Deutlicher Sieg des Favoriten

Benigno "Noynoy" Aquino wird neuer Präsident der Philippinen

Von Thomas Berger *

Der Favorit hat gewonnen – Benigno »Noynoy« Aquino, Sohn der im Herbst 2009 verstorbenen Expräsidentin Corazon Aquino, wird neues Staatsoberhaupt der 90 Millionen Filipinos. Er setzte sich bei den Präsidentschaftswahlen am Montag überraschend deutlich gegen acht Konkurrenten durch. Vier von zehn Wählern schenkten Benigno ihr Vertrauen, immerhin jeder Vierte machte bei Joseph »Erap« Estrada sein Kreuz. Ein zweiter Platz, der zeigt, wie sehr der 73jährige Exschauspieler und Expräsident noch aufgeholt hat. Dafür fuhr Aquinos wichtigster Herausforderer, Manuel »Manny« Villar, mit 15 Prozent eine deutliche Niederlage ein, die er mit öffentlicher Gratulation an den Sieger frühzeitig eingestand. Abgeschlagen nicht nur er, sondern auch der Kandidat der bisherigen Regierungspartei, Gilberto Teodoro (elf Prozent).

Ein Sieg für Gelb, wenn es nach den Farben der politischen Gruppen geht. Ob die Liberale Partei des künftigen Mannes im Präsidentenpalast allerdings einen Politikwechsel in dem südostasiatischen Inselstaat in die Wege leiten wird, bleibt abzuwarten. Groß ist die Erwartungshaltung gegenüber dem Sohn zweier Vorkämpfer der philippinischen Demokratiebewegung gegen den damaligen Diktator Marcos, zugleich Sproß eines einflußreichen Großgrundbesitzerclans. Er hat einen entschiedenen Kampf gegen die Korruption angekündigt. Doch zugleich ist er trotz mehrerer Jahre als Kongreßabgeordneter und Senator eher unerfahren, hat weder ein klares Programm noch ein überzeugendes Team fähiger Leute, das für einen wirklichen Neuanfang stehen könnte. Im Gegenteil: So mancher, der sich heute zu seinen Getreuen zählt, wechselte erst kurz vor der Wahl das Lager und verließ das sinkende Schiff der bisherigen Regierungspartei.

Drei Viertel der 50,7 Millionen Wahlberechtigten haben von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Die bisherigen Zahlen basieren auf 90 Prozent ausgezählter Stimmen, die nationale Wahlbehörde hat vorerst die Bekanntgabe neuerer Ergebnisse gestoppt. Spannend ist bis zum Schluß das Rennen bei den Vizepräsidentschaftskandidaten. Manuel Villars »Running mate«, die beim letzten Mal noch mit Spitzenergebnis in den Senat geschickte Loren Legarda, kommt über 3,6 Millionen Stimmen (11,4 Prozent) nicht hinaus. Der Wunschvize Estradas, Jejomar Binay, hat gegenüber Aquinos Partner Mar Roxas mit 12,9 zu 12,1 Millionen Stimmen die Nase vorn (41 zu 38 Prozent). Jetzt wird der vormalige Bürgermeister von Makati, dem Geschäftsviertel der Metropole Manila, wohl Stellvertreter des neuen Staats- und Regierungschefs.

Die scheidende Präsidentin Gloria Arroyo schaffte es ebenso, als Abgeordnete in den Kongreß gewählt zu werden, wie der 83jährigen Witwe des früheren Diktators, Imelda Marcos, der Wiedereinzug gelang. Ihr Sohn Marcos jr. alias Bongbong schaffte es mit gut elf Millionen Stimmen in den Senat. Von den zwölf dort zur Wahl stehenden Sitzen geht aber keiner an einen der drei linken Kandidaten. Satur Ocampo und Liza Maza scheiterten ebenso wie der inhaftierte General Danilo Lim. Der von der Linkspartei PLM unterstützte Offizier erhielt immerhin etwa 6,5 Millionen Stimmen.

* Aus: junge Welt, 14. Mai 2010


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