Arbeitslos in Bangkok

Sinkende Wirtschaftsleistung und Entlassungswelle - düstere Aussichten für Thailands Wirtschaft

Von Thomas Berger *

Nun ist es ganz offiziell: Die doppelte Krise hat Thailand voll erwischt. Neben dem verzögerten Durchschlagen globaler Negativentwicklungen auf die einheimische Wirtschaft kommen die hausgemachten Probleme wie die Folgen der zugespitzten innenpolitischen Lage im Vorjahr, ebenfalls zum Tragen. Erstmalig seit mehr als einem Jahrzehnt mußte die Ökonomie im letzten Quartal des vergangenen Jahres ein Minus beim Wachstum hinnehmen. 4,3 Prozent beträgt der Rückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007, so die nun vorgelegten Zahlen.

17500 Arbeiter haben allein im Februar ihren Job verloren. 163 Betriebe, so die am Dienstag von der staatlichen Arbeitsbehörde vorgelegte Statistik, haben teils in deutlichem Umfang Stellen abgebaut. Die Entlassungen haben sich gegenüber dem Januar, als gut 8000 Beschäftigte auf der Straße landeten, sogar noch verdoppelt, und Behördenchefin Amporn Nitisiri kann auch nur mit düsteren Zukunftsaussichten für die nächste Zeit aufwarten. 132000 weitere Arbeitsplätze gelten als unmittelbar gefährdet.

Sowohl Industrie als auch Landwirtschaft und Tourismussektor sind von der Krise betroffen. Vor allem die letztgenannte Branche hatte zuletzt explizit unter hausgemachten Problemen zu leiden: Wegen der politischen Unruhen im Herbst 2008, vor allem der Besetzung beider Hauptstadt-Flughäfen, haben viele ausländische Besucher ihre Reisepläne geändert.

Daß es auch um den Agrarsektor teilweise äußerst schlecht bestellt ist, demonstrieren die 3000 Landwirte, die mit ihren bisher an anderen Stellen der Hauptstadt begonnenen Protestkundgebungen zu Wochenbeginn vor den Regierungssitz umzogen. Die Aktivisten fordern von Premier Abhisit Vejjajiva und seinen Ministern vor allem wirksame Maßnahmen, um notleidende Bauern von ihren Schulden zu entlasten.

Das Kabinett hat ein Stimulus-Paket aufgelegt, das im Unterhaus bereits angenommen wurde und nun noch der Zustimmung durch den Senat harrt. 116,7 Milliarden Baht, umgerechnet rund 2,5 Milliarden Euro, kostet das Gesamtvorhaben, mit dem die Koalitionsregierung in Bangkok bei der Krise gegensteuern will. Während zum Beispiel das Gehalt von Dorfoberhäuptern, Distriktchefs und anderen lokalen Staatsangestellten per Kabinettssonderbeschluß verdoppelt wird, gehört zum Maßnahmepaket auch eine Zahlung von 2000 Baht (42 Euro) an Niedriglohnempfänger, die weniger als 15000 Baht Monatsverdienst haben. Damit soll vor allem der Binnenkonsum angekurbelt werden.

* Aus: junge Welt, 28. Februar 2009


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