Mitglied Nummer acht

Correa bestätigt Chávez-Ankündigung: Ecuador tritt der ALBA bei

Von André Scheer *

Ecuadors Präsident Rafael Correa hat offiziell angekündigt, daß sein Land am 24. Juni bei einem außerordentlichen Gipfeltreffen in Venezuela Mitglied der Bolivarischen Alternative für die Völker Unseres Amerika (ALBA) werden wird. Damit bestätigte er eine Ankündigung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez vom vergangenen Mittwoch (3. Juni) in Caracas. In den bürgerlichen Medien Ecuadors hatte diese für Kritik gesorgt. Kommentatoren forderten von der Regierung in Quito einen Protest gegen die »Einmischung in die inneren Angelegenheiten« des Landes.

Ohne den Vorstoß von Chávez zu kommentieren, hob Correa hingegen den »anderen Geist« hervor, der in ­ALBA herrsche: »Wir müssen diese rein auf den Handel reduzierte Sichtweise der Integration überwinden, damit wir uns gegenseitig unterstützen und gemeinsame Energieprojekte sowie einen Handel entwickeln können, der unserer Zukunft und nicht der neoliberalen Konkurrenz dient.« Ecuador wird neben Kuba, Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Honduras, San Vicente und den Grenadinen sowie Dominica das nunmehr achte Mitglied der antiimperialistisch orientierten Staatengemeinschaft sein.

In der Vergangenheit nahm Ecuador bereits regelmäßig als Beobachter an den Zusammenkünften der ALBA teil, hatte jedoch mehrfach eine Vollmitgliedschaft abgelehnt und eine festere Struktur der Gemeinschaft gefordert. Diese sei auf politischer Ebene mittlerweile erreicht worden, sagte Correa und verwies auf den von den ALBA-Staaten mit Unterstützung seines Landes und Paraguays eingebrachten Antrag auf bedingungslose Aufhebung des Ausschlusses von Kuba aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), der in der vergangenen Woche während der Generalversammlung der Gruppe in Honduras per Akklamation verabschiedet worden war.

Auch auf wirtschaftlicher Ebene sei die Konsolidierung der Gemeinschaft beachtlich, betonte Correa. So beteilige sich Ecuador an dem von ALBA betriebenen neuen lateinamerikanischen Währungssystem »Sucre«, durch das der Handel zwischen den Ländern der Region beschleunigt und vereinfacht werde, weil diese nicht mehr auf fremde Währungen zurückgreifen müssen. Im speziellen Fall Ecuadors hat diese zunächst nur virtuelle Gemeinschaftswährung noch eine besondere Bedeutung, da im Januar 2000 unter dem damaligen Präsidenten Jamil Mahuad die Landeswährung -- die ebenfalls Sucre hieß -- abgeschafft und der US-Dollar als einzige im Lande gebräuchliche Währung eingeführt wurde.

Die Bolivarische Alternative war im Dezember 2004 zunächst nur von Kuba und Venezuela gegründet worden und stellte ein Gegenprojekt zur von den USA betriebenen Amerikanischen Freihandelszone ALCA dar. Nach dem Amtsantritt von Evo Morales als Präsident von Bolivien trat der Andenstaat 2006 der nun um einen »Handelsvertrag der Völker« erweiterten Gemeinschaft bei, es folgten 2007 Nicaragua und 2008 -- nach einer politischen Linkswende des liberalen Präsidenten Manuel Zelaya -- Honduras.

* Aus: junge Welt, 8. Juni 2009


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