Pazifik: Meer des Friedens - Inseln des Krieges?

2000: Das Jahr der Putsche in der Südsee?

Die Putsche auf den Fidschi-Inseln und auf den Salomonen im Mai/Juni 2000 haben eine Weltregion ins Blickfeld gerückt, das seit den französischen Atomwaffenversuchen in Muroroa 1995 aus den Schlagzeilen geraten war. Der pazifische, der "stille" Ozean ist alles andere als still und friedlich. Und Südseeparadiese gibt es in der Regel nur für Touristen und nur auf Zeit. In vielen Kleinstaaten brodelt es. Nicht weil "Ethnien" aufeinander stoßen, sondern weil die sozialen Spannungen zu groß geworden sind.

Anlässlich des Putsches auf den Salomoninseln am 6. Juni 2000 werden solche Zusammenhänge sogar in der etablierten Tagespresse - ausnahmsweise - aufgezeigt. Die Frankfurter Rundschau schreibt z.B. am 08.06.2000:


Ethnische Unruhen erschüttern viele Pazifikstaaten
Bis zu hundert Tote bei Kämpfen auf den Salomonen / Soziale und wirtschaftliche Missstände lösen Gewalt aus


Zwei Putschversuche auf den Pazifischen Inseln haben in jüngster Zeit wieder schwelende Konflikte in der Region in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt. Politischen Beobachtern zufolge ist die Pazifik-Region voller potenzieller Krisenherde, die wegen sozialer und wirtschaftlicher Missstände jederzeit explodieren können.

Auf den Salomonen stellten Rebellen am Montag zunächst Regierungschef Bartholomew Ulufa'alu unter Hausarrest und brachten die Hauptstadt Honiara auf der Insel Guadalcanal unter ihre Kontrolle gebracht. Blutig wurde der Putschversuch aber erst am Mittwoch: Bis zu hundert Menschen sollen getötet worden sein, als sich Rebellen und gegnerische Aufständische Feuergefechte lieferten. Ulufa'alu wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.

Auf den Salomonen bekämpfen sich die Bewohner der beiden Inseln Guadalcanal und Malaita schon seit dem Zweiten Weltkrieg. Seither feinden militante Bewohner Guadalcanals Zuwanderer aus Malaita an, die auf der benachbarten Insel die besten Arbeitsplätze für sich gesichert haben. Auch für die jüngsten Kämpfe auf Guadalcanal sind rebellische Zuwanderer der "Malaita Adlerstreitmacht" verantwortlich, die sich mit Bewaffneten der einheimischen Isatabu-Freiheitsbewegung Gefechte liefern. In den vergangenen 18 Monaten sind dabei rund 60 Menschen ums Leben gekommen.

Erst vor knapp drei Wochen stürmten Putschisten auf den Fidschi-Inseln das Parlament und nahmen Ministerpräsident Mahendra Chaudhry und zahlreiche weitere Politiker als Geiseln. Auch hier dauert die Krise an - ihre Ursache hat sie in ethnischen Konflikten. Die Putschisten rechtfertigen ihren Umsturzversuch damit, für die Belange eingeborener Fidschianer eintreten zu wollen. Diese stellen die Bevölkerungsmehrheit der Inselgruppe im Pazifik, die wirtschaftliche Elite indes bilden die rund 44 Prozent indisch-stämmigen Fidschianer, zu denen auch Regierungschef Chaudhry gehört. Putschisten-Chef George Speight beschuldigt die erst vor einem Jahr gewählte Regierung Chaudhry, die ethnischen Konflikte im Land anzuheizen: Mit diesem Argument wurde bereits 1987 eine ebenfalls von indisch-stämmigen Fidschianern dominierte Regierung gestürzt.

Auch Papua-Neuguinea ist harten Belastungsproben ausgesetzt: Regierungskrisen, eine desolate Wirtschaftslage, Korruption und Bandenkriege auf den Straßen sind hier an der Tagesordnung. Hinzu kommen auch hier, wo es rund 700 Sprachen und Dialekte gibt, Rivalitäten zwischen vier ethnischen Gruppen und nicht zuletzt separatistische Bestrebungen auf der rohstoffreichen Insel Bougainville. Die Regierung in Port Moresby hat Bougainville Autonomie angeboten, nachdem es 1988 zum Aufstand mit Hunderten Toten kam - 1998 wurde eine Waffenruhe vereinbart, doch die Insel ist nach wie vor weitgehend außer Kontrolle.

In Port Moresby hat die Regierung mit genügend Schwierigkeiten vor der eigenen Haustür zu kämpfen. In einem Bericht der australischen Regierung heißt es, Korruption auf Papua-Neuguinea verhindere dringende Wirtschaftsreformen. Und auch die Kriminalität belastet das Land. Als "Raskols" bekannte Gangsterbanden treiben in Port Moresby offen ihr Unwesen; hohe Stacheldrahtzäune und vergitterte Fenster an Wohnhäusern und Geschäften sind eine alltägliche Erscheinung.

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