Kongo - Bürgerkriegsland

Der Krieg - eine Katastrophe für Mensch und Tier

Auf die Hintergründe des Krieges im Kongo geht nachfolgender Artikel von Michael Birnbaum, Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, ein. Er erschien am 10. Juni 2000 unter dem Titel "200 Dollar für ein Kilo Elefantenfleisch - Der Bürgerkrieg im Kongo bringt Hunger und Elend über die Menschen - aus Angst vor den Kämpfen werden sie zu Wilderern". Hieraus die wichtigsten Passagen:

Unter dem Bürgerkrieg im Kongo leiden nicht nur die Menschen. Auch die Tiere haben Angst vor den Kampfhandlungen. Elefanten, Nashörner und Gazellen haben auf der Flucht vor den Auseinandersetzungen im Ost-Kongo bereits die Grenze nach Uganda überquert. An dieser Grenze werden zudem immer mehr Wilderer mit toten oder lebendigen Schimpansenbabies aufgegriffen. Wie die Nachrichtenagentur Ruandas unter Berufung auf amtliche Quellen aus Uganda weiter meldete, wurden in den vergangenen Tagen neun verletzte junge Schimpansen gerettet. Immer mehr Kongolesen bestellten aus Angst vor den Auseinandersetzungen ihre Felder nicht mehr. Sie gingen stattdessen in den Busch wildern, um Essen zu haben. Dabei werden auch Elefanten gejagt. Nach Angaben von Debbie Cox, die für eine Schimpansen-Schutzorganisation arbeitet, wird das Kilo Elefantenfleisch im Osten des Kongos inzwischen für 200 US-Dollar gehandelt.

Nachbarstaaten Ruanda und Uganda kämpfen gegen Kabila, Simbabwe, Angola und Namibia für Kabila

Der Bürgerkrieg, der im August 1998 wieder aufflammte, ist von der Weltöffentlichkeit weitgehend verdrängt worden. Die Nachbarländer Uganda und Ruanda unterstützen darin eine Revolte gegen Präsident Laurent Kabila. Kabila hatte als Rebellenchef 1997 den langjährigen zairischen Diktator Mobutu gestürzt. Dabei hatte er von Ruanda und Uganda massive Hilfestellung bekommen. Kaum an der Macht, löste Kabila aber sein Versprechen nicht ein, die Grenzgebiete zu Uganda und Ruanda von Rebellen gegen die jeweiligen Regierungen zu säubern. Stattdessen befreite er sich vor allem im militärischen Bereich von der Dominanz Ruandas. Deshalb förderten Ruanda und Uganda die neue Rebellion. Unterstützung erfährt Kabila in dem Krieg von Simbabwe, Angola und Namibia.
(Mugabe hat Anfang Juni begonnen seine Truppen aus dem Kongo zurückzuziehen. Offenbar braucht er sie zu Hause, um mit seinen innenpolitischen Gegnern fertig zu werden.)

Zwar gibt es längst ein Waffenstillstandsabkommen, das von allen beteiligten Seiten - auch den verschiedenen kongolesischen Rebellenbewegungen - im sambischen Lusaka unterzeichnet wurde. Aber kaum jemand hält sich daran. Selbst die eigentlich verbündeten beiden Invasionsarmeen aus Ruanda und Uganda kämpfen seit Wochen um die Vorherrschaft in der strategisch wichtigen Stadt Kisangani im Herzen des Kongos. Zum Einsatz der von den UN zugesagten Blauhelme ist es bisher noch nicht gekommen. Denn als Bedingung müssen die streitenden Parteien zumindest die Waffen ruhen lassen.

1,7 Millionen Tote

In den 22 Monaten des Bürgerkrieges sind nach Schätzungen der amerikanischen Organisation Internationales Rettungskomitee bislang mehr als 1,7 Millionen Menschen ums Leben gekommen. Dabei seien "nur" 200 000 Todesfälle direkt auf Kämpfe und Gewalt zurückzuführen, der Rest sei ein Resultat von Krankheiten und Hunger - alles Ursachen des Kriegs. Ähnlich dramatische Zahlen gab jetzt auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef bekannt. Nach dessen Angaben leben mehr als eine Million Menschen als Vertriebene im Kongo, angewiesen auf Hilfe von außen. Die Sterberate unter Kindern und Erwachsenen sei dramatisch gestiegen.
Michael Birnbaum
Aus: SZ, 10. 06. 2000

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