Guerillero der ersten Stunde

Zum Tode des philippinischen Kommunisten Gregorio Rosal

Von Rainer Werning *

Der 64jährige Gregorio Rosal, besser bekannt unter seinem Decknamen »Ka (Genosse) Roger«, war die längste Zeit seines Lebens für die philippinische Linke Gesicht und Herz des revolutionären Untergrunds. Für die Herrschenden seines Landes, vor allem für die Streitkräfte der Philippinen (AFP) und deren Kommandospitzen, war »Ka Roger« der ideelle Gesamtterrorist. Jahrelang hatten AFP-Eliteeinheiten etliche Militärkampagnen entfesselt, um den Mann zur Strecke zu bringen – vergeblich. Fabrizierte Anklagen gegen Rosal und selbst ein Kopfgeld in Höhe von fünf Millionen Peso (zirka 84000 Euro) fruchteten ebensowenig. »Ka Roger« foppte immer wieder seine Feinde, unterstützt und geschützt von einer wachsenden Zahl seiner Bewunderer diesseits und jenseits des politischen Untergrunds. Schließlich konnten seine Gegner und Feinde nicht umhin, ihm, dessen untrügliches Markenzeichen das ständige Tragen einer Mao-Ballonmütze war, zumindest unterschwellig Respekt zu zollen. Das will was heißen.

Am 9. Oktober veröffentlichte die Kommunistische Partei der Philippinen (CPP) auf ihrer Website die Nachricht vom Tode ihres Sprechers Gregorio »Ka Roger« Rosal. Er sei 64jährig bereits am 22. Juni in einer Guerillazone an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Die späte Bekanntmachung begründete die CPP-Führung damit, man hätte zunächst die Töchter des Verstorbenen und andere Verwandte informieren und gleichzeitig notwendige Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen.

Gregorio Rosal, am 19. April 1947 in der südlich von Manila gelegenen Provinz Batangas geboren, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Seine Eltern waren Tagelöhner auf einer kleinen Zuckerrohrplantage, wo er von frühen Kindesbeinen an mit Ausbeutung, Demütigung und Gewalt konfrontiert wurde. Die Schule mußte er früh verlassen, um als Hilfskraft eines Landbesitzers und Verkäufer von Moskitonetzen Geld zum Familienunterhalt beizusteuern. Erst als 24jähriger erlangte er seine mittlere Reife. Die späten 1960er und frühen 1970er Jahre prägten Rosal von Grund auf. Es waren dies die Jahre der philippinischen »Achtundsechziger«; Proteste gegen das Marcos-Regime (im September 1972 verhängte es das Kriegsrecht über den Inselstaat) und gegen die US-Aggression in Vietnam, Laos und Kambodscha waren an der Tagesordnung. Eine politische Heimat fand der sensible Batangueño in der revolutionären Kabataang Makabayan (Patriotischen Jugend), als deren Mitglied er Farmarbeitern mit dazu verhalf, sich selbständig zu organisieren.

1973 sah Rosal zum ersten Mal ein Gefängnis von innen. Doch in einer spektakulären Aktion gelangen ihm und neun Mitstreitern noch im selben Jahr die Flucht aus dem Militärcamp Vicente Lim (etwa 50 km südlich von Manila gelegen) direkt in den politischen Untergrund, wo er sich fortan dem bewaffneten Widerstand anschloß. Eine Entscheidung, die er nie bereute und die aus seiner Sicht wesentlich dazu beitrug, aus ihm ein Organisationstalent an unterschiedlichen Guerillafronten zu machen – vor allem in den Regionen Southern Tagalog und Bicol.

Wiederholt lud »Ka Roger« Journalisten ein, ihn in den Bergen zu besuchen und sich vor Ort selbst ein Bild vom revolutionären Alltag zu machen. Dann wies er immer wieder darauf hin, wie herausragend gerade die Jugendarbeit ist. »Wenn wir die Jugendlichen und Studenten nicht organisieren und in unseren Bann ziehen, werden unsere Feinde das tun. Wir müssen uns um sie kümmern und aufklären, sonst sind sie verloren.«

* Aus: junge Welt, 19. Oktober 2011


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