Kleine Firmen fürchten Konkurs

Chaos auf Thailands Hauptstadt-Flughafen fatal für Tourismus

Von Michael Lenz, Bangkok *

In Bangkok erreichten die seit über zwei Jahren andauernden politischen Spannungen gestern einen neuen Höhepunkt. Die außerparlamentarische Oppositionsbewegung »Volksallianz für Demokratie« (PAD) hielt seit den frühen Morgenstunden den Flughafen Suvarnabhumi besetzt. Flüge von und nach Bangkok sind abgesagt.

Deutsche Reiseunternehmen haben »aufgrund der aktuellen politischen Situation in Bangkok« zunächst für Mittwoch und Donnerstag alle Flüge nach oder über Bangkok abgesagt.

In Bangkok selbst ist oberflächlich betrachtet nichts von der Eskalation der politischen Situation zu spüren. Die Shoppings Malls sind voll. Auf dem Nachtmarkt im Rotlichtviertel Patpong drängen sich wie jeden Abend tausende Besucher auf der Suche nach Schnäppchen zwischen den Ständen hindurch. Aber die Gelassenheit trügt: In der thailändischen Hauptstadt kursieren wilde Gerüchte. Die einen halten einen neuen Militärputsch für möglich. Andere rechnen mit der Verhängung des Ausnahmezustands. Selbst ein Bürgerkrieg wird nicht ausgeschlossen. Giles Ji Ungpakorn, Politikwissenschaftler an der Chulalongkorn Universität in Bangkok und radikaler Demokratieaktivist, sagt: »Es ist offenkundig, dass die PAD, das Militär, die Demokratische Partei und das konservative Establishment lieber das totale Chaos in Thailand sehen, als eine funktionierende Demokratie zu erlauben. Und das, obwohl wir uns einer schweren wirtschaftlichen Krise gegenübersehen.«

Die Auswirkung der Lage auf den Tourismus als einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Thailands ist fatal. Schon vor der Blockade von Suvarnabhumi war die Destination durch das politische Durcheinander gebeutelt. So hieß es bereits vor vier Wochen auf der ersten asiatischen Ausgabe der Reisemesse ITB in Singapur: »Das Vertrauen in Thailand sinkt.« Buchungen für die kommende Hauptsaison aus wichtigen Märkten wie China, Südkorea, Japan und Taiwan seien um 30 Prozent gesunken, nachdem die PAD im September einige Tage lang die Flughäfen von Hatyai im Süden Thailands und auf der Ferieninsel Phuket blockiert hatte. Daniel See, Manager des Boutique Hotels »Club One Seven« in Patong Beach auf Phuket sorgt sich um die bevorstehende Hauptsaison: »Wir können nur hoffen, dass das Chaos in Bangkok nicht zu lange dauert. Sonst werden viele kleine Tourismusunternehmen in den Konkurs gehen.«

»Bangkok dangerous« hat seine Auswirkungen weit über Thailand hinaus. Die Tourismusbranche in Kambodscha war bis vor Kurzem zuversichtlich, in diesem Jahr erstmalig mehr als zwei Millionen Besucher begrüßen zu dürfen. Aber der Kambodschatourismus steht noch nicht auf eigenen Füßen. Es gibt noch keine direkten Flüge von Europa, den USA oder Australien. Wer nach Phnom Penh und Siem Reap will, muss in Singapur oder Bangkok umsteigen. »Bangkok ist das Tor zu Kambodscha«, sagt Anthony Alderson, zu dessen Restaurant- und Hotelkette in Kambodscha Phnom Penhs berühmteste Kneipe »Foreign Correspondents Club« gehört. Und dieses Tor ist seit der Blockade von Survarnabhumi geschlossen. Alderson weiß, wie sehr Kambod-scha von Thailandtouristen abhängig ist. »Thailandurlauber unternehmen Abstecher zu den Tempeln von Angkor«. Man sei noch lange auf Thailand angewiesen.

Wie lange der Machtkampf zwischen Regierung und PAD in Thailand noch dauern wird, ist nicht abzusehen. Nach neuesten Meldungen könnte ein Vorschlag von General Anupong Paochinda beiden Seiten ermöglichen, das Gesicht zu wahren: die Regierung löst das Parlament auf und die PAD beendet alle Protestaktionen.

* Aus: Neues Deutschland, 27. November 2008

Weitere Meldungen

Flughafen von Bangkok bleibt besetzt

Demonstranten fordern Rücktritt des Premiers. Thailands Militär schließt Putsch aus

Die Regierungsgegner in Thailand haben ihre Blockade des Flughafens von Bangkok am Mittwoch fortgesetzt. Ministerpräsident Somchai Wongsawat, der von einer Auslandsreise zurückkehrte, landete deshalb auf einem Militärflughafen im Norden des Landes. Die einflußreichen Streitkräfte sprachen sich für Neuwahlen zur Beilegung der seit Monaten andauernden Krise aus. Dieser Vorschlag wurde von den Demonstranten umgehend zurückgewiesen. Neuwahlen seien nicht die Lösung, erst müsse Somchai zurücktreten, ohne Bedingungen zu stellen, erklärte ein Sprecher der Regierungsgegner. Solange dies nicht geschehe, werde die Blockade fortgesetzt. Beobachter sprachen von einer Verschärfung der Lage. Die Reihen der Demonstranten hätten sich allerdings schon etwas gelichtet. Umso mehr sei der harte Kern entschlossen, bis zum Sturz der Regierung auszuharren.

