Geachteter Global Player

Südafrika orientiert auf regionale und Süd-Süd-Kooperation

Von Hans-Georg Schleicher *

An den fünf großen Schwellenländern G5 (China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko) kommen die G8 nicht mehr vorbei. ND wirft heute einen Blick auf Südafrika.

Südafrika taucht in Heiligendamm in einer Doppelrolle auf. Zum einen gehört der Staat am Kap zur Gruppe der Schwellenländer G5, gleichzeitig wird Präsident Thabo Mbeki mit den Staatschefs Ghanas, Nigerias, Äthiopiens, Algeriens und Ägyptens Afrika repräsentieren. In Südafrika stand der G8-Gipfel beim Abschiedsbesuch des britischen Premiers Tony Blair vor wenigen Tagen ganz oben auf der Tagesordnung. Blair bestätigte, Afrika werde in Heiligendamm eine Schlüsselrolle spielen.

Südafrika selbst sieht sich dort nicht als Feigenblatt für eine von den »großen Acht« dominierte Veranstaltung, sondern als Vertreter der Interessen Afrikas, der G77 der Entwicklungsländer und der Bewegung der Blockfreien. Außenministerin Nkosazana Dlamini Zuma nannte als thematische Erwartungen für den Gipfel ökonomische Partnerschaft, Reformen, wirtschaftliche Entwicklung, private Investitionen, Gesundheitsprojekte und HIV/Aids. Sie bezeichnete das Engagement der deutschen Präsidentschaft für die Probleme Afrikas als ermutigend.

Dabei ist die Bilanz seit dem Gipfel in Gleneagles 2005 aus afrikanischer Sicht bescheiden. Noch immer fehlen konkrete Zeitpläne für die Verwirklichung der G8-Zusagen. Es geht um die Bekämpfung von HIV/Aids und Malaria sowie das Bildungswesen, es geht darum, wie die bis 2010 angestrebte Verdoppelung der Hilfe auf 50 Milliarden Dollar weltweit (25 Milliarden für Afrika) erreicht werden soll.

Südafrikas Politik reagiert auf Herausforderungen der Globalisierung mit der Orientierung auf regionale und auf die Süd-Süd-Kooperation. Mit der »Afrikanischen Renaissance«, der Besinnung auf eigene Werte und entsprechende Anstrengungen in der regionalen Kooperation sowie der »Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung« (NEPAD) wurden Schwerpunkte gesetzt. Südafrikas Regionalpolitik in der Afrikanischen Union (AU) und in der Entwicklungsgemeinschaft des Südlichen Afrikas orientiert auf wirtschaftliche Kooperation und politische Konfliktlösungen.

NEPAD erhielt 2002 die Unterstützung der G8-Staaten und gilt inzwischen als Entwicklungsprogramm der AU. Südafrika verbindet dabei außenpolitische Prioritäten in Afrika und in der Süd-Süd-Kooperation mit einer aktiven multilateralen Politik und guten Beziehungen zu Partnern im Norden. Süd-Süd-Kooperation schließt neue innovative Formen ein wie die Dreier- Kooperation des Dialogforums Indien, Brasilien, Südafrika oder die »Neue Asiatisch-Afrikanische Strategische Partnerschaft« mit Südafrika als Ko-Vorsitzendem. Während Südafrikas Engagement bei der Regelung afrikanischer Konflikte Anerkennung auch außerhalb Afrikas findet, ist die Expansion seiner Wirtschaft auf dem Kontinent nicht unumstritten.

Beim Klimaschutz liegt man mit 7,54 Tonnen CO2-Ausstoß pro Kopf deutlich über dem der anderen Schwellenländer. Kohle ist die Hauptenergiequelle. Im eigenen Land, vor allem in der Zivilgesellschaft, werden die G8 durchaus kritisch wahrgenommen. Andererseits ist da der Stolz über die Rolle Südafrikas als Interessenvertreter der Dritten Welt.

Die Einladung zum G8-Gipfel symbolisiert den Wandel des Landes vom internationalen Paria zum geachteten »Global Player«. Kritik an der Gefahr einer Vereinnahmung durch den Norden entschärft Südafrika auch mit seiner eigenständigen Politik derzeit im UNO-Sicherheitsrat. Kritiker in Südafrika befürchten eine Überdehnung der Außenpolitik. Für den Politologen Chris Landsberg ist die ehrgeizige Politik eine Nummer zu groß, aber immerhin sei es gelungen, Afrika auf die internationale Tagesordnung zu setzen.

* Aus: Neues Deutschland, 7. Juni 2007


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