Myanmars Mönche in Aufruhr

Militär-Regime erhöht nach Protesten Druck auf politische Gegner

Von Christoph Nepram, Delhi *

In Myanmar, dem früheren Burma, gab es in den vergangenen Tagen zum Teil gewalttätige Demonstrationen gegen die regierenden Militärs. Auslöser waren massive Preissteigerungen.

Brennende Autos, zerstörte Geschäfte, Soldaten als Geiseln: Szenen wie diese gab es in Myanmar seit Jahren nicht mehr. In zahlreichen Städten des südasiatischen Landes gingen in den vergangenen Tagen hunderte Menschen auf die Straßen. Zunächst friedlich protestierten sie gegen die Erhöhung der Preise für Gas und Benzin um das Fünffache. Auch buddhistische Mönche schlossen sich den Demonstrationen an. Auf die ersten Bürgerproteste reagierte das Regime noch zurückhaltend. Als das Militär wenig später jedoch zugriff, eskalierte die Lage.

In der Klosterstadt Pakokku, rund 500 Kilometer nördlich von Yangon (Rangun), lösten die Sicherheitskräfte eine Demonstration von mehreren hundert Mönchen auf. Augenzeugen berichteten, Schlägertrupps hätten anschließend Jagd auf die Flüchtenden gemacht. Einen Tag später tauchte Militär im Mahavithutarama-Kloster auf, um die Mönche von weiteren Aktionen abzubringen. Damit war das Maß voll. Die Klosterbrüder nahmen vorübergehend mehrere Soldaten als Geiseln, steckten deren Fahrzeuge in Brand und forderten die Freilassung der Inhaftierten. Mindestens 50 Mönche seien mit Steinen bewaffnet gewesen, berichtete die staatliche Zeitung »Neues Licht von Myanmar«, die die Proteste bis dahin totgeschwiegen hatte. Doch damit nicht genug. In der folgenden Nacht, stürmten Mönche Wohnungen und Geschäfte prominenter Regierungsvertreter.

Der politische Einsatz buddhistischer Mönche hat Tradition in Myanmar. Sie spielten im Unabhängigkeitskampf 1948 gegen Großbritannien eine wichtige Rolle. Auch nach dem Militär-Putsch von 1962 setzten sich Mönche zur Wehr. Bei den pro-demokratischen Protesten 1988 standen sie in der ersten Reihe. Tausende kamen damals ums Leben.

Über die Auswirkungen der jüngsten Proteste gibt es unterschiedliche Meinungen. Der in Thailand ansässige Myanmar-Experte Win Min misst dem Aufstand der Mönche große Bedeutung zu. Er könnte Auslöser einer neuen Protestwelle gegen die Junta sein. »Nach dem Militär ist die buddhistische Mönchsgemeinschaft die am besten organisierte Institution.« Weit weniger optimistisch ist Suhas Chakma, Direktor des Asiatischen Zentrums für Menschenrechte in Delhi. »Die Proteste stellen für das Regime keine Gefahr dar«, betonte er im ND-Gespräch. »Denn sie waren in erster Linie ökonomisch und nicht politisch motiviert.« Der Ruf nach Demokratie sei zwar laut geworden, habe aber nie im Vordergrund gestanden. Gleichwohl seien die Generäle aufgeschreckt. Daher werde sich der Druck auf die Opposition weiter verschärfen.

Für diese These sprechen die jüngsten Berichte. Das Regime kündigte ein hartes Durchgreifen gegen Kritiker an. In ganzseitigen Anzeigen wurden »subversive Gruppen« sowie die größte Oppositionspartei, die Nationale Liga für Demokratie von Aung San Suu Kyi, für die Proteste verantwortlich gemacht. Die Friedensnobelpreisträgerin lebt seit Jahren als politische Gefangene unter Hausarrest. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden bereits Dissidenten verhaftet und gefoltert.

Trotz zum Teil heftiger Kritik aus dem Ausland sitzen die Militärs weiter fest im Sattel. »Die mächtigen Nachbarn China und Indien stützen das Regime«, sagt Suhas Chakma. Peking unterhalte traditionell gute Beziehungen zum Regime. Und auch Delhi leiste seit Jahren massive Militärhilfe, damit die Junta gegen indische Rebellen vorgeht, die ihre Stützpunkte in Myanmar haben, weiß Chakma. »Demokratie und Menschenrechte werden wirtschaftlichen und strategischen Interessen geopfert.« Daran änderten auch die Proteste der Mönche nichts.

* Aus: Neues Deutschland, 13. September 2007


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