FriedensJournal 4/2006 erschienen, 04.08.2006 (Friedensratschlag)
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Heft 4/2006 des FriedensJournals erschienen: "Deutsche Interessen weltweit"

Interessante Beiträge, Schwerpunkte und Hinweise - Editorial

Das "FriedensJournal" wird vom Bundesausschuss Friedensratschlag herausgegeben und erscheint (in der Regel) sechs Mal im Jahr. Das soeben erschienene Heft 4/2006 enthält eine Reihe interessanter Analysen und tagespolitische Artikel sowie Informationen über die Friedensbewegung. Im Folgenden dokumentieren wir das "Editorial" des Heftes (Autor: Horst Trapp) und das Inhaltsverzeichnis mit Links zu Artikeln, die auch auf unserer Website publiziert sind.



Editorial:

Eine Tragödie nicht nur für die Palästinenser

Felicia Langer, die israelische Schriftstellerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises forderte aus Anlass des Bushbesuchs in Deutschland erneut Solidarität mit den Palästinensern und der israelischen Friedenbewegung. Sie bedauerte, dass sich die Weltöffentlichkeit durch die Propaganda der israelischen Regierung in die Irre führen lässt. Wörtlich: „Leider, leider missbraucht Israel die Geschichte, und dieser Missbrauch hat bisher funktioniert“.

Felicia Langer verwies auf die Kompromissbereitschaft der Palästinenser, „wie sich das auch in dem 18-Punkte-Vorschlag der palästinensischen Gefangenen um Marwan Barghouti zeigt, dem jetzt die Hamas zugestimmt und damit Israel in seinem Existenzrecht de facto anerkannt hat. Sie sagen in diesem Papier: Wir sind bereit, auf nur 22 Prozent des historischen Palästina einen Staat zu gründen. Was bedeutet: Westbank, Gaza-Streifen, Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Ein Kompromissangebot, dem Umfragen zufolge eine Mehrheit der Palästinenser zustimmt. Auch der Chef der Hamas-Regierung, Ismail Hanija, hat bereits Ende Februar in einem Interview zu verstehen gegeben: er stimme der Formel - zwei Staaten, zwei Völker - zu. Wenn Israel erkläre, es wolle den Palästinensern einen Staat zugestehen und alle seine Rechte zurückgeben, dann werde Hamas Israel anerkennen. Das Problem ist also die israelische Politik, ist eine fast 40 Jahre dauernde, grausam kolonialistische Besatzung, unter der sich die Palästinenser in einer Apartheid ähnlichen Situation befinden“.

Felicia Langer fährt fort: „Derzeit tut Israel alles, damit die Situation außer Kontrolle gerät. Hamas hat über 15 Monate lang eine Waffenruhe eingehalten, während die israelische Armee in dieser Zeit ihre gezielten Tötungen, die in völkerrechtlicher Hinsicht Kriegsverbrechen sind, ungerührt fortsetzte, während die Zahl der Siedler unaufhörlich wuchs. Die israelische Regierung will nicht verhandeln. Sie will tun, was sie sich vorgenommen hat: Land nehmen, die Siedlungen erhalten, vollendete Tatsachen schaffen und den Palästinensern sagen, hier habt ihr ein Stück Land, nennt es, wenn ihr unbedingt wollt, euren Staat Palästina. Das ist ein Rezept für weitere Gewalt und weiteres Blutvergießen - eine Tragödie nicht nur für die Palästinenser, sondern auch für die Israelis“.

Mit der Situation im Nahen und Mittleren Osten werden wir uns in der nächsten Ausgabe weiter beschäftigen.

In der vorliegenden Ausgabe des FriedensJournal behandeln wir schwerpunktmäßig die weltweiten deutschen Interessen, womit natürlich die des Kapitals gemeint sind und die Jagd nach Erdöl aktuell und historisch nicht zu kurz kommt. Sehr informativ Lühr Henkens Beitrag zum Entwurf des Weißbuchs 2006, Paul Schäfer über die deutsche Iran – Politik, wie auch das Interview mit Bahman Nirumand ebenfalls zur aktuellen Iranpolitik. Joachim Guilliard verfolgt wohl informiert die Spuren der eskalierenden Gewalt im Irak. Auf ein anderes Thema lenkt Frieder Wagner unsere Aufmerksamkeit, auf das stille Sterben im Ergebnis der Anwendung von Uran – Munition. „Die bedrohlichen Reste der Uran – Geschosse bedrohen und verseuchen die Erde unserer Kinder überall dort, wo sie zum Einsatz kamen“. Leselust weckt Karl-Heinz Peils Buchbesprechung „Weltmacht Europa: Auf dem Weg in weltweite Kriege“, herausgegeben von Tobias Pflüger und Jürgen Wagner.

Wir wünschen kritische Lektüre, viele Vorschläge für die weiteren Ausgaben des FriedensJournal, Zahlung des Solipreises und die Gewinnung neuer Leserinnen und Leser.

Horst Trapp

Aus dem Inhalt:

  • Deutsche Interessen (Lühr Henken)
  • Was passiert im Iran? (Interview mit Bahman Nirumand)
  • Deutsche Iran-Politik (Paul Schäfer, MdB Linksfraktion)
  • Deutsche Traditionen: Jagd nach Öl (Dietrich Eichholtz)
  • Tödlicher Staub - Die Katastrophe des "stillen Sterbens" (Frieder Wagner)
  • Ross und Reiter. Spuren der eskalierenden Gewalt im Irak ... (Joachim Guilliard)
  • Weltmacht EUropa: Auf dem Weg in weltweite Kriege (Buchbesprechung)
  • Friedensratschlag auf neuen Wegen (Peter Strutynski)


Dieser Beitrag erschien in: FriedensJournal Nr. 4, Juli/August 2006

Das "FriedensJournal" wird vom Bundesausschuss Friedensratschlag herausgegeben und erscheint (in der Regel) sechs Mal im Jahr.
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