kg TCDD freigesetzt).

Auf der Konferenz von 1983, vorher und später, betonten vietnamesische Wissenschaftler immer wieder, daß die TCDD-Menge größer gewesen sein müsse. In Anbetracht der anhaltenden, dem TCDD als Hauptfaktor zuzuordnenden Gesundheitsschäden in Vietnam (z.B. Mißbildungen nunmehr bereits in der dritten Generation nach dem US-Krieg) schätzen wir es für wissenschaftlich und politisch wichtig ein, die neuen Berechnungen über die Gesamtmengen der Herbizide und des Dioxin in Vietnam, welche solche Befürchtungen bestätigen, aber auch die Schwierigkeiten der „Wahrheitsfindung“ genauer zu studieren.

Das Vorgehen bei der Neuberechnung der Herbizidmengen

Im Jahre 1970 erließ der US-ameri­kanische Kongreß eine Anordnung, die das Verteidigungsministerium (Department of Defense; DoD) anwies, die Nationale Akademie der Wissenschaften (NAS) damit zu beauftragen, eine „umfassende Studie über die ökologischen und physiologischen Auswirkungen der Entlaubungen in Vietnam“ durchzuführen (4). Diese Studie, die den Namen „NAS-1974“ bekam, beruht im Wesentlichen auf den sog. „HERBS-Akten“ (Der Name HERBS hat nichts mit der möglichen deutschen Übersetzung „Kräuter“ zu tun. Er ist die Abkürzung für „Herbicide Report System“). Es handelt sich dabei um Aufzeichnungen der beteiligten Militärs über die Raum-, Zeit- und Mengenkoordinaten der von August 1965 bis Dezember 1971 von Flugzeugen sowie über die ab 1968 von Hubschraubern versprühten Herbizide (5). Die Fehlerrate der HERBS-Aufzeichnungen wird im NATURE-Artikel auf 10% geschätzt. Für die Fehler werden ungenaue Datenerfassung, Pilotenirrtümer und schlechte Übersetzungen verantwortlich gemacht. 1985 wurden die US-HERBS-Akten durch weitere Aufzeichnungen ergänzt.

Das Produkt wurde Service-HERBS-Akten genannt. Im Auftrag der Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS) und in enger Zusammenarbeit mit dem „US Armed Services Center for Research of Unit Records“ (CRUR) wurden beide Aktensammlungen sowie weitere archivierte Daten von den Autoren als Grundlage der Berichtigung und Vervollständigung der Berechnungen angenommen. Außerdem wurden die HERBS-Akten durch die bisher offenbar noch nicht ausgewerteten Operations-Berichte der US-Air-Force (USAF) ergänzt. Dem Kommando des 12. ACS (Air Commando Squadron, Luftgeschwaders) lagen relativ detaillierte Berichte vor. Durch Einbeziehung dieser und der Herbizid-Akten aus den Nationalarchiven (in vier Versionen) sowie einer „aktiven Liste“ von CRUR wurde herausgefunden, daß 1.264 aller Sprüh-Einsätze nicht mit den insgesamt 18.087 Einsätzen übereinstimmten, die in der „aktuellen CRUR-Liste“ angegeben waren. In Herbizidmengen ausgedrückt betraf diese Differenz 2,5 Mio. von etwas mehr als 66,6 Mio. Litern.

Die NATURE-Autoren nahmen in allen Fällen notwendiger Klärung oder Berichtigung der Daten die Hilfe anderer Experten (einer Panel-Gruppe) in Anspruch. Für die Berechnungen wurde einerseits die Software R2V(6) eingesetzt, andererseits ein eigenes „Geographisches Informations-System“ (GIS) geschaffen (7), das auch weiteren Forschungen zur Verfügung steht.

Die Ergebnisse der neuen Berechnungen

Die Gesamtmenge der in Vietnam versprühten Herbizide lag um 7.131.907 Liter höher als die frühere und um 9.440.028 l höher als die „korrigierte“ Annahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS) 1974. Die Hauptursache ist darin zu sehen, daß etwa 10% aller Sprüheinsätze nicht verzeichnet worden waren. Die betroffenen Flächen und die Anzahl wiederholter Besprühungen zeigt die Abbildung auf der nächsten Seite: Sie zeigt Anzahl und Flächen der Besprühungen (nach Stellman et al. 2003).

