Mit der Schubkarre zum Arzt

Die Simbabwer kämpfen verzweifelt gegen die Cholera-Epidemie – ein Ende ist nicht in Sicht

Von Nissrine Messaoudi *

Die Cholera-Epidemie in Simbabwe weitet sich täglich aus. »Ärzte ohne Grenzen« forderte am Montag in Berlin die internationale Gemeinschaft sowie die Regierung Simbabwes auf, die Bevölkerung nicht mit der humanitären Krise allein zulassen.

Einem Land, in dem Geld auf der Straße liegt, sollte es eigentlich gut gehen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Simbabwe ist so ein Land. Scheine liegen überall herum, weil das Geld nichts mehr wert ist, denn Simbabwe leidet an einer massiven Inflation. Die Regierung hat zwar kürzlich zwölf Nullen der Währung gestrichen – aus einer Billion Simbabwe-Dollar wurde jetzt ein Dollar. Die Preise erhöhen sich allerdings mehrmals am Tag.

Simbabwe, das einst die Kornkammer des südlichen Afrikas war, erleidet momentan mehrere Krisen zugleich. Seit rund einem halben Jahr kämpft die Bevölkerung gegen eine schwere Cholera-Epidemie. Die Zahl der Cholera-Fälle ist auf rund 70 000 gestiegen. 3500 Menschen sind bislang gestorben. »Mitte Januar haben sich in einer Woche 1700 Menschen an der ansteckenden Krankheit infiziert«, sagte Frank Dörner, Geschäftsführer der Organisation »Ärzte ohne Grenzen Deutschland« am Montag in Berlin.

Ausgebrochen ist die Seuche in der Hauptstadt Harare. Aufgrund der hohen Mobilität der Bevölkerung hat sich die Krankheit in den ländlichen Gebieten ausgebreitet. »Mittlerweile sind auch die Nachbarstaaten betroffen«, erklärte Dörner, der kürzlich erst aus Simbabwe zurückkam. Ursachen für das Ausbrechen von Cholera ist das überforderte Gesundheitswesen, die maroden Trinkwassersysteme und die schlechte Versorgung mit Nahrungsmitteln.

Einheimische Ärzte können für ihre Arbeit nicht bezahlt werden, daher haben viele bereits das Land verlassen. Von »Ärzte ohne Grenzen« werden 75 Prozent der Erkrankten behandelt. »Menschen werden in Schubkarren zur errichteten Cholera-Station gebracht. Dann versorgen wir sie mit viel Flüssigkeit, nur so kann man sie vor dem Sterben retten«, meinte Frank Dörner. Die Mittel sind in den Cholera-Camps begrenzt. In die richtigen Kliniken der Hilfsorganisation können die Kranken aber nicht gebracht werden. Denn die Kliniken betreuen HIV-Infizierte.

Simbabwe kämpft nämlich mit den höchsten HIV/Aids-Raten im südlichen Afrika. »Jeder fünfte Erwachsene ist mit HIV infiziert. 400 Menschen sterben täglich an dem Virus«, klagte Dörner. Durch die Cholera-Epidemie wird die Situation der Bevölkerung immer schlimmer. »Viele versuchen, sich extra mit HIV anzustecken, um überhaupt behandelt werden zu können. Das zeigt, wie prekär die Lage im Land ist«, so Dörner. Simbabwe dürfe daher nicht mit der Krise allein gelassen werden. »Die internationale Gemeinschaft sowie die Regierung Simbabwes müssen der armen Bevölkerung helfen.«

* Aus: Neues Deutschland, 10. Februar 2009


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