Mordserie in El Salvador

Umweltaktivisten erschossen. Hintergrund: Widerstand gegen Bergbauprojekt

Von Darius Ossami *

Zwei Mordanschläge beunruhigen derzeit verschiedene soziale Organisationen und Umweltgruppen in der salvadorianschen Provinz Cabañas. Dort wurden am 26. Dezember vergangenen Jahres drei Menschen erschossen und zwei Kinder verletzt. Bei zwei der Getöteten handelte es sich um Aktivisten des Umweltkomitees von Cabañas, und inzwischen fordert -neben den Basisinitiativen - auch die in San Salvador regierende ehemalige Befreiungsbewegung FMLN (Frente Farabundo Marti) die Aufklärung der Verbrechen.

Eines der Opfer ist die 32jährige Dora Sorto Recinos. Auf die hochschwangere »Alicia«, wie sie von Freunden genannt wurde, wurde im Bezirk Trinidad in der Nähe der Provinzhauptstadt Sensuntepeque von Unbekannten geschossen. Ihr zwei Jahre alter Sohn, den sie auf dem Arm trug, erhielt einen Schuß in den Fuß.

Sorto Recinos war, ebenso wie ihr Lebensgefährte José Santos Rodríguez, Aktivistin des Umweltkomitees Cabañas (CAC). Das Comité Ambiental de Cabañas vertitt 26 Gemeinden der Region. Ein in Cabañas geplantes Bergbauprojekt wird von ihm entschieden abgelehnt.

Es wird vermutet, daß der Anschlag auf Dora Sorto Recinos ihrem Gefährten galt: Santos gilt als einer der Hauptzeugen des Mordes an Ramiro Rivera Gómez. Dieser war am 20.Dezember von, wie vermutet wird, Auftragskillern auf einer Landstraße erschossen worden. Mit ihm starb seine Nachbarin; ein 13jähriges Mädchen überlebte schwerverletzt. Ermittler der Polizei würden die Fälle untersuchen, erklärte der stellvertretende Polizeidirektor Augusto Cotto. Der stellvertretende CAC-Vorsitzende Rivera Gómez stand unter Polizeischutz. Doch da es sich um mindestens fünf Attentäter gehandelt habe, so Cotto, hätten sich dessen Personenschützer im »Nachteil« befunden; auch seien sie schlechter bewaffnet gewesen.

Der Polizeischutz war angeordnet worden, nachdem Rivera Gómez ein Attentat im August nur knapp überlebt hatte. Er war damals von acht Kugeln getroffen worden. Als einer der Angreifer wurde sein Nachbar Oscar Menjívar identifiziert, der seitdem in Haft sitzt. Im Februar soll diesem der Prozeß gemacht werden, weshalb vermutet wird, daß Zeugen rechtzeitig beseitigt werden sollen. Bereits im Juni 2009 war das FMLN-Mitglied Gustavo Marcelo Rivera, Begründer der Umweltorganisation Asociación Amigos de San Isidro Cabañas (ASIC), gefoltert und ermordet worden - ein Zusammenhang zu dessen Engagement gegen eine geplante Goldmine des kanadischen Unternehmens Pacific Rim drängte sich auf.

Der Konzern hatte nach Protesten der Bevölkerung seine Probebohrungen einstellen müssen, woraufhin er den Staat El Salvador auf Schadensersatz in Höhe von 77 Millionen Dollar verklagte. Inzwischen liegen Aussagen von Nachbarn des in Haft sitzenden Menjívar vor, wonach dieser als »Promoter« von Pacific Rim bezahlt worden sei. Die Firma bestreitet dies selbstredend.

Die landesweite Koalition gegen den Bergbau hat in einem Kommuniqué die jüngsten Morde scharf verurteilt. Der nun schon dritte Mord demonstriere die Gefahr für in der Umweltschutzbewegung Engagierte. »All diese Verbrechen sind nicht bestraft worden, was weitere Morde zur Folge haben kann«, erklärte nun CAC-Vorsitzender Francisco Pineda. Er forderte von den Behörden, auch gegen Abgeordnete, Bürgermeister und Einzelpersonen zu ermitteln.

* Aus: junge Welt, 11. Januar 2010


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