Kongogold im Blick der Börsianer

EU-Truppe probt kriegerische Auseinandersetzungen im zentralafrikanischen Land

Von Raoul Wilsterer *

Der kongolesische Zaungast zeigte sich beeindruckt. »Das beruhigt enorm, diese Truppenvorführung zu sehen.« Die »Kräftedemonstration« seitens der EUFOR DR Congo am Montag hatte es in der Tat in sich. Öffentlichkeitswirksam seilten sich nahe Kinshasa französische und portugiesische Fallschirmjäger der insgesamt 2000köpfigen europäischen Interventionsstruppe aus einem Transporthubschrauber vom Typ Cougar ab. Sie nahmen blitzschnell Position ein, »neutralisierten« – so die Agentur AFP – vorgebliche Kidnapper und befreiten die «Geiseln» aus einem Bus. Gleich anschließend transportierte der Helikopter die Soldaten und die «Geretteten», die in Dreiertrauben an Seilen hingen, 200 Meter weiter in eine «Sicherheitszone». Nach zehn Minuten war der Spuk vorbei.

Wenige Tage vor den für den 30. Juli geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Kongo präsentierten auch einige der insgesamt fast 800 Deutschen im EU-Kontingent ihre kriegerischen Qualitäten. Die Männer vom 263. Fallschirmjägerbataillon in Zweibrücken überzeugten mit einer sanften Punktlandung nach einem Absprung aus 1400 Metern Höhe. «Diese Spezialtruppen können bei Tag und bei Nacht aus 4000 Metern Höhe unauffällig und mit 40 Kilogramm Ausrüstung in einem Einsatzgebiet landen«, erklärt Henning Bess, der Stellvertreter von Christian Damay, dem Kommandeur der EUFOR-Truppe vor Ort. Die fremden Legionäre benutzten das zentralafrikanische Land als ihren Truppenübungsplatz und zeigten, was sie alles zum Einsatz bringen können, wenn nötig: gepanzerte Fahrzeuge aus Deutschland und Spanien, Granatwerfer und panzerbrechende Raketen, ein Transportflugzeug vom Typ Herkules C-130 aus Italien sowie Drohnen aus Belgien, die pausenlos Bilder von der Situation am Boden übermitteln können.

Während AFP den anonymen kongolesischen Zaungast noch einmal schwärmen ließ, er wünsche sich, »daß die europäischen Soldaten möglichst häufig in den Straßen Kinshasas zu sehen sein werden«, beendete Springers Welt in ihrem Leitartikel am Montag jegliche »Blauhelm-Romantik«. Sei es im Kongo, sei es in Afghanistan, nunmehr gelte: »Wenn die Taliban weiter Bundeswehrsoldaten angreifen, wird es nicht mehr reichen, einige Gewehrschüsse abzugeben. Weite Räume müssen gesichert und frei von Terroristen gehhalten werden.« Und finanzen.net, das Internetportal für Aktiennachrichten und Börsenberichte, benannte das eigentliche Ziel nunmehr angesagter Befreiung von »Terroristen«. In der »Goldinvest-Kolumne« (17.7.) wurde gefordert, daß von den militärischen Kosten »über die Börsen etwas zurückfließen« muß.

Die Invester wagten eine klare Prognose: »Prügelknabe Kongo könnte zur Schatzkammer für Spekulanten werden.« Und sie fragten: »Was sollen also diese Unkenrufe, der Bundeswehreinsatz sei ›konzeptionell nicht durchdacht‹«. Ihre Empfehlung: »Es wäre also durchaus legitim, noch vor den Wahlen in entsprechende Aktien zu investieren.« Mit Hilfe der Bundeswehr – »und damit dem Einsatz deutscher Steuergelder« – sollte der Wahlprozeß erfolgreich über die Bühne gehen. Beste Bedingungen für »Investmentmöglichkeiten«. Zum Beispiel beim »Aufbau einer Bankeninfrastruktur«. Oder für »Großprojekte im Kupfer- oder Diamantensektor«. Oder für »Explorationsunternehmen, die nach den Lagerstätten von Diamanten, Gold, Uran, Öl, Zink, Nickel und Kobalt fahnden«.

Das alles gaben die Börsianer zum besten und wiesen dabei insbesondere auf die reichlichen Goldvorkommen im Nordosten hin. »Dort hat auch Moto Goldmines seine Vorkommen gefunden. Mittlerweile vermuten die Geologen um Chef Klaus Eckhof rund 20 Millionen Unzen Gold im Boden. Nicht weit entfernt hat auch AngloGold Ashanti ein Deposit mit zirka 1,2 Millionen Unzen Ressourcen gefunden. Auch die kleine in London gelistete Mwana Africa ist dort zu finden. Weiter im Süden konnte Banro eine Lagerstätte mit zirka acht Millionen Unzen Gold-Ressourcen ausmachen. Ganz im Südosten gehen die Vorkommen eher in Kupfer-Lagerstätten über. Der sogenannte Zentralafrikanische Kupfergürtel dürfte insgesamt mehr als 55 Millionen Tonnen Kupfer und bald vier Millionen Tonnen Kobalt beherbergen. Ein sehr interessantes Unternehmen, das dort seine Gebiete abgesteckt hat, ist TEAL Exploration & Mining. TEAL ist aus der Umstrukturierung von Anglovaal Mining, jetzt ARM, hervorgegangen. Die neue ARM besitzt an TEAL die Mehrheit.«

Der Finanzmarkt sondiert derzeit verstärkt, wenn nicht hektisch, seine Möglichkeiten und findet diese »im Süden des Landes mit Kupfer-Kobalt-Interessen« ebenso attraktiv wie im Südwesten mit »insbesondere Diamanten und wieder Gold für die Bergbaukonzerne«.

* Aus: junge Welt, 25. Juli 2006


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