Stellman et al. weisen nach, daß die Menge der versprühten Herbizide und des TCDD nicht richtig eingeschätzt werden kann, wenn nicht auch die historischen und technischen Besonderheiten der Herbizidproduktion analysiert werden. Sie weisen darauf hin, daß der Einsatz von Agent Orange gestoppt wurde, nachdem 1970 sein Dioxin-enthaltender Bestandteil 2,4,5-T wegen der Eigenschaft der Erzeugung von Mißbildungen (8) verboten wurde. Wie aber waren die Herbizide beschaffen, die zeitlich vor dem Agent Orange eingesetzt wurden? Um es vorwegzunehmen: deren Dioxin-Verunreinigungen wurden bisher kaum oder nicht beachtet. Es handelt sich um Wirkstoffe, die – wie die bekannteren Orange, White und Blue - nach den Farben der Banderolen benannt wurden, welche auf die Fässer gemalt waren.

Agent Green, Agent Pink und Agent Purple

Die Beschaffungs-Aufzeichnungen weisen nach, daß die US-Streitkräfte „mindestens 464.164 Liter Agent Pink und 31.026 Liter Agent Green mit vergleichsweise höheren TCDD-Levels gekauft haben“ (1). Die Autoren fanden – außer über den Einsatz von 50.00 Litern in Vietnam und 15.000 Litern für Testzwecke - keine weiteren Dokumente zu Agent Pink und Green. Gleichzeitig konnten sie Sprühmissionen identifizieren, bei denen 1,9 Mio. Liter Agent Purple über Vietnam ausgebracht wurden. Daß wiederum trotz großer Suche Unterlagen über den Einkauf von nur 548.100 Litern Agent Purple zu finden waren, begünstigt Zweifel an der „Korrektheit“ von Militärs und Bürokratie. Tatsache ist, daß eine archivierte Probe von Agent Purple aus Eglin (einer Air-Force-Base in Florida) 45 p.p.m TCDD (9) enthielt (p.p.m. oder parts pro million ist eine Konzentrationsangabe, die dem Wert 106 entspricht).

US-Militärwissenschaftler haben immer wieder behauptet, daß der Durchschnitt der TCDD-Verunreinigungen des 2,4,5-T bei etwa 3 p.p.m. gelegen habe. Die Autoren führen dagegen Analyseergebnisse (von Bodenproben und aus zu entsorgenden Fassproben) an, nach denen der TCDD-Gehalt eher bei 13 p.p.m. lag. Infolge der ermittelten höheren Sprühmengen, der besonders in den Anfangszeiten der Besprühungen höheren TCDD-Verunreinigung und der Korrektur der eingesetzten „Agenten“ kommen die Autoren (1) zu folgendem Schluß:

Selbst unter der „konservativen“ Annahme, die TCDD-Verunreinigung läge bei 3 p.p.m., wächst die Gesamtmenge des versprühten TCDD auf 221 kg. NAS-1974 hatte diese auf 106-163 kg geschätzt. Unter Einbeziehung der durchschnittlichen TCDD-Konzentration von 32.8 p.p.m in Agent Purple und 65,5 p.p.m. in Agent Pink berechnet sich die zusätzliche TCDD-Menge auf 165 kg und die Gesamtmenge TCDD damit auf 366 kg.

Weitere Fakten über diesen chemischen Krieg

Stellman und Kollegen stießen in ihrer umfassenden Arbeit auf Details und Besonderheiten, die in dieser Art nur wenigen bekannt sein dürften, Einzelheiten, die in gewisser Hinsicht vielen Menschen „unglaublich“ und „entsetzlich“ erscheinen werden.

Bekannt ist, daß die militärische Idee eines Krieges mit Entlaubungen einen Präzedenzfall hatte: britische Truppen hatten 1948 – zumindest zeitweise erfolgreich – in Malaysia die Ernten und den schützenden Urwald in Gebieten, wo Aufständische lebten, zerstört. Nach diesem Vorbild wurde vom Pentagon bzw. von der ihm unterstellten „Advanced Research Project Agency“ (APRA) ein Projekt „Agile“ gestartet. In Tests mit Stoffen und Sprühsystemen wurde herausgefunden, daß 28 Liter Herbizide pro Hektar Land nötig seien, um die gesamte Vegetation zu vernichten. Daß es nicht nur um die Vegetation ging, könnte daraus hervorgehen, daß ein „Hamlet Evaluation System“ (HES) entwickelt wurde, nach dem die Volkszählungsdaten der Dörfer ausgewertet wurden, um die Exposition der Bevölkerung zu berechnen (oder diese zu vermeiden?). 1959 wurden in Camp Drum (Bundesstaat New York) die ersten Entlaubungsexperimente mit Agent Purple in größerem Stil durchgeführt. Damals wurde das für Vietnam übliche Sprühgerät auf Tauglichkeit getestet.

