Der Inselerbe

James Michel als Präsident der Republik Seychellen bestätigt

Von Frank Wehner *

James Michel wurde als Präsident der Seychellen bestätigt. Vor zwei Jahren wurde James Alix Michel die Macht geschenkt. France Albert René, seit 27 Jahren Präsident der im Indischen Ozean gelegenen Republik der Seychellen und »Architekt der Nation«, war zu dem Schluss gekommen, dass er lieber ausruhen und fischen sollte, und legte sein Amt in die Hände des damals 59-Jährigen.

In diesem Juli musste der sich sich nun die Macht erkämpfen. Es glückte ihm knapp, was wohl auch daran lag, dass das ihm übertragene Inselerbe auch nicht mehr das ist, was es einmal war. Mit knapp 54 Prozent schlug er seinen Konkurrenten, den anglikanischen Priester Wavel Ramkalawan. Michel, 1944 im Distrikt Anse Boileau auf Mahé geboren, der größten der 115 Inseln des Archipels, wuchs in einer nicht eben begüterten Familie auf. Trotzdem schaffte er es, Lehrer zu werden, war aber nicht lange in diesem Metier tätig. Er versuchte sich in einer Kabelfabrik, später im Hotelwesen. Schon bald beteiligte er sich am Unabhängigkeitskampf. 1974 wurde er Mitglied des Zentralkomitees der Vereinigten Volkspartei der Seychellen (SPUP) Albert Renés, die heute Progressive Volksfront (SPPF) heißt.

Nachdem 1977, ein Jahr nach der Unabhängigkeit, der prowestliche Präsident James Mancham gestürzt worden war, machte Michel schnell und gründlich Karriere. Er war Minister für Erziehung, Jugend, Information und Finanzen, Generalstabschef und SPPF-Generalsekretär, bis er schließlich 1996 Vizepräsident wurde.

In diesen Funktionen war er maßgeblich beteiligt an einer Politik, die durch ein beachtliches soziales Engagement geprägt ist. Für die Bevölkerung bedeutete das, dass sie vermögender, gesünder und besser ausgebildet ist als die der meisten anderen afrikanischen Länder. Allerdings belastet dies auch die Kassen enorm, und hinzu kam, dass das starke Gewicht des Staates in der Wirtschaft zu Effizienzdefiziten führte. Unter Bushs Kriegen und dem Terrorismus leidet zudem der Tourismus, die Haupteinnahmequelle.

Das Resultat: Die Seychellen gehören zu den meistverschuldeten Staaten der Welt. Der »Mann mit den großen Tugenden«, wie ihn René einst nannte, wird es schwer haben, den Kurs, der ihm noch einmal zum Erfolg verhalf, beizubehalten.

* Aus: Neues Deutschland, 1. August 2006


Die Republik Seychellen in Daten

Die Republik Seychellen liegt östlich von Afrika inmitten des Indischen Ozeans. Sie besteht aus einer Inselgruppe von insgesamt 115 Inseln, von denen aber nur zwei größere erwähnenswert sind: die Insel Mahé und die Insel Praslin. Hauptstadt der Seychellen ist Victoria (auf der Inasel Mahé) mit 60.000 Einwohnern (was etwa drei Viertel der Gesamtbevölkerung des ganzen Landes entspricht).
  • Staatsform: Präsidialrepublik (Unabhängigkeit seit 1976); Mitglied im brit. Commonwealth; derzeit geltende Verfassung aus dem Jahr 1993; das Parlament (National Assembly) wird alle 5 Jahre gewählt und hatb 34 Abgeordnete; der Präsident wird ebenfalls für 5 Jahre gewählt und darf max. zwei mal wiedergewählt werden; Wahlrecht: ab 17 Lebensjahr!
  • Fläche/Bevölkerung: 454 qkm (zum Vergleich: Die Stadt Köln hat 405 qkm); EW: 81.000; Bevölkerungsdichte: 178 je qkm (Deutschland: 230)
  • Amtssprachen: Kreolisch, Englisch und Französisch
  • Bruttosozialprodukt pro Kopf und Jahr: Über 17.000 US-Dollar (Kaufkraftparität)
  • Lebenserwartung: 73 J.; Alphabetisierungsgrad: 91 Prozent
  • "Menschliche Entwicklung": Die Seychellen liegen beim Indikator für menschliche Entwicklung auf Platz 36 (hinter Polen und vor Bahrain)
  • Wirtschaft: Landwirtschaft 7 %; Industrie 23 %, Dienstleistungen 70 %; der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist die Tourismusbranche; mit ihr wird ein großer Teil des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet; daneben Export von Fischprodukten (insbesondere in die USA, nach Jemen und Großbritannien)
Quelle: Fischer-Weltalmanach; UNDP: Bericht über die menschliche Entwicklung




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