Zunehmende Spannungen an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar

Grenzgefecht fordert zwei Tote - Drogenkrieg?

Unter der Überschrift "Beziehung auf dem Tiefpunkt" berichtete die junge welt am 16. Februar über die zunehmenden Spannungen zwischen den südostasiatischen Nachbarländern Thailand und Myanmar (Burma). Wir dokumentieren den Artikel von Thomas Berger.

Ein ruhiger Amtsamtritt soll dem neuen thailändischen Premierminister Thaksin Shinawatra offensichtlich nicht vergönnt sein. Ausgerechnet mit einem außen- und verteidigungspolitischen Problem ersten Ranges muß sich der Sieger der Parlamentswahlen nun gleich zu Beginn herumschlagen. Am Sonntag kam es zu einem Schußwechsel an der Grenze zu Myanmar (Burma), der zwei Thais das Leben kostete und das ohnehin nicht ganz einfache Klima zwischen den beiden südostasiatischen Ländern spürbar belastet hat. Wohl versucht Thaksin, die Bedeutung des Vorfalls herunterzuspielen. Die Einbestellung des Myanmar- Botschafters samt Übergabe einer Protestnote seitens der thailändischen Führung spricht allerdings eine eindeutige Sprache. Niemals zuvor in den letzten Jahren war die Beziehung auf einem solchen Tiefpunkt wie aktuell.

Was Ausgangspunkt des Gefechtes im Norden des gemeinsamen Grenzbereichs war, ist immer noch nicht völlig geklärt. Klar ist allerdings, daß wieder einmal die ethnischen Minderheiten eine keineswegs zu unterschätzende Rolle spielen. Ebenso wie der Drogenanbau, für den die Region, auch bekannt als das »Goldene Dreieck«, berühmt-berüchtigt ist. Thailändische Politiker und Militärs beschuldigen die Gegenseite, zudem nicht ohne Grund, stärkere Kontrolle über die Produktion anzustreben. Vergessen wird dabei allerdings nur zu schnell, daß nicht nur das Militärregime in Myanmar, sondern auch diverse Stellen in Thailand kräftig am Anbau einschlägiger Kulturen mitverdienen. Mitten zwischen den Fronten des Streites stehen die Minoritäten von Karen, Shan, Wa und anderen, die zumeist beiderseits der Grenze beheimatet sind. In Myanmar gehören diese Stammesgruppen zumeist der Opposition an, und auch im thailändischen Norden und Nordwesten gibt es immer wieder Widerstand gegen die Dominanz der ethnischen Mehrheit im Staat in allen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.

Für Thaksin, den im Januar frisch an die Regierungsspitze gewählten Medienmogul und Multimilliardär, wird der Konflikt mit dem westlichen Nachbarn zur ersten großen Bewährungsprobe. Noch vor der offiziellen Vereidigung durch den König, die für das bevorstehende Wochenende vorgesehen ist, bemüht er sich um eine Lösung in diplomatischen Bahnen. Dabei beäugt ihn nicht nur die parlamentarische Opposition, sondern auch die Bevölkerung mißtrauisch. Zwar hat ihm eine Mehrheit fast mit dem Attribut eines Heilsbringers zum Sieg verholfen, dennoch kann niemand den umtriebigen und selbstherrlichen Geschäftsmann so richtig einschätzen, der in seine neue Rolle erst hineinwachsen muß. Das bedeutet in erster Linie, die Koalition, die binnen kurzer Zeit zustande kam, nun auch zu ersten greifbaren Erfolgen zu führen.

323 Sitze im 500köpfigen Unterhaus des seit dem Vorjahr zweigeteilten Parlaments kontrollieren Thaksins Partei Thai Rak Thai (TRT) und ihre Verbündeten Chart Thai (Nationalpartei) und Neue Aspirationspartei (NAP). NAP- Chef General Chavalit als Verteidigungsminister im neuen, 35 Mitglieder umfassenden Kabinett ist ebenso zum Erfolg verdammt wie der zum Politiker gewandelte Geschäftsmann, mit dessen Geschick sich der Militär und vormalige Oppositionschef nun verknüpft hat. Bislang galt das Verhältnis zur Führung in Myanmar zwar als kühl, aber im ganzen recht unproblematisch - Thailand war es neben anderen, das dem Nachbarland dereinst den Weg in die ASEAN ebnete, auch wenn es diverse Vorbehalte wegen der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen gab.

Ob es Thaksin schafft, den Augiasstall der Korruption auszumisten, zu dem auch dunkle Kanäle der Kooperation namhafter Thais aus dem Armeesektor mit burmesischen Quellen zum Zwecke des Drogenhandels gehören, darf bezweifelt werden. Selbst wenn es der neue Regierungschef auf einen Machtkampf mit der traditionellen Elite ankommen lassen würde, müßte er wohl den Kürzeren ziehen. Zudem sind auch zahlreiche seiner eigenen Parteigänger, die zum guten Teil aus den gegnerischen Gruppen stammen, nicht frei von Vorwürfen wegen dunkler Geschäfte, Bestechlichkeit und anderer Vergehen. Auch er selbst steht weiter im Zwielicht. Der Streit mit der Justiz um die fehlerhafte Angabe seiner Einkünfte ist noch längst nicht ausgestanden. Der Start für Thaksin - als geruhsam läßt er sich ganz und gar nicht bezeichnen.

Thomas Berger

Aus: junge welt, 16. Februar 2001

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