Australische Schnäppchen

Down Under im Griff der globalen Krise. Chinesische Investoren nutzen die Chance und kaufen sich bei großen Minengesellschaften ein

Von Thomas Berger *

Die Finanzkrise hat auch Gewinner. Gleich mehrfach kaufen sich derzeit chinesische Staatsunternehmen in den lukrativen Rohstoffsektor auf dem fünften Kontinent ein. Die australischen Bergbaukonzerne, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Down Under, sind durch eigene Geldknappheit gezwungen, auf die Offerten aus Peking einzugehen. Doch bei der Regierung in Canberra löst das aus strategischen Erwägungen nicht gerade Freude aus. Beim jüngsten Deal hat die Politik denn auch eine Neuverhandlung des ursprünglichen Vertrages erzwungen.

Für 1,2 Milliarden US-Dollar kauft die staatliche chinesische Firma Minmetals dem zweitgrößten Zinkförderer der Welt, Oz Minerals, einen Großteil seiner Minen ab. Der Deal sollte ursprünglich noch größer ausfallen, doch die australischen Behörden, die neben den Aktionären auch der jetzigen Vereinbarung noch zustimmen müssen, hatten zunächst ihr Veto eingelegt. Prominent Hill, eine große Förderstätte von Gold und Kupfer, ist nun gänzlich aus dem Vertragswerk gestrichen worden. Gegen deren angestrebten Verkauf hatte die Regierung Sicherheitsbedenken geltend gemacht -- angeblich liege sie nicht weit entfernt von einer militärischen Anlage.

Unter normalen Umständen wäre Oz Minerals ohnehin nicht so weit gegangen. Doch das Unternehmen hat Geld- und Finanzierungsprobleme. Die Teilübernahme der bisherigen Aktivitäten durch die chinesischen Investoren ermögliche dem Konzern, mit dem Erlös das Kerngeschäft zu retten und sich insgesamt wieder zu stabilisieren, hieß es. Vorstandschef Andrew Michelmore gab sich optimistisch, daß man mit dem Deal das Vertrauen der Anteilseigner zurückgewinnen und sich mittelfristig neu aufstellen könne: »Diese Transaktion, wenn umgesetzt, eröffnet eine komplette Lösung unserer finanziellen Schwierigkeiten.«

Allerdings ist der Oz-Minerals-Deal bei weitem nicht das größte Geschäft, bei dem Peking von den Problemen der australischen Bergbaubranche profitieren und als Retter in der Not agieren kann. Rio Tinto, einer der weltgrößten Minengiganten, hatte bereits vor einigen Wochen verkündet, daß Chinalco seinen Anteil am Unternehmen auf 18 Prozent ausweiten werde. Damit würde sich der Umfang der vom chinesischen Staatskonzern gehaltenen Aktien gegenüber dem derzeitigen Stand verdoppeln --nicht nur im bilateralen Verhältnis ein neuer Rekord, sondern zugleich die bisher größte Auslandsinvestition Chinas überhaupt.

Ähnlich wie Oz Minerals war Rio Tinto durch die Umstände zu dem Geschäft gezwungen. Die Gewinne im zurückliegenden Jahr waren um sieben Prozent auf neun Milliarden Dollar zurückgegangen. Dies allein wäre zwar noch kein Problem gewesen. Doch den Konzern drückt zugleich eine Schuldenlast von geschätzten 39 Milliarden US-Dollar -- frisches Kapital war daher dringend vonnöten, um Umstrukturierungen vorzunehmen und einen Teil der Verpflichtungen abbauen zu können.

Die Chinesen wiederum setzen darauf, sich derzeit relativ billig im rohstoffreichen Australien einkaufen zu können -- die Aktienkurse der Unternehmen haben deutlich an Wert verloren, und die einheimischen Bergbauriesen sind auf diese Finanzspritzen dringend angewiesen. Wenn sich die Gesamtwirtschaft und damit auch dieser Sektor wieder erholen sollte, haben Pekings Staatskonzerne einen Fuß in der Tür und die Konkurrenz abgehängt.

Die jüngsten statistischen Erhebungen zeigen, daß Australien ungeachtet eines milliardenschweren Konjunkturpaketes der Regierung (jW berichtete) von der Krise schwer gebeutelt ist. Die offizielle Arbeitslosenquote kletterte im März auf 5,7 Prozent. Das hört sich immer noch vergleichsweise wenig an, ist gegenüber den 5,2 Prozent im Vormonat aber der größte Anstieg in dieser Frist während der letzten 18 Jahre. Mehr als 50000 Australier haben zuletzt ihre Jobs verloren, insgesamt sind nun 650000 Erwerbsfähige ohne Arbeit. Während die Regierung in ihren Prognosen bis 2010 von einem Höchststand um die sieben Prozent ausgegangen war, machen inzwischen Expertenschätzungen von neun Prozent Arbeitslosen noch bis Ende dieses Jahres die Runde.

Aktuelle Meldungen untermauern diese düsteren Voraussagen. So hat die halbstaatliche Fluggesellschaft Qantas ihre Geschäftserwartungen für 2009 drastisch revidiert. Statt 500 Millionen Australien-Dollar (364 Millionen US-Dollar) Gewinn, beträgt die Zielmarke jetzt nur noch 100 bis 200 Millionen. Qantas geht es mit dem Negativtrend nicht anders als der globalen Konkurrenz in der Sparte, denn die Passagierzahlen sind allgemein rückläufig. 500 Stellen im Management sollen gestrichen werden, um Kosten zu senken. Bereits Ende 2008 war der Abbau von 90 Managerposten und 1500 weiterer Stellen angekündigt worden. Zusätzliche 1250 Mitarbeiter der Airline könnten demnächst ihren Job verlieren.

* Aus: junge Welt, 16. April 2009


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