Friedensvorlesungen an der Uni Kassel, 13.11.2005 (Friedensratschlag)
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Recht des Stärkeren oder Stärke des Rechts?

Menschenrechte in der Welt(UN)Ordnung des 21. Jahrhunderts. Friedensvorlesungen 2005/2006 an der Uni Kassel

Auch im Wintersemester 2005/06 gibt es wieder eine Friedensvorlesungsreihe an der Universität Kassel, veranstaltet von der AG Friedensforschung.
Das Programm kann hier auch als pdf-Datei heruntergeladen werden



Worum geht es?

Der Diskurs über die Menschenrechte nimmt seit dem Ende des Ost-West-Konflikts einen immer breiteren Raum ein und die „humanitäre Intervention“ ist schon fast zum beliebigen Grund für die Führung von Angriffskriegen verkommen. Schleichend wird hier das Recht instrumentalisiert, um wieder das Recht des Stärkeren in den internationalen Beziehungen zu etablieren, wie das Recht auf – völkerrechtswidrige - Intervention. Und die Interventionen selbst missachten sämtliche Standards der Menschenrechte, sie werden beschworen, um begangene Verbrechen zu vertuschen, Straflosigkeit zu rechtfertigen und neue Verbrechen zu legitimieren.

Die Thematisierung der sich ausweitenden Gewaltförmigkeit, ihrer faktischen Legitimierung in der Medienberichterstattung und die damit verbundene Abstumpfung gegenüber dem allgemeinen Rechtsbewusstsein sowie den geltenden Rechtsnormen sind für die AG Friedensforschung an der Universität Kassel Grund, dieser Entrechtlichung den Spiegel des geltenden Rechts vorzuhalten und für die „Stärke des Rechts“ zu plädieren. Ohne dieses Recht drohen Willkür und Anarchie in die internationalen und innerstaatlichen Verhältnisse zurückzukehren. Zugleich soll die Doppelbödigkeit des Diskurses über die Menschenrechte im Westen aufgezeigt werden: Während immer wieder gern auf die Menschenrechte als oberste Richtlinie politischen Handelns verwiesen wird, werden in der „Realpolitik“ eben diese Prinzipien ständig verletzt. Die Rüstungsexