Schwarze Kleinbauern machen "grüne Revolution"

Im südlichen Afrika verzeichnet die Landwirtschaft Fortschritte

Von Armin Osmanovic, Johannesburg *

Afrikas wachsende Bevölkerung und seine schnell wachsenden Städte brauchen mehr und mehr Lebensmittel. Eine »grüne Revolution« ist notwendig. Afrikas Agrarproduktion wächst. Selbst Simbabwes Landwirtschaft ist wieder im Aufwind.

Simbabwes Landwirtschaft gehört zu den Sorgenkindern in Afrika. Durch die umstrittene Enteignung weißer Farmer verzeichnete das südafrikanische Land schwere Produktionseinbußen. Nun zeigt der Agrarsektor nach einer langen Durststrecke zum ersten Mal Zeichen der Erholung und viele kleine schwarze Farmer haben daran ihren Anteil.

Simbabwes Tabakernte ist dieses Jahr gut ausgefallen. Der Ertrag hat sich gegenüber dem letzten Jahr auf 120 Millionen Kilogramm verdoppelt, auch deshalb weil viele kleine schwarze Farmer wegen der guten Tabakpreise begannen, auf den Anbau von Tabakpflanzen umzustellen. Vor der Landenteignung im Jahr 2000 hatte Simbabwe jedoch 236 Millionen Kilogramm Tabak geerntet.

Gegenwärtig gibt es 51 000 registrierte schwarze Tabakfarmer und 130 weiße Großbetriebe in weißer Hand. 42 Prozent der Produktion wird damit von schwarzen Kleinbauern erzeugt. Gegenüber letztem Jahr ist dies ein Anstieg um 100 Prozent.

Die Einnahmen aus dem Verkauf des Tabaks machen 50 Prozent der gesamten Agrarexporteinnahmen Simbabwes aus. Die guten Ernten werden das Wachstum der Gesamtwirtschaft des Landes stärken, die seit Einführung des US-Dollars und der dadurch gestoppten Hyperinflation wieder wächst. Simbabwes Finanzminister Tendai Biti hat aufgrund der Tabakernte seine Prognose für das Wachstum in der Landwirtschaft von 10,8 Prozent auf 18,8 Prozent angehoben

Nach Angaben der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) der Vereinten Nationen ist auch die Maisernte mit 1,3 Millionen Tonnen gegenüber dem vergangenen Jahr angestiegen, damals waren es 1,2 Millionen Tonnen. Dennoch werden dieses Jahr etwa 1,7 Millionen Simbabwer auf Lebensmittelhilfen angewiesen sein, da sie nicht über ausreichend Geld verfügen, um sich auf den Märkten zu versorgen. Simbabwe braucht etwa 2 Millionen Tonnen Mais für die Versorgung seiner Bevölkerung. 2008 hatte die Produktion mit nur 500 000 Tonnen ihr Tief erreicht.

Die Situation in Simbabwe spiegelt die Entwicklung in vielen Teilen des südlichen Afrikas wieder. Vor allem der subventionierte Einsatz von Düngemittel, der in Simbabwe und Malawi durch die Hilfe der internationalen Geber zustande kommt, der erleichterte Zugang zu Krediten, die stärkere Unterstützung der Landwirtschaft durch die Regierungen und die bessere Infrastruktur machen sich bemerkbar. Um die steigende Zahl von Menschen, die in Zukunft mehrheitlich in den Städten wohnen werden, ausreichend versorgen zu können, braucht Afrika eine »grüne Revolution«. Sinya Mbale von der Nichtregierungsorganisation CFU in Sambia setzt auf die Kleinbauern als Motor der grünen Revolution in Afrika. »Mit neuen Methoden schaffen wir ohne großen Kapital-, Technik- und Mitteleinsatz sehr gute Ergebnisse.« Die von Sambias Farmgewerkschaft unterstützte NRO setzt auf den Einsatz von natürlichem Dünger aus einem Akazienbaum der Region, beschränkte Bodenbearbeitung, um Erosion zu vermeiden, und einer Anbautechnik, die Feuchtigkeit im Feld unterstützt, so dass die Bearbeitung bereits weit vor dem saisonalen Niederschlag beginnen kann. »Früher warteten alle Farmer mit dem Anbau bis der erste Regen fiel, dann gab es häufig nicht genug Pflüge, so dass viel Zeit verloren ging, erklärt Mbale den erstaunten Zuhörern auf einem Workshop in Johannesburg.

Afrikas »grüne Revolution« sollte nicht nur einer Handvoll Großfarmer und den Herstellern von Düngemittel und Pestiziden nutzen. Die Ergebnisse der sambischen NRO machen Hoffnung, dass durch angepasste Maßnahmen Afrikas Kleinbauern einen wesentlichen Beitrag zur Ernährung der bald 1 Milliarde Menschen südlich der Sahara leisten können.

* Aus: Neues Deutschland, 28. September 2010


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