Von August bis Dezember 1961 wurden Tests mit 2,4-D und 2,4,5-T (auch mit Insektiziden, darüber wurde noch nicht geforscht) in Südvietnam durchgeführt. Die erste Schiffsladung mit diesen Herbiziden traf im Januar 1962 in Vietnam ein. Ab September 1961 wurde aber bereits mit den anderen Substanzen mehr oder weniger systematisch gesprüht. Bis 1963 mußte der US-Präsident jeder einzelnen Aktion der chemischen Erntevernichtung zustimmen. Ab 1963 reichte die Zustimmung des US-Bot­schafters in Saigon aus.

1962 wurde ein Abkommen unterzeichnet, nach dem die Republik (Süd-) Vietnam „Eigentümer“ der Herbizide wurde, sobald diese auf ihrem Territorium angekommen waren. Natürlich waren es Vietnamesen, die die Herbizid-Schiffe entluden, den Transport bewerkstelligten und die Tanklager füllten. Da für die Herbizide und ihre Wartung die Republik Vietnam „zuständig war“, brauchten wohl auch die US-Aufzeichnungen nicht so genau zu sein.

Die für den Sprüheinsatz vorwiegend benutzten Flugzeuge vom Typ C-123 trugen keine US-Hoheitszeichen. Die Embleme waren getarnt oder ausgetauscht. Flugzeuge mit der Besprühungsaufgabe der Erntevernichtung trugen vietnamesische Embleme und waren von vietnamesischen Copiloten begleitet.

Zu dem in Vietnam angewandten „Hamlet Evaluation System“ gehörte es, daß sich der US-Distriktsberater und der vietnamesische Distriktschef monatlich zu einem politischen Report trafen, um eine Art „Volkszählungsbericht“ abzusegnen, der den Charakter eines „Amtsblattes“ hatte. Laut NATURE wurden die Einwohner von mehr als 20.585 geschlossenen Dörfern datenmäßig erfaßt. Bei etwa 18 % der Dörfer lagen keine Bevölkerungsangaben vor. 3.181 der Dörfer mit Bevölkerungsangaben wurden direkt besprüht. Das entspricht 2,1 Mio. Menschen. Weitere 1.430 Dörfer wurden besprüht, aber es fehlen Bevölkerungsangaben. Im Artikel wird eine Zahl von „etwa 4,8 Mio. Menschen“ genannt, die „wahrscheinlich während der Sprühaktionen anwesend“ waren.

Aber nicht nur direkte Besprühungen haben die Gesundheit der Vietnamesen beeinträchtigt. Von 52 Herbizideinsätzen mit insgesamt 120.000 Litern ist bekannt, daß sie mit einem Notfallabwurf der Herbizide endeten. Das in diesem Fall erfolgende Ablassen der Herbizide in 30 Sekunden bedeutete, daß auch die Konzentrationen örtlich sehr stark erhöht wurden und das Risiko einer Vergiftung in dieser Region erheblich anstieg. Noch deutlichere dieser sog. „hot spots“ mag es in jenen Gebieten geben, in denen mindestens fünf Flugzeuge mitsamt ihrer Herbizidfracht abstürzten. Diese besonders interessierenden „hot spots“ sind natürlich am ehesten im Umkreis der großen Armeelager und in anliegenden vietnamesischen Ansiedlungen zu finden, so z. B. in Bien Hoa. Erst kürzlich haben Schecter et al. (10) über die erhöhte TCDD-Belastung von Nahrungsmitteln und Menschen in diesem Gebiet berichtet. Das TCDD im Blutfett war bis auf 413 p.p.t. erhöht (1 p.p.t. entspricht 1 ng/kg; der normale „Hintergrundwert“ eines Bundesdeutschen liegt unter 1 ng/kg).

1971 wurden von NAS-1974 fünf Bodenproben aus einem Gebiet analysiert, über dem im Dezember 1968 3.700 Liter Agent Orange abgeworfen worden waren. Es ist sicher keine Ruhmestat der chemischen Analytik, daß 2,4,5-T nicht nachgewiesen wurde. Nach TCDD wurde erst gar nicht gesucht (11).

Weitere Nachlässigkeiten betreffen den Umgang mit verbrauchten Herbizid-Behältern. Wenn die 208-Liter-Fässer geleert wurden, waren sie keineswegs „leer“. Auch nach dreimaligen Spülen (wohin gingen die Spülwasser?) waren noch ca. 2 % Reste übrig. Im Durchschnitt verblieben zwei Liter Herbizidreste im Fass. Diese enthielten im Durchschnitt bei „leichten Herbiziden“ 1,25 mg TCDD. Die schwer verunreinigten Herbizid-Fässer enthielten als Leergut 6 mg TCDD. Die Fässer waren sehr begehrt und wurden massenhaft an Händler verkauft. Die Reste, die in vielen dieser Fässer noch enthalten waren, führten zur ungewollten Entlaubung von Bäumen und Gärten in Da Nang, Nha Trang, Bien Hoa, Phu Cat und Saigon. Erst nach einem „Entlaubungsunfall“ in Da Nang 1969 wurden Auflagen über die Entsorgung der Fässer erteilt.

Die Sprühaktionen mit Agent Orange endeten im Mai 1970. Die Air-Force stand vor der Herausforderung, sehr große Vorräte von Herbiziden zu entsorgen. Eine unbekannte Menge wurde auf dem Motor-Verbrennungsschiff Vulcanus verbrannt. Im Dezember 1970 mußte eine unbekannte Summe für die Lagerung der Chemikalien auf der Air-Force-Base Kelly in Texas bezahlt werden. Über das weitere Schicksal der nicht benutzten Herbizide ist nichts weiteres bekannt.

Zusammenfassend
sollte festgehalten werden, daß die neuen und valideren Berechnungen der Herbizid- und TCDD-Mengen im besprochenen NATURE-Artikel geeignet sind, das bekannte und jedem Vietnam-Kenner auffallende Ausmaß der Gesundheitsschäden und Behinderungen im Nachkriegs-Vietnam besser zu begreifen. Der hier zur Debatte stehende Teil der vietnamesischen Leiden wird hoffentlich noch stärkere Hilfsbereitschaft hervorrufen, vor allem dann, wenn weitere humanistische Wissenschaftler die schrecklichen Voraussetzungen des damals schon in die Zukunft zielenden Ökozids weiterhin so exakt analysieren. Allerdings: Auf Einsicht und entsprechende Hilfe von der US-Regierung, die das ganze zu verantworten hat, darf man wohl nicht mehr hoffen.

Literatur
  1. Stellman JM, Stellman SD, Christian R, Weber T, Tomsallo C. The extend and patterns of usage of Agent Orange and other herbicides in Vietnam. NATURE 2003;422: 681-687.
  2. Westing AH. ed. Herbicides in War. The Longterm Ecological and Human Consequences. London and Philadelphia: Taylor and Francis, 1984.
  3. Fabig K-R. Dioxin und die Spätfolgen in Vietnam. Spectramed 1984;2(5): 127-133.
  4. National Research Council Committee on the Effects of Herbicides in Vietnam. The Effects of Herbicides in South Vietnam. Part A. Summary and Conclusions (National Academy of Sciences Press, Washington DC, 1974).
  5. Data Management Agency, US MACV. Herbicide Report System (HERBS). Document No. DARU07 (US Military Assistance Command Vietnam, San Francisco, 1970).
  6. R2V Software Able Software Corp, 2000; www.ablesw.com.
  7. Stellman JM et al. A Geographic Information System for characterizing exposure to Agent Orange and other herbicides in Vietnam. Environ. Health Perspect 2003; 111: 321–323.
  8. Courtney KD. et al. Teratogenic evaluation of 2,4,5-T. Science 1970; 168: 864–866.
  9. Young AL., Calcagni JA., Thalken CE., Tremblay JW. The Toxicology, Environmental Fate and Human Risk of Herbicide Orange and Its Associated Dioxin. US AF Technical Report OEHL-TR-78–92 (Brooks AFB, TX, 1978).
  10. Schecter A, Quynh HT, Pavuk M, Quynh HT, Pavuk M, Päpke O, Malisch R, Constable JD. Food as a Source of Dioxin Exposure in the Residents of Bien Hoa City, Vietnam. Journal of Occupational and Environmental Medicine 2003; 45(8):781-788.
  11. Blackman GE, Fryer JD, Lang A, Newton M. The Effects of Herbicides in South Vietnam. Part B: Working Papers. Persistence and Disappearance of Herbicides in Tropical Soils (National Academy of Sciences-National Research Council, Washington DC, 1974).


Quelle: http://www.fg-vietnam.de/DIOXIN.HTM


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