Kämpferisch

Timoschenko alias Rodrigo Londoño Echeverri ist der neue Anführer der FARC *

Militärische Kompetenz geht vor politische, könnte als Botschaft hinter der Ernennung des neuen Kommandeurs der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) verstanden werden. In einem auf ihrer Internetseite veröffentlichten Kommuniqué gab die linksgerichtete FARC bekannt, dass »Timoschenko« von ihrem »Sekretariat« zum Nachfolger des Anfang November getöteten Alfonso Cano bestimmt wurde. Damit wurde ein im Kampf erfahrener und in der Öffentlichkeit kaum bekannter Rebell an die Spitze der Guerilla-Organisation berufen.

Timoschenko, mit bürgerlichem Namen Rodrigo Londoño Echeverri, ist mit 52 Jahren das älteste Mitglied im siebenköpfigen Führungsorgan der FARC. In Anlehnung an den sowjetischen Marschall Semjon Timoschenko, der wichtige Rollen im Bürgerkrieg nach der Russischen Revolution und später gegen Nazi-Deutschland spielte, gab er sich offenbar seinen Namen. Vor der Kampfausbildung in Osteuropa studierte Timoschenko laut der Deutschen Presseagentur Medizin in Moskau.

Die Non-Profit-Organisation InSight Organized Crime in the Americas sieht Timoschenkos Bereitschaft zur Militanz in seinen ersten Kampferfahrungen begründet. In Antioquia, wo Timoschenko Anfang der 1980er Jahre zur FARC kam, verübten rechtsgerichtete Paramilitärs Massaker an FARC-Mitgliedern, ohne dass die staatlichen Sicherheitskräfte eingegriffen hätten.

Beobachter gehen davon aus, dass die Ernennung von Timoschenko keine Kursänderung der FARC bedeutet. Im Kommuniqué heißt es, dass »der Widerstand der Aufständischen« aufrecht erhalten werden soll. Man wolle »auf der Suche nach einer politischen Lösung bestehen, bis ein demokratischer Frieden mit Würde und sozialer Gerechtigkeit erreicht« sei.

Timoschenko lebt nach Angaben der kolumbianischen Sicherheitsbehörden seit Jahren in Venezuela. Geschützt werde er von 250 Bodyguards und vielen Spionen bei den Sicherheitskräften und in der Regierung. Der kolumbianische Innenminister, German Vargas Lleras, erklärte Timoschenko am Mittwoch zum Staatsfeind Nummer eins. Damit droht ihm ein ähnliches Schicksal wie zuletzt Cano. Katja Herzberg

* Aus: neues deutschland, 18. November 2011


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