"Mit China aufsteigen oder untergehen"

Die Asien-Reise von US-Außenministerin Hillary Clinton endete mit einem Besuch in Peking

Von Dmitri Kossyrew *

Das war der wichtigste Teil der Reise, der alle Prognosen bestätigte: Die USA schlagen China einen tief greifenden Wandel in den Beziehungen vor.

Von Clintons Äußerungen in Peking sind ihre Worte im Dragon TV am bekanntesten. Dem chinesischen TV-Sender sagte sie: "Die Realität macht es für China zu einem Imperativ", Obligationen der US-Staatsschulden zu kaufen (die das Gros von Chinas Devisenreserven ausmachen).

Clinton forderte China auf, auf diese Weise den US-Haushalt weiter zu finanzieren, denn Amerika muss derzeit seine Wirtschaft stimulieren, damit die Chinesen ihren Export auf den US-Markt erneut beschleunigen.

Die Stimuli aber heißen Schulden, darunter die gegenüber den Chinesen. "Die Chinesen erkennen unsere gegenseitige Abhängigkeit", sagte die US-Außenministerin. "Wir werden zusammen aufsteigen oder untergehen."

Die Rede ist von dem System der gegenseitigen Abhängigkeit, das bereits unter Präsident Bill Clinton entstand und unter Bush bereits deutliche Konturen annahm. Heute geht es um 700 Milliarden Dollar. Genau diese Summe schulden die Vereinigten Staaten der Volksrepublik China.

Bereits seit einigen Jahren bezeichnet man die Weltwirtschaft als einen "chinesisch-amerikanischen Pakt", dem zufolge China sich dank den US-Investitionen in seine Produktionsstätten billige Exporte in die USA (und die ganze Welt) leisten konnte.

Jetzt ist dieses System zusammengebrochen, aber die neuen Regeln auf dem Finanzmarkt müssten die USA und China gemeinsam ausarbeiten, während der Rest sie einfach hinnehmen muss. In diesem Sinne werden die zur Zeit in den USA gehandelten Ideen einer "amerikanisch-chinesischen Weltlenkung" gebraucht.

Deshalb sind die chinesischen Experten nicht übermäßig von den Reden Clintons begeistert und legen leidenschaftslos die jüngsten Angaben des Internationalen Währungsfonds vor.

2003 machte das Bruttoinlandsprodukt der USA 32 Prozent und das der Staaten mit hohem Wirtschaftswachstum (China, Indien, Russland, Brasilien und noch einige andere) 25 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus. Im vergangenen Jahr hatten sich die Zahlen verschoben: 25 Prozent entfielen auf die USA, 32 Prozent auf die "in der Entwicklung begriffenen" Staaten.

Eine multipolare Welt sei Wirklichkeit geworden, schreibt die chinesische Tageszeitung "Renmin Ribao". Bushs Politik sei nur der krampfhafte und gewaltsame Versuch gewesen, das Unvermeidliche abzuwenden.

Wenn aber statt einer erneuten Konfrontation beider Supermächte, in der China die Stelle der Sowjetunion einnehmen würde, eine Zusammenarbeit vorgezogen wird, dann müssen die USA auf ihre Erwägungen und Illusionen aus den vergangenen Zeiten verzichten. Genau daran ist Hillary Clinton bei ihrer Reise nach Asien gegangen, wobei sie beiläufig sagte: Gewiss werde sie bei den Verhandlungen in Peking die Frage nach den Menschenrechten aufwerfen, doch "wissen wir ganz genau, was sie darauf antworten werden".

Neben dem moralischen hat die Sache einen weiteren Aspekt. Für die Menschenrechte im Ausland kämpft in den USA eine milliardenschwere Industrie, in der sich Geld und Enthusiasmus, Ideologie und die übliche Subversionspolitik verflochten haben.

Die Methoden sind bekannt. Washington setzt auf die proamerikanische Opposition in zahlreichen Staaten oder baut sie auf, verkündet sie zum einzigen Verfechter von Rechten und Freiheiten und leistet offen Hilfe.

Es handelt sich also um den Unterhalt des weltweit mächtigsten Subversionsapparats - nach dem Ebenbild der Komintern (Kommunistische Internationale), die zwischen den beiden Weltkriegen in der ganzen Welt kommunistische Organisationen ins Leben rief.

Diese Maschinerie löst die Feindseligkeit gegenüber den USA aus, überdies ist sie viel zu teuer und heutzutage offensichtlich unnütz.

Wenn die USA stark bleiben wollen, um "die Welt gemeinsam mit China zu lenken" oder in dieser Welt überhaupt zu überleben, so musste jemand früher oder später das sagen, was jetzt Hillary Clinton verkündete.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

* Aus: Russische Nachrichtenagentur RIA Novosti, 25. Februar 2009; http://de.rian.ru



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