Umgedrehte Reisschalen

Massenproteste der Mönche Myanmars gegen die Militärjunta. Aufruf an die Bevölkerung, sich den Aktionen des Klerus anzuschließen

Von Evamaria Haupt und Roland Platz *

Rangun, Mandalay – es ist soweit: Immer mehr Bewohner Myanmars setzen sich zur Wehr. In der vergangenen Woche folgten Tausende Mönche der Aufforderung der »Allianz Burmesischer Buddhistischer Mönche«, ihre Reisschalen umzudrehen und den Anhängern der Militärregierung die Abgabe von Spenden zu verweigern. Am Wochenende dann demonstrierten die Geistlichen in verschiedenen Teilen des Landes. Samstag kamen mehr als 10000 Teilnehmer nach Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes.

Am Sonntag marschierten Augenzeugen zufolge zunächst 10000 Mönche durch die Straßen von Rangun, der größten Stadt des Landes, gefolgt von ebenso vielen Unterstützern. Die Menge schwoll dann innerhalb einer Stunde auf 20000 Menschen an. Die immer noch unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi beteiligte sich symbolisch: Sie erwies dem religiösen Protestlern ihren Respekt, indem sie in gelb gekleidet vor ihr Haus trat.

Bislang schwieg die Regierung zu den Aktionen. Es gibt allerdings Gerüchte, wonach im Umkreis von Rangun und Mandalay verstärkt Truppen stationiert werden. Fest steht, daß Myanmar im Moment den größten Protest gegen die Diktatur seit 19 Jahren erlebt. Damals begehrten die Menschen in Burma (heute: Myanmar) auf. Am 8. August 1988 demonstrierten Hunderttausende im ganzen Land. Für einen Tag sah es so aus, als würde es gelingen, die seit 25 Jahren herrschenden Militärs zu stürzen. Deren Politik wurde allgemein für die Armut in dem rohstoffreichen Land verantwortlich gemacht. Doch wurde der Aufstand schließlich blutig niedergeschlagen. Über die Zahl der Opfer und Vermißten gibt es bis heute keine verläßlichen Angaben. Schätzungen gehen von mindestens 2000 Toten aus.

Begannen damals die Demonstrationen an den Universitäten, nachdem die Regierung einen Großteil der in Umlauf befindlichen Banknoten von einem Tag auf den anderen als ungültig erklärt hatte, so gelten die aktuellen Proteste einschneidenden Preiserhöhungen für Benzin und Nahrungsmittel. Am Wochenende forderten die Mönche erstmals auch die Bevölkerung auf, sich zu beteiligen. Der Despotismus führe zur Verarmung der Menschen, hieß in einem Aufruf. Um das «üble Regime» für immer zu vertreiben, müsse die Bevölkerung gemeinsam mit dem Klerus handeln.

Weite Segmente der Gesellschaft sind wegen der verheerenden Wirtschaftspolitik der Junta verarmt. Das gilt auch für einen Großteil der Mönche, die von der Unterstützung der Laien leben. Tempel, die Touristenattraktionen sind, werden herausgeputzt, die Dorftempel sind verarmt. Manche Klosterbewohner können nur noch einmal am Tag essen. Traditionellerweise sind es zwei Mahlzeiten am Tag. Sobald sich eine Mehrzahl der Mönche gegen die Regierenden stellt, wird es für diese gefährlich. Sollte es zu einer weiteren Ausweitung der Proteste kommen, könnten sich noch mehr Menschen auf die Straße trauen. Wie dann die Junta reagiert, ist nicht absehbar. Die Länder der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN) forderten die Militärregierung auf, sich zurückzuhalten. Die Lage dürfe nicht eskalieren.

* Aus: junge Welt, 24. September 2007


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