Heereschef Anupong Paochinda rief die Demonstranten nach einer Dringlichkeitssitzung der Militärführung zur umgehenden Räumung des Flughafens auf. Die Möglichkeit eines Militärputsches schloß er aber aus.

Rund 50 vermummte und mit Eisenstangen bewaffnete Demonstranten drangen nach Angaben eines Flughafenmitarbeiters kurzzeitig auch in den Kontrollturm ein. Unbekannte Angreifer schleuderten derweil mehrere Sprengsätze auf die Demonstranten. Nach Polizeiangaben wurden drei Menschen verletzt. Zwei weitere Explosionen gab es in Bangkok selbst.

Flughafendirektor Serirat Prasutanont sagte, man verhandele mit den Demonstranten, um einigen Reisenden den Abflug zu ermöglichen. Der Vorfall habe das Ansehen Thailands beschädigt. Hunderte Flüge wurden abgesagt, Tausende Urlauber sitzen fest. Auf dem Internationalen Flughafen von Bangkok (Suvarnabhumi) werden pro Tag durchschnittlich 700 Flüge abgefertigt. Im vergangenen Jahr starteten und landeten dort mehr als 40 Millionen Reisende. Das Auswärtige Amt riet wegen der politischen Krise von Flügen nach Suvarnabhumi ab.

(AP/jW, 27.11.2008)


Regierungsgegner riegeln zweiten Flughafen Bangkoks ab

Die thailändischen Regierungsgegner haben (am 27. Nov.) auch den zweiten Flughafen der Hauptstadt Bangkok abgeriegelt. Mit der Schließung des Don-Mueang-Airports versuchten die Anhänger der Volksallianz für die Demokratie (PAD) vergeblich, eine Kabinettssitzung im nördlichen Chiang Mai zu verhindern. Der Suvarnabhumi-Flughafen soll nach Angaben der Behörden bis Samstag (29. Nov.) geschlossen bleiben. Die Regierung kündigte an, über die Flughäfen den Ausnahmezustand zu verhängen. Vor dem Hintergrund von Putschgerüchten forderte ein Regierungssprecher die Armee zur Zurückhaltung auf. Tausende deutsche Urlauber müssen auf ihre Reisen verzichten oder umbuchen.

Ministerpräsident Somchai Wongsawat, den die Demonstranten aus dem Amt zu drängen suchen, hielt in Chiang Mai eine Kabinettssitzung ab. Die Minister reisten mit Kleinflugzeugen aus Bangkok an. Ein Minister kündigte nachher an, über die Flughäfen von Bangkok solle der Ausnahmezustand verhängt werden, um der Behinderung des Flugverkehrs ein Ende zu setzen.

Das Militär habe "zu strategischen Zwecken Panzer in Bewegung gesetzt", sagte Oberst Sunsern Kaewkumnerd. "Aber ich kann versichern, dass es keinen Putsch gibt." Regierungsssprecher Nattawut Saikuar forderte die Streitkräfte auf, "wie gewohnt ihre Pflicht zu erfüllen".

Das Militär in Thailand putschte bereits 18 Mal, zuletzt bei der Entmachtung von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra im Jahr 2006. Ein Armeesprecher betonte, dass das Militär in der aktuellen Krise weder gegen die regierungsfeindlichen Demonstranten noch gegen die Anhänger der Regierung vorgehen wolle. Um internationale Flugbewegungen aufrecht zu erhalten, gab die Flugaufsicht den Militärflughafen U-Tapao für Landungen von Passagierflugzeugen frei.

Von der Besetzung der Flughäfen in Bangkok sind auch tausende deutsche Urlauber betroffen. So strich Air Berlin geplante Flüge ab Düsseldorf und München mit insgesamt mehr als 500 Passagieren. Die Deutsche Lufthansa sagte einen Hin- und Rückflug mit rund 600 Fluggästen ab. Die Reiseveranstalter TUI, Meier's Weltreisen und Dertour strichen alle Reisen bis zum 1. Dezember nach oder über Bangkok. Die Stornierung der Touristenflüge bedeutet für Thailand nach Einschätzung des staatlichen Tourismusbüros in Bangkok Einnahmeverluste von täglich sieben Millionen Dollar. Laos, Kambodscha und Vietnam äußerten inzwischen Zweifel, ob der ASEAN-Regionalgipfel im Dezember wie geplant in Thailand stattfinden kann.

(AFP, 27.11.2008)




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