Wohin des Weges, Kamerun?

Öl, Folter, Korruption und IWF - da bleibt nicht viel

Kamerun, ein Land mit ungefähr 14 Millionen EinwohnerInnen, ist das einzige afrikanische Land mit zwei offiziellen Amtssprachen: englisch, das im früheren britischen Mandatsgebiet im Westen gesprochen wird und französisch, im restlichen Land. Daraus ergibt sich logischerweise, daß das heutige Kamerun ein ehemaliges Kolonialland war. Die erste Kolonialisierung fand 1884 durch das Deutsche Reich statt und wurde nach dem ersten Weltkrieg unter Frankreich und England aufgeteilt. Eine umfassende Exportorientierung der Wirtschaftsgüter Kaffee, Baumwolle und Erdnüsse war eine Folge.

Während die Briten ihren Mandatsteil recht locker verwalteten, in dem "native authorities" ein hohes Maß an Eigenverantwortung hatten, ging es im französischen Mandatsteil sehr autoritär zu: die Verwaltung wurde zentralisiert und es wurde eine Zweiklassengesellschaft in Bürger und Indigene erschaffen.

In der Zeit des zweiten Weltkriegs wurde die Mandatsherrschaft beendet. Es folgte eine Periode der französischen Treuhand (1946-1957). 1959 trat dann die Unabhängigkeit Kameruns ein, British Nordkamerun wurde an Nigeria angegliedert, British Südkamerun bildet mit den damaligen Bundesländern West- und Ostkamerun die heutige Bundesrepublik Kamerun.

Zur wirtschaftlichen Situation ist zu sagen, daß Kamerun seine Erfolgsjahre in den 70er und 80er durch vorhandene Öleinkommen hatte. Diese wurden aber praktisch vollständig annulliert. 1988 mußte Kamerun ein erstes Strukturanpassungsprogramm mit dem IWF unterzeichnen. Nur eine kleine Staatsklasse profitiert enorm von den Vermögenswerten. Das Bruttosozialprodukt lag 1996 bei 610 US$ pro Einwohner. Kamerun ist ein Agrarstaat. Hauptexportgüter sind nach wie vor Erdöl, Kaffee, Holz und Kakao. Der größte Teil davon wird nach Frankreich ausgeführt. Dadurch verstärken sich die neokolonialistischen wirtschaftlichen Abhängigkeiten von Frankreich.

Hauptstadt von Kamerun ist Yaounde, auch der heutige Sitz es Präsidenten namens Paul Biya. Dieser trat 1982 verfassungsgemäß als Premierminister - ohne Volkswahl! - die Nachfolge von Ahidjo an. 1984 ließ sich Biya mit 99,9 Prozent der Stimmen zum Präsidenten wählen. In seiner bisherigen politischen Ära gab es immer wieder gewalttätige Niederschlagungen von oppositionellen Aktionen. Auch gibt es keine absolute Pressefreiheit. So mußte zum Beispiel die Zeitung Generation eingestellt werden. Immer wieder werden Journalisten oder Oppositionelle inhaftiert. Die Haftbedingungen in dem Gefängnis von Yaounde sind grausam: völlig unzureichende Verpflegung, unhygienische sanitäre Einrichtungen und mangelnde medizinische Versorgung führen zu einer hohen Sterblichkeitsrate. Gerichte verhängen auch weiterhin die Todesstrafe. Die Lebenserwartung der Kameruner liegt bei ungefähr 56 Jahren.

Ein Beispiel zu der desolaten politischen und sozialen Situation gibt folgendes:
Erst im Dezember 2000 wurde ein Massengrab mit 36 Toten in der Nähe von Douala entdeckt. Laut Angaben von amnesty international ist die Zahl der Toten und Verschwundenen seit April 2000 erheblich gestiegen. Die Regierung und die Sicherheitskräfte waren bisher noch nicht in der Lage, die Ursachen und Umstände dieser getöteten Personen aufzudecken. Der Regierungsminister verneint sämtliche Behauptungen hinsichtlich der Existenz eines Massengrabs. Amnesty international plädiert dafür, daß die Regierung sofort etwas unternehmen muß, um die Kontrolle über ihre Sicherheitskräfte zurück zu gewinnen, die Folter zu beenden und das Leben aller Bürger zu schützen.

Kamerun gilt als eines der korruptesten Länder weltweit. Der im Sommer vergangenen Jahres zugesagte Kredit der Weltbank für das größte unterirdisch verlaufene Ölpipelineprojekt Afrikas in Tschad-Kamerun hat bereits für erneute Proteste seit Beginn der Installation gesorgt: so hat der tschadische Präsident Deby ein Teil der ersten Einnahmen des Ölprojekts in seine privaten Taschen gesteckt, bzw. damit Waffenkäufe zur Unterstützung des Militärs im Tschad getätigt. Dies Projekt, welches seit drei Jahren von Menschenrechts- und Umweltgruppen kritisiert und bekämpft wird, sollte nach Angaben der Weltbank insbesondere die Armut in beiden Ländern vermindern und die Bereiche Erziehung und Gesundheit fördern. Nach diesen ersten Ergebnissen scheinen sich die Befürchtungen der Menschenrechts- und Umweltgruppen, daß das Projekt die Korruption verstärken wird, traditionelle Lebensweisen einheimischer Gruppen und Vernichtung der Regenwälder durch die Ölförderung und den Bau der Pipeline zerstören wird, zu bewahrheiten.

Bleibt für Kamerun zu hoffen, daß das Projekt durch Monitoring und Kontrollinstanzen internationaler Organisationen doch den erhofften Erfolg erreichen wird und sich dadurch eventuell die politische und soziale Situation für die Bevölkerung verbessert.
Sabine Meißner

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