Grüner Sieg ohne Verlierer

Holzfällergewerkschaft in Tasmanien für "historischen Kompromiss"

Von Thomas Berger *

Ein mehr als 30-jähriger Konflikt ist beigelegt: Im australischen Bundesstaat Tasmanien haben Holzfällergewerkschaft und Umweltschützer einen »historischen Kompromiss« erzielt.

Jahrelang waren Öko-Aktivisten sozusagen die natürlichen Feinde von Michael O'Connor. Dass er ihnen jetzt die Hand zur Versöhnung reicht, hat vonseiten des nationalen Sekretärs der Holzfällergewerkschaft CFMEU nichts mit Gefühlen, sondern mit bitterer Einsicht und Anerkennung der Realität zu tun. Denn was O'Connor demnächst noch intern auf allen Ebenen vermitteln muss: Ohne die als historisch gerühmte Vereinbarung mit den vormaligen Gegnern gebe es für die Branche keine Zukunft, würden noch mehr Stellen in der Holzindustrie abgebaut werden. Der Sektor steckt in der Krise, und die einzige Lösung aus Sicht des Gewerkschaftschefs sei es gewesen, sich mit den Umweltschützern an einen Tisch zu setzen.

Der Einschlag in den natürlichen Wäldern war in der Vergangenheit ohnehin dank stärkerer Schutzbemühungen auf politischer Ebene zurückgegangen. Der völlige Verzicht in Tasmanien ist landesweit bislang beispiellos: Die Branche verlegt sich demnach völlig auf die Holzgewinnung durch Plantagenwirtschaft. Wie weit diese in ihrem Umfang gegenüber dem derzeitigen Stand ausgeweitet werden kann, gehört allerdings zu einigen Details, wegen derer noch ein heftiges Tauziehen zwischen den Vertragsparteien zu erwarten ist.

Die Öko-Aktivisten haben allerdings Entgegenkommen signalisiert: »Dies ist eine einzigartige Möglichkeit, das Kriegsbeil zu begraben und eine nachhaltige Holzindustrie auf der Basis von Plantagen aufzubauen«, wird Don Henry, Chef der Australian Conservation Foundation, zitiert. Auch die Grünen, die in Tasmanien seinerzeit als erste grüne Partei weltweit gegründet wurden und den Kampf gegen den Holzeinschlag stets als eines ihrer Kernanliegen betrachteten, sehen den Kompromiss als Durchbruch an. Stellvertretend für Parteichef Bob Brown, der sich persönlich engagiert hatte, lobte seine Stellvertreterin Christine Mildne das Einlenken der Gewerkschaft. »Wir waren immer für Wege, den Arbeitern Alternativen aufzuzeigen, und sind überzeugt, dass die Umstellung den Beschäftigten, der Branche und der Gemeinschaft Vorteile bringt«, so die Senatorin.

Nun steht die Frage im Raum, ob und in welcher Form der »historische Kompromiss« auch als Vorbild für andere Bundesstaaten dienen kann. Tony Burke, Minister für Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der von den Grünen tolerierten Labor-Minderheitsregierung auf nationaler Ebene, ist zumindest skeptisch. Und Vertreter der Holzindustrie haben jedes Übertragen der Vereinbarung auf das Festland bereits kategorisch ausgeschlossen. Nachdem die Branchengewerkschaft aber schon in Tasmanien von der Seite der Industrie gewichen war, sieht die CFMEU durchaus eine Vorbildwirkung ihres Vorgehens auf der Insel. National gehe es um die Zukunft für 100 000 Australier, die in diesem Sektor beschäftigt sind, und dessen momentane Krise sei nicht auf die Insel an der Südostspitze beschränkt. Da auch die Basis noch im November der Tasmanien-Vereinbarung zustimmen muss, haben O'Connor und seine Kollegen noch auf mehreren Ebenen Überzeugungsarbeit zu leisten.

* Aus: Neues Deutschland, 1. November 2010


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