"Morgenröte" für solidarischen Handel

Panamerikanisches Bündnis ALBA konferiert in Havanna über Ausweitung der Zusammenarbeit

Von Maxim Graubner, amerika21.de *

Am Donnerstag abend (Ortszeit) hat in der kubanischen Hauptstadt Havanna das zweite Treffen des Ministerrates der »Bolivarischen Alternative für Amerika« begonnen. An dem Gipfel des Regionalbündnisses nahmen Diplomaten und Vizeaußenminister der Mitgliedsländer Venezuela, Bolivien, Kuba und Nicaragua teil. Die ALBA dient dem Ziel, eine Alternative zu dem neoliberalen Freihandel zu fördern, mit dem die USA in den Süden des amerikanischen Kontinents drängen.

Auf dem Treffen in Havanna soll über die Fortführung und Ausdehnung bisheriger Kooperationsprojekte beraten werden. Auf der Agenda steht auch die geplante Zusammenarbeit in neuen Bereichen. Dazu wird während des mehrtägigen Treffens in Havanna unter anderem über die Gründung gemeinsamer Wirtschaftsunternehmen beraten, vor allem in der Rohstoffbranche. Außerdem wollen die Teilnehmer laufende Alphabetisierungsprogramme auf ganz Lateinamerika und die Karibik ausweiten. Zugute kommen ihnen dabei die Erfahrungen aus Kuba und Venezuela, wo das Problem des Analphabetismus im Vergleich zu anderen Ländern der Region kaum noch besteht.

Weitere Projekte beziehen sich auf die Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich, vor allem bei der Medikamentenverteilung. Im Rahmen der Wissenschafts- und Technologiekooperation sollen Forschungszentren errichtet, im Ernährungsbereich der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft verstärkt und im Verkehr mit der Schaffung eines gemeinsamen Lufttransportunternehmens begonnen werden. Die kulturellen Kontakte will man mit dem Aufbau von Kulturzentren, sogenannten Alba-Häusern, in lateinamerikanischen und karibischen Großstädten fördern.

Auch die Fortführung der Institutionalisierung von ALBA steht auf dem Programm. Dabei geht es vor allem um die Bildung eines gemeinsamen Sekretariats. Die Zusammenkunft soll den eingeschlagenen Weg seit dem letzten Gipfeltreffen der Präsidenten der Mitgliedsstaaten im vergangenen April im venezolanischen Barquisimeto fortsetzen. Dort hatten die Staatschefs bereits den Grundstein für eine festere Struktur des Bündnisses gelegt.

ALBA – das Akronym steht zugleich für das spanische Wort für Morgenröte – geht auf die Initiative des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zurück. Auf dem III. Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Karibik hatte er das Vorhaben Ende 2001 vorgestellt. Drei Jahre später wurde ALBA mit umfassenden Abkommen zwischen Caracas und Havanna formell ins Leben gerufen.

* Aus: junge Welt, 22. September 2007


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