Neues Gesicht für Studentenbewegung

Camila Vallejo unterliegt bei Wahl an chilenischer Universität knapp anderem linken Kandidaten

Von Santiago Baez *

An der Spitze der Studentenvertretung der Universität von Chile, der größten und einflußreichsten Hochschule des südamerikanischen Landes, gibt es einen Wechsel. Wie die Wahlkommission des Studentenverbandes FECH am Mittwoch mitteilte, wird künftig Gabriel Boric von der Liste »Linke schaffen« den Vorsitz der Vertretung übernehmen und dürfte damit zur neuen Führungsfigur der chilenischen Studentenbewegung werden.

Vizepräsidentin wird Camila Vallejo, deren »Studentische Linke« nur rund 180 Stimmen hinter dem Wahlgewinner ins Ziel kam. Vallejo hatte die FECH bis vor wenigen Wochen geführt und war als Gesicht der Bewegung international bekannt geworden. Vor Beginn des Wahlkampfs hatte sie den Vorsitz aus »Transparenzgründen« abgegeben. Beide führenden Listen werden zudem jeweils einen weiteren Vertreter in den Vorstand der FECH entsenden, hinzu kommt ein Vertreter der drittplazierten Liste »Kämpfen, die Volksuniversität schaffen«. Offen rechte Listen blieben chancenlos.

In der FECH sind, vergleichbar mit der verfaßten Studierendenschaft in Deutschland, alle Kommilitonen der Universität von Chile organisiert. Aufgrund ihrer Größe und Bedeutung auch für die anderen Hochschulen des Landes hat die Organisation entscheidenden Einfluß auf die Protestbewegung in Chile, die seit Monaten gegen die Bildungspolitik der Regierung auf die Straße geht. Überregional ist sie mit den ähnlich organisierten Vertretungen anderer Hochschulen in der Konföderation der Studenten Chiles (CONFECH) zusammengeschlossen.

Unterdessen haben die Oppositionsparteien im Parlament Pläne der Regierung von Staatschef Sebastián Piñera zurückgewiesen, die Verwaltung der öffentlichen Schulen den lokalen Verwaltungen zu entziehen und auf regionaler Ebene zu zentralisieren. Die Vorsitzende der chilenischen Elternvereinigung, Dafne Concha, kritisierte, bei dem Vorschlag der Regierung handele es sich um eine »versteckte Privatisierung« der öffentlichen Schulen. Auch das Bündnis »Sozialer Bildungstisch« befürchtet, daß das neue Gesetz »das Gewinnstreben in diesem Bereich institutionalisiert«.

* Aus: junge Welt, 8. Dezember 2011


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