Thailands Wirtschaft auf Talfahrt

Die jüngsten Unruhen verschärfen die wirtschaftliche Situation im südostasiatischen Land

Von Michael Lenz *

Zur globalen Wirtschaftskrise kommt in Thailand seit Monaten eine verschärfte politische Auseinandersetzung. Ein Zusammenspiel, das Wirtschaft und Jobs im Land gefährdet.

Die Agentur Kleber PR Network in Frankfurt am Main bemüht sich um Schadensbegrenzung für den Thailandtourismus, der sich durch die politischen Unruhen auf Talfahrt befindet. »Es besteht derzeit keine Einschränkung oder Gefährdung für Touristen«, teilte die Agentur im Namen ihres Kunden, des Thailändischen Fremdenverkehrsamts, in dieser Woche mit. Kleber PR rät aber Thailandreisenden nachdrücklich, »sich von jeglichen Demonstrationen und sonstigen größeren Menschenansammlungen fernzuhalten«.

Das ist gut gemeint, entspricht aber nicht der thailändischen Realität. Bei den Flughafenblockaden in Phuket und Bangkok im Herbst vergangenen Jahres, den Demonstrationen während des ASEAN-Gipfels im Badeort Pattaya und den Krawallen in Bangkok über die Ostertage waren die »größeren Menschenansammlungen« zu den Touristen gekommen.

Auch wenn sich Thailand und die Thais alle Mühe geben, Ausländer aus dem politischen Machtkampf zwischen der Elite aus Royalisten, Armee und Mittelstand einerseits sowie der Allianz aus Demokratieaktivisten und den ländlichen Armen andererseits herauszuhalten, so haben die Ereignisse der letzten Monate gezeigt, dass Thailand weder in der Lage ist, die Sicherheit seines internationalen Flughafens, noch die der Staats- und Regierungschef eines Gipfeltreffens zu garantieren.

Bei so viel Unsicherheit werden sich die Touristen sagen: Da fahren wir nicht mehr hin. Der Niedergang des Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der thailändischen Volkswirtschaft, ist aber während der globalen Wirtschaftskrise ein brutaler Tiefschlag. Die thailändische Handelskammer schätzt den Verlust für die Tourismusbranche durch die »jüngsten Ereignisse« auf umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro. Etwa genauso viel, wie die neuntägige Flughafenblockade die Branche gekostet hat. Für den Staatshaushalt heißt das: noch weniger Steuereinnahmen. Das wiederum bringt die Finanzierung des Konjunkturpaktes der Regierung zur Ankurbelung der durch die weltweite Krise angeschlagenen Wirtschaft in Schwierigkeiten. Finanzminister Korn Chatikavanij hat in dieser Woche angekündigt, das Defizit durch höhere Schulden decken zu wollen.

Makulatur ist auch die Prognose des Finanzministeriums, das Wirtschaftswachstum werde zum ersten Mal seit der asiatischen Finanzkrise um zwei bis drei Prozent schrumpfen. Durch den rapiden Vertrauensverlust unter Touristen und Investoren könne Thailands Wirtschaft um bis zu fünf Prozent schrumpfen, warnen Experten.

Leidtragende sind auch die Nachbarländer. Denn der abgebrochene Gipfel der ASEAN-Staaten plus der Regierungen von China, Südkorea und Japan sollte eigentlich dazu dienen, eine gemeinsamen Strategie der asiatischen Staaten gegen die Wirtschaftskrise herauszuarbeiten.

Doch was soll nun getan werden? Die Handelskammer setzt auf die Einsicht der Ausländer, dass die militärische Niederschlagung der Proteste im Rahmen »internationaler Standards« geschehen sei. Für den Finanzminister ist politische Stabilität der einzige Weg, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Dem würden sicher viele zustimmen. Aber der grundlegende Konflikt ist nicht gelöst, sondern nur vertagt worden. Der nächste Akt in Thailands Politdrama kommt bestimmt.

* Aus: Neues Deutschland, 17. April 2009


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