Bangkok treibt auf Katastrophe zu

Flughafenbesetzer: Kampf "bis zum Tod"

Von Daniel Kestenholz, Bangkok *

Tausende von radikalen Regierungsgegnern hielten die beiden lahmgelegten Flughäfen Bangkoks am Freitag den vierten Tag lang besetzt.

Schwerbewaffnete Polizeieinheiten marschierten am Abend auf, um die Räumung einzuleiten. Premier Somchai Wongsawat hatte zuvor noch den nationalen Polizeichef entlassen. Dieser schien sich geweigert zu haben – wie zuvor die Armee –, den Räumungsbefehl auszuführen. Bei Verhandlungsversuchen mit der die Flughäfen belagernden Volksallianz für Demokratie (PAD) war der Regierung nur verbissene Drohrhetorik entgegengeschlagen – dass man lieber bis zum Tod kämpfe als aufzugeben. »Sicher, unser Protest richtet Schäden an«, gab PAD-Führer Chamlong Srimuang zu. »Doch diese sind nichts im Vergleich mit den Schäden, die das Land unter dieser Regierung erleidet.« Ein weiterer PAD-Führer, Suriyasai Katasila, erklärte: »Wir protestieren hier friedlich. Das ist unser Recht. Und nicht wir haben den Flughafenbetrieb gestoppt. Das war die Flughafenbehörde.«

Diese wirre Argumentation ist kennzeichnend für die PAD, die das Land in eine Zerreißprobe getrieben hat. Tausende Passagiere sitzen fest, mit jedem neuen Tag ohne Flugbetrieb erleidet Thailand Einnahmeausfälle in der Größenordnung von täglich fast 100 Millionen US-Dollar. Regierungsanhänger haben schon mit der Mobilisierung von Hunderttausenden gedroht, sollte die Regierung unter Premier Somchai Wongsawat von den Protestaktionen der PAD zum Rücktritt gezwungen oder weggeputscht werden. Bei einem Putsch, sagte am Freitag Regierungssprecher Natthawut Saikua, werde der exilierte Altpremier Thaksin Shinawatra (dem der Kampf der PAD ja gilt!) den Widerstand »höchstpersönlich aus dem Exil führen. Und wenn er 24 Stunden am Tag am Telefon zu sein hat.«

Auch Abgeordnete und Anhänger von Premier Somchais regierender Volkspartei der Macht (PPP) machten deutlich, nach dem Putsch vor zwei Jahren ließen sie keinen zweiten »Machtklau« zu.

Währenddessen herrschten in den weiten Hallen des internationalen Flughafens Suvarnabhumi weiter Chaos und Willkür. Die Zollfreizone hinter den verwaisten Passkontrollen war ungehindert zu betreten, während vermummte paramilitärische PAD-Wachen die Zufahrtstraßen zum Terminal mit quergestellten Autos, Autoreifen und Stacheldraht befestigten. Drinnen im Terminal, wo eben noch geschäftiges Treiben von Reisenden aus aller Welt herrschte, lagerten gelb gekleidete Demonstranten, die ihren Kampf als Kampf für die Krone erachten. Die Regierung bestehe aus Republikanern, lautet ein Vorwurf der PAD, die das Ende der Krone herbeiwünschten, und Thaksin wolle der erste Präsident der Republik sein.

* Aus: Neues Deutschland, 29. November 2008


Zurück zur Thailand-Seite

Zurück zur Homepage