Angst vor saurem Wasser

Südafrikas Bergbau schafft Probleme für Fundamente und Landwirtschaft

Von Armin Osmanovic, Johannesburg *

Große Teile Südafrikas erleben in diesem Sommer außergewöhnlich starke Regenfälle. Schon mehr als 100 Menschen sind am Kap durch Überflutungen gestorben. Mit dem vielen Wasser steigt auch die Gefahr, dass kontaminiertes Wasser aus stillgelegten Minen an die Oberfläche dringt.

Mit dem Ende der Produktion stoppten die Bergbauunternehmen auch die Entwässerung in den zum Teil kilometertiefen Schächten. Die entstandenen Hohlräume füllen sich nun mit Wasser, das auf seinem Weg Salze, Eisensulfite und Schwermetalle, die durch den Bergbau freigesetzt wurden, aufnimmt und an die Oberfläche drängt.

Das Wasser ist stark sauer und höchst gefährlich für die Gesundheit, da es giftig und radioaktiv sein kann, so dass bei Verunreinigung des Trinkwassers eine Zunahme von Krebserkrankungen, Missbildungen bei Neugeborenen und Nierenversagen droht.

Saures Wasser, das an die Oberfläche dringt, gefährdet aber auch die Standfestigkeit von Gebäuden. Besonders betroffen ist die Region um Johannesburg. Hier, wo seit mehr als 120 Jahren Bergbau betrieben wird und etwa 20 Prozent der 50 Millionen Südafrikaner wohnen, gibt es besonders viele verlassene Minen. So droht der Innenstadt von Johannesburg mit ihren Wolkenkratzern Gefahr vom sauren Wasser unter ihren Fundamenten. 2012 könnte es soweit sein, dass das Wasser in den letzten Pufferbereich, 150 Meter unterhalb der Oberfläche, eintritt.

Saure Bergbauwässer sind nicht allein ein südafrikanisches Problem. Die US-Umweltbehörde zählt die sauren Ausflüsse aus Minen zu den größten Umweltgefahren weltweit, lediglich vom Klimawandel übertroffen.

Nach Meinung von Umweltaktivisten ist das Problem mit den sauren Bergbauwässern in Südafrika so dramatisch, weil die Regierung das Problem lange ignoriert hat und die Unternehmen sich aus der Verantwortung gestohlen haben. Schon früh war bekannt, dass mit dem Ende des Bergbaus und dem Fluten der alten Schächte große Gefahren einhergehen. "Da man seit 1996 bis heute von Seiten der Regierung untätig blieb", so der Bergbau-Experte Garfield Krige gegenüber der Wochenzeitung "Mail&Guardian", "konnten sich die Unternehmen aus ihrer Verantwortung stehlen".

Erst 2009 stellte das Wasserministerium fest, dass in der Tat die größte Umweltgefahr im Land von den verlassenen Minen und dem daraus resultierenden Austritt von verseuchtem Wasser ausgeht. 6000 verlassene Minen gibt es. Ohne Eigentümer stellt sich die Frage, wer zur Verantwortung gezogen werden kann, wer für die Kosten aufkommen muss, die entstehen.

Im Januar beauftragte die Regierung ein Team von Experten, die Lösungswege vorschlagen sollen, wie etwa kontaminiertes Wasser gereinigt und wie das Grundwasser geschützt werden kann.

Die Wasserqualität nimmt in Südafrika insgesamt ab. Nicht nur in und um Johannesburg sondern in größeren Teilen des Landes ist das saure Bergbauwasser ein Problem. Problematisch ist aber auch die Behandlung der Abwässer. Die beiden großen Supermarktketten des Landes Spar und Pick n Pay zeigen sich wegen der abnehmenden Wassergüte denn auch besorgt über die Qualität der im Land produzierten Lebensmittel. Und die Landwirte machen sich Sorgen um ihre Lebensmittelexporte in die EU.

Lexikon: Grubenwasser

All jenes Wasser, das in ein Bergwerk einströmt, wird unter dem Begriff Grubenwasser zusammengefasst. Zu den Quellen dieses bei aktiven Gruben abzupumpenden Wassers im angrenzenden Nebengestein, zählen auch die Niederschläge, die sich durch Risse im Deckgestein den Weg ins Bergwerk bahnen. Das Wasser kann je nach seinem Säuregrad Mineralien im Gestein zersetzen und dabei auch giftige Schwermetalle aufnehmen. Bis zur Einführung der Dampfmaschine begrenzte die abzupumpende Grubenwassermenge die Tiefe der Bergwerksschächte.



* Aus: Neues Deutschland, 14. Februar 2011


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