ANC optimistisch vor den Wahlen

Südafrikas Regierungspartei fürchtet Abspaltung COPE nicht

Von Eric Singh *

Die vierten Parlamentswahlen nach Abschaffung der Apartheid in Südafrika am 22. April 2009 haben einen altbekannten Favoriten: den Afrikanischen National Kongress (ANC). Der Abspaltung Volkskongress (COPE) wird nicht mehr als ein Achtungserfolg zugetraut.

Sowohl 1994 unter der Führung Nelson Mandelas als auch 1999 und 2004 unter Thabo Mbeki fuhr der Afrikanische Nationalkongress (ANC) von Südafrika komfortable Siege bei den Parlamentswahlen ein. Wie zuvor wird der ANC auch am 22. April wieder von den Liberalen der Demokratischen Allianz (DA), der ultrakonservativen Inkatha Freiheitspartei (IFP) aus der Provinz KwaZulu Natal und einer Reihe kleinerer Parteien herausgefordert. Zudem betritt ein neuer Rivale die politische Bühne: der Volkskongress (Congress of the People – COPE), eine Abspaltung des ANC, der sich etliche ehemalige ANC-Funktionäre angeschlossen haben.

Die neue Partei COPE macht sich große Hoffnungen, die Führung im Lande zu übernehmen. Die Liste der Begründungen für den Bruch mit dem ANC ist sehr lang: Unter anderem wird der traditionsreiche Nationalkongress diktatorischer, undemokratischer Vorgehensweisen beschuldigt. Alle Bemühungen des ANC, die Streitfragen parteiintern zu lösen, waren fehlgeschlagen. Offenbar waren die Abweichler von vornherein zur Trennung entschlossen, um sich der Wählerschaft zu stellen. Begleitet wurde diese Abspaltung von einer zuvor angekannten Medienkampagne.

Kenner waren nicht überrascht von der Spaltung: Einige aufgrund von Insiderinformationen seit 1994 zu ungeheurem Reichtum gelangten ANC-Funktionäre fühlten sich in der Partei immer mehr eingeengt, vor allem als sie im Dezember 2007 auf der 52. ANC-Konferenz in Polokwane von ihren einflussreichen Posten abgewählt wurden.

Seit seiner Gründung im Jahre 1912 hat der ANC bereits eine Reihe solcher Abspaltungen erlebt. Sie alle liefen ins Leere. Die letzte größere erfolgte 1959, als unter der Führung Robert Mangaliso Sobukwes (1924-1978), eines ehemaligen ANC-Funktionärs und Dozenten an der Universität Witwatersrand in Johannesburg, der Panafrikanistische Kongress (PAC) gegründet wurde. Großspurig versprach er, Südafrika bis 1963 zu befreien.

Nach dem Massaker von Sharpeville 1960 wurden sowohl der ANC als auch der PAC verboten. Beide Parteien waren fortan gezwungen, aus dem Untergrund zu operieren. Das war nicht leicht, und der PAC erkannte, dass er – anders als der ANC – nicht die entsprechenden Strukturen hatte. So verlagerte er seine Kader in die Nachbarstaaten Südafrikas, wo sie zum Teil als die »wahren Revolutionsführer« aufgenommen wurden. Dem ANC als vermeintlichem Erfüllungsgehilfen der Sowjetunion wurde dagegen bisweilen in Afrika ein kühler Empfang bereitet. Es war die Zeit des ideologischen Streits zwischen der Volksrepublik China und der Sowjetunion. China galt manchem als Freund, der die »weißen Zaren« bekämpft.

Bald bemerkten die afrikanischen Führer indes den Unterschied zwischen ANC und PAC. So hinterließ der ANC in verschiedenen afrikanischen Gastländern Strukturen, die noch nach Jahrzehnten genutzt werden. Ein Beispiel ist die Solomon-Mahlangu-Freiheitsschule im tansanischen Morogoro, die von der Universität Daressalam übernommen wurde. Im heutigen Südafrika spielt der PAC keine Rolle mehr.

Gewiss wird COPE bei den bevorstehenden Wahlen manche Stimme gewinnen, aber alles andere als ein neuerlicher Sieg des ANC wäre eine große Überraschung. Zu tief ist die Organisation im Volk verwurzelt. Freilich ist sie gut beraten, das eigene Haus in Ordnung zu bringen, sich vom sogenannten Kampfbonus und von der Geisel Korruption zu befreien, denn die Geduld des Volkes ist nicht unendlich.

* Aus: Neues Deutschland, 14. April 2009


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