Südafrika sinniert über Mord an Terreblanche

Bluttat an Rechtsradikalem wirft Schatten auf die Regenbogennation

Von Martin Ling *

Die mutmaßlichen Mörder des burischen Rechtsextremisten Eugène Terreblanche haben sich vor Gericht der Tat schuldig bekannt. Politiker aller Parteien haben die Bluttat scharf verurteilt und rufen zur Besonnenheit auf – mit Ausnahme der Rechtsradikalen.

Auch in normalen Zeiten wäre die Ermordung von Eugène Terreblanche über Südafrika hinaus mehr als nur eine Nachricht wert gewesen. Schließlich war der Führer der rechtsextremen »Afrikaner Weerstandsbeweging« (AWB) nicht irgendeiner sondern der führende Rechtsradikale im einstigen Apartheid-Staat. Dort hatte er 1973 mit sechs anderen Buren die AWB gegründet, die von Anbeginn an mit der Verwendung Nazi-ähnlicher Symbole und martialischer Aufmärsche ihre ideologische Nähe zu den Faschisten demonstrierte. Und es sind nun ausschließlich Anhänger der AWB, die die Stimmung anheizen, wohl wissend dass ihnen zehn Wochen vor dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft weit über Gebühr Gehör geschenkt werden wird. »Die Mannschaften und Fans aus aller Welt fahren in ein Land der Mörder. Wir können sie nur warnen, denn das sind die Vorfälle, die in Südafrika passieren. Natürlich auch während der WM«, sagte Andre Visagie von der AWB und kündigte einige »Aktionen« ab dem 1. Mai an. Wie stark die Schlagkraft der AWB, die in den vergangenen Jahren viel an Bedeutung verloren hat, noch reicht, ist umstritten. Bei ihrem Kampf gegen die ersten demokratischen Wahlen 1994 ermordete sie einst 21 Menschen.

Der 69-jährige Terreblanche war am Samstagabend nach einem Streit um ausstehende Löhne offenbar von zwei schwarzen Angestellten seiner Farm in Ventersdorp im Nordwesten des Landes ermordet worden. Die beiden Verdächtigen, darunter ein 15-jähriger Teenager, stellten sich nach Behördenangaben der Polizei. Ihren Angaben zufolge sei Terreblanche ein schlechter Chef gewesen, der seine Angestellten geschlagen und beschimpft habe. Die blutüberströmte Leiche des Rechtsextremisten wurde laut Behördenangaben in dessen Bett gefunden, eine Machete steckte noch im Körper.

Die Ministerpräsidentin der Nordwest-Provinz, Maureen Modiselle, besuchte am Montag die Angehörigen von Terreblanche und sprach der Familie ihr Beileid aus. Nach Angaben ihres Sprechers bekräftigte sie die Botschaft von Präsident Jacob Zuma, der alle Parteien dazu aufgerufen hatte, nach dem »feigen Mord« Verantwortungsbewusstsein zu zeigen. »Wir rufen die Menschen auf, das Gesetz nicht in die eigenen Hände zu nehmen«, sagte sie.

Die Opposition sieht derweil in einem politischen Ziehsohn von Zuma einen der geistigen Brandstifter: Julius Malema, Generalsekretär der ANC-Jugendorganisation. Der 29-jährige Malema ist ein wichtiger Verbündeter Zumas und sieht in dessen ungestümer Politkarriere offenbar einen nachahmenswerten Weg. Er pflegt radikale Töne, fordert die Verstaatlichung der Minen-Industrie und die Enteignung von Ländereien und er pflegt wie Zuma »traditionelle Kampflieder«. Was Zuma sein Wahlkampfschlager »Bring mir mein Maschinengewehr« ist, ist Malema sein »Kill the Boer« (Töte den Farmer). Dass beide Songs nicht mehr wörtlich zu nehmen sind, ist für Zuma und Malema freilich klar und auch für ihre Anhänger.

Angreifbar macht sich Malema zudem durch gewagte politische Freundschaften. Vergangene Woche besuchte er Simbabwe, wo er als Gast der ZANU-PF, der Partei von Robert Mugabe, deutlich Sympathien für die Zwangsenteignung der weißen Farmer und Unternehmer zeigte. Auch wenn unbestritten ist, dass weder eine Landreform noch ein Abbau der sozialen Ungleichheit in Südafrika 16 Jahre nach Apartheid-Ende nennenswert gelungen sind, ist das Beispiel Simbabwe vielen Südafrikanern, vor allem den rund neun Millionen Weißen und Asiaten ein Schreckgespenst. Jedoch spricht nichts dafür, dass Zuma auf einen Mugabe-Kurs zusteuert. Stattdessen hat er ohne jede mehrheitstechnische Notwendigkeit die Partei Freiheitsfront Plus in sein Kabinett integriert, damit sie dort die Interessen der weißen Farmer repräsentiert. Daran, dass die Regenbogennation vielmehr ein Ideal als gelebte Wirklichkeit ist, ändert das nichts. Der Fall Terreblanche ist dafür ein beredtes Beispiel mehr.

* Aus: Neues Deutschland, 7. April 2010


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