Syrien: Jagd auf Christen, 26.03.2012 (Friedensratschlag)
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Jagd auf Christen

Syrien: Vatikan beklagt Verfolgung durch Aufständische. Weitere EU-Sanktionen

Von Karin Leukefeld *

Mit scharfer Kritik hat der Syrische Nationalrat (SNR) auf die Erklärung des UN-Sicherheitsrates reagiert, in der Syrien und die Opposition zu einer Einstellung der Kämpfe und zur Zusammenarbeit mit dem Sonderbeauftragten Kofi Annan aufgefordert werden. Diese gebe »dem Regime die Gelegenheit, seine Repression zu verschärfen um die Revolte des syrischen Volkes niederzuschlagen«, sagte Samir Nashar in Istanbul der Nachrichtenagentur AFP. Es sei »höchste Zeit«, daß der Sicherheitsrat »seine Macht nutzt, um diese Massaker zu stoppen«.

Die Nachrichtenagentur des Vatikan, FIDES, berichtet derweil unter Berufung auf eine Erklärung der syrisch-orthodoxen Kirche in Syrien von »ethnischen Säuberungen unter den Christen« in Homs. Verantwortlich seien wahabitisch-sunnitische »Faruk-Brigaden«, die der Al-Qaida nahestehen sollen. Christen würden gezielt von diesen zu den Aufständischen gehörenden Milizen aus ihren Häusern vertrieben, die anschließend »konfisziert« würden, heißt es. Die Stadtviertel Hamidiya und Bustan Al-Diwan seien »christenrein« gemach, die Stadt Homs zu über 90 Prozent von Christen »befreit« worden. Die Brigaden würden mit Geld aus Saudi-Arabien und Katar finanziert, in ihren Reihen kämpften Söldner aus Libyen und Irak.

Mit einer neuen Sanktionsrunde haben die EU-Außenminister am Freitag den wirtschaftlichen und psychologischen Krieg gegen Syrien weiter verschärft. Zuletzt wurden der Handel mit der Syrischen Zentralbank sowie mit Gold und Wertmetallen und Cargoflüge der syrischen Fluglinie nach Europa gestoppt. 150 Firmen und Einzelpersonen wurden bislang auf eine europäische »Schwarze Liste« gesetzt. Von der inzwischen 13. Sanktionsrunde sind zwei Unternehmen und zwölf Personen betroffen, deren Vermögen auf europäischen Banken eingefroren und gegen die ein Einreiseverbot verhängt wurde. Neben weiteren Familienangehörigen des syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad ist auch seine Ehefrau Asma Akhras betroffen, die aus einer sunnitischen Familie aus Homs stammt. Die in Großbritannien geborene und aufgewachsene ehemalige Investmentbankerin setzt sich in Syrien für die Entwicklung zivilgesellschaftlicher Gruppen und den internationalen Kulturaustausch ein. Aktiv wirbt sie für »Menschen mit besonderen Bedürfnissen«, die hierzulande meist als »Behinderte« bezeichnet werden. Mit großen Plakatanzeigen, Hinweisen in den Medien und speziellen Einrichtungen steht dabei die Akzeptanz von Kindern mit Down Syndrom im Mittelpunkt.

Seite Mitte März tut sich vor allem der britische Guardian mit Artikeln über Personen hervor, die dem syrischen Präsidenten tatsächlich oder angeblich nahestehen. Neben dessen Ehefrau Asma gehören auch sein Schwiegervater, der in London lebende Kardiologe Fawas Akhras, sowie eine angebliche Beraterin dazu. Eine »syrische Oppositionsgruppe« soll zwischen Juni 2011 und Februar 2012 private E-Mails der Assads abgefangen haben, die angebliche Luxuseinkäufe per Internet belegen sollen. Obwohl der Guardian betont, daß die Authentizität nicht bewiesen sei, wurden die Mails veröffentlicht und dienen seitdem auch deutschen Medien als Grundlage diffamierender Artikel.

* Aus: junge Welt, 24. März 2012


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