Bekenntnisse trotz Störfällen

Australische Atomdebatte gewinnt mit jüngsten Meldungen aus Japan wieder an Fahrt

Von Thomas Berger *

Die Reaktorprobleme in Japan infolge des Erdbebens haben wie in vielen anderen Ländern auch in Australien zu einer Neuauflage der Atomdebatte geführt.

Kategorisch lehnen nur die australischen Grünen den Einsatz von Nuklearenergie ab. In den beiden dominierenden Parteien sind die Meinungen nach wie vor gespalten: Während bei der regierenden sozialdemokratischen Labor Party (ALP) Gegner und Skeptiker in der Mehrheit sind, präsentiert sich die größte bürgerliche Oppositionskraft Liberal Party gespalten. Vizeparteichefin Julie Bishop preschte am Montag mit einem klaren Statement zur Unterstützung der Atomkraft vor. »Natürlich müssen wir im Angesicht der aktuellen Krise in Japan die Sicherheitsmechanismen einer Prüfung unterziehen. Allerdings bleibt Nuklearenergie derzeit die einzige Technologie mit wenig Schadstoffausstoß, welche die benötigte konstante Energieversorgung für die großen Städte und die Industrie sicherstellen kann«, sagte die Politikerin gegenüber der Presse. »Wenn wir die Kohlendioxidemissionen im globalen Maßstab senken wollen, kommen wir um die Atomkraft nicht herum.«

Nicht einmal im eigenen politischen Lager ist man besonders glücklich mit einem solch überschwänglichen Bekenntnis zu einer Technologie, deren Risiken gerade in diesen Tagen in Japan mehr als je zuvor für jeden sichtbar zutage treten. »Die Koalition (Bündnis aus Liberal und National Party – d.Red.) hat keine Pläne, um Atomkraft zu promoten«, sah sich Oppositionsführer Tony Abbott wegen der Äußerung seiner Stellvertreterin zu einer Klarstellung genötigt.

So wie bei den Konservativen wird auch bei Labor parteiintern heftig gestritten. Paul Howes, Chef des Gewerkschaftsverbandes Australian Workers Union und eines der politischen Schwergewichte vom rechten Flügel, warnt davor, sich von den Problemen rund um die japanischen Reaktoren in Fukushima zu sehr beeindrucken zu lassen und eigene atomare Pläne dadurch zu revidieren. »Es wäre nicht gut, irgendwelche Optionen auszuschließen. Wir sollten ohne zu starke Emotionen auf das Thema blicken«, zitiert ihn die führende Tageszeitung »The Australian«. Demgegenüber fühlt sich der Sprecher des linken Parteiflügels im Parlament, Stephen Jones, durch die jüngsten Entwicklungen in seiner Skepsis bestärkt. Jones war in Japan, als sich das Beben ereignete und die Schäden in den Kernkraftwerken auslöste. »Es gibt eben keine absolute Sicherheit bei dieser Energieform«, das sei schon jetzt die Lehre aus den Ereignissen.

Bislang hat der fünfte Kontinent keine Atomreaktoren zur Energieerzeugung. Allerdings lagern in »Down Under« mit schätzungsweise 23 Prozent die größten Uranreserven der Welt. Im Geschäftsjahr 2009/2010 lagen die Exporte bei 7555 Tonnen, im Jahr zuvor waren es sogar mehr als 10 000 Tonnen. Im Zuge der Umstellung der eigenen Energieproduktion, die bislang vor allem auf Kohle setzt, wird immer wieder auch über Kernkraftwerke diskutiert.

* Aus: Neues Deutschland, 27. April 2011


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