Streitkräfte gegen Demonstranten

Thailand: In Bangkok eskaliert die Gewalt. Zwei Tote und mindestens 20 Verletzte in 24 Stunden *

In Thailand eskalieren die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Regierungsgegnern und den Streitkräften. Binnen 24 Stunden wurden bei Straßenschlachten in der Hauptstadt Bangkok zwei Menschen erschossen. Unter den mindestens 20 Verletzten war auch ein ausländischer Journalist. Die Demonstranten setzten am Freitag (14. Mai) ein Polizeifahrzeug in Brand und brachten Wasserwerfer in ihre Gewalt, Soldaten setzten scharfe Munition und Tränengas gegen die »Rothemden« ein.

Ein 33jähriger Mann wurde nach Krankenhausangaben am Freitag (14. Mai) tödlich getroffen, und ein 25 Jahre alter Demonstrant wurde bei schweren Zusammenstößen im besetzten Geschäftsviertel der Hauptstadt am Donnerstag abend erschossen. Zuvor war ein zur Opposition übergelaufener Offizier angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden.

Ein kanadischer Journalist wurde von drei Kugeln getroffen und schwer verletzt, wie ein Korrespondent des Senders France 24 am Freitag mitteilte. Der Mann mußte mehrere Stunden lang operiert werden. Außerdem wurden zwei thailändische Journalisten verletzt.

Die Demonstranten erklärten, der übergelaufene Generalmajor Khattiya Sawasdiphol sei am Donnerstag von einem Scharfschützen der Regierung getroffen worden. Die Streitkräfte wiesen dies zurück. Khattiya unterhielt sich mit Reportern, als ihn eine Kugel in den Kopf traf. Er wurde bewußtlos ins Krankenhaus eingeliefert, nach Angaben der Ärzte lag er am Freitag im Koma und schwebte in Lebensgefahr.

Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hatte vergangene Woche angeboten, für den Herbst eine vorgezogene Neuwahl anzusetzen. Er hat sein Angebot inzwischen aber wieder zurückgezogen, weil die sogenannten Rothemden ein Ultimatum zum Abzug verstreichen ließen und ihre Proteste fortsetzten. Seit Mitte März wurden dabei 31 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt.

* Aus: junge Welt, 15. Mai 2010


Armee in Bangkok tötete Demonstranten

Mindestens vier Opfer bei den Protesten **

Brennende Barrikaden, umgestürzte Autos, Gewehrsalven: Die Innenstadt der thailändischen Metropole Bangkok gleicht einer Kriegszone.

Die seit zwei Monaten andauernde Konfrontation zwischen Sicherheitskräften und Regierungsgegnern ist am Freitag eskaliert. Seit die Armee am Donnerstagabend mit ihrer jüngsten Offensive gegen die Demonstranten begann, kamen mindestens vier Menschen ums Leben und rund 50 wurden verletzt. Nach anderen Berichten stieg die Zahl der Toten auf sieben.

Auf einen der Protestanführer scheint ein regelrechtes Attentat verübt worden zu sein: Er wurde mitten im Interview mit ausländischen Journalisten in den Kopf geschossen. Das Auswärtige Amt in Berlin riet am Freitag dringend von Reisen nach Bangkok ab.

Auf den Straßen mit geschlossenen Edelboutiquen und Fünf-Sterne-Hotels bezogen die Soldaten am Freitag mit Gewehr im Anschlag Stellung und feuerten unter anderem Tränengasgranaten. Die Regierung versicherte, dass nur Gummigeschosse eingesetzt würden, doch wurde ein Korrespondent von France 24 von drei Kugeln von hinten getroffen, berichtete ein anderer Reporter des Senders am Freitag. »Sein Zustand ist ziemlich ernst«, hieß es. »Die Armee hat heftig mit scharfer Munition auf die Demonstranten geschossen.«

Die Rothemden schworen erneut, in ihrem besetzten Gebiet auszuharren. »Wir bleiben hier«, sagte Nattawut Saikua, Mitglied der Führungsgruppe der Demonstranten. »Wir sind auf jede Entwicklung vorbereitet, aber ich weiß nicht, ob Thailand diese Nacht übersteht.« Sprecher Sean Boonpracong bemühte sich dagegen um Entspannung: »Wir wollen keinen Bürgerkrieg.« Er machte die Armee für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. Deren Beteuerung, dass die Soldaten nur Gummigeschosse einsetzten, wies er zurück. »Wir wollen keine Konfrontation«, sagte Finanzminister Korn Chatikavanij.

Unterdessen bauten die Demonstranten ihr Lager, wo sie sich hinter Wällen aus Autoreifen und Zäunen mit spitzen Bambusstangen verbarrikadiert haben, weiter zur Festung aus. Augenzeugen berichteten, dass sie sich mit Steinen und anderen Wurfgeschossen eingedeckt haben. 15 000 Menschen seien dort, viele von ihnen Frauen und Kinder, so Sean Boonpracong.

Der Regierungssprecher sprach dagegen von Gesetzesbrechern. Die Demonstranten hatten schon am Morgen Autoreifen in Brand gesetzt, um die anrückenden Soldaten auf Distanz zu halten.

** Aus: Neues Deutschland, 15. Mai 2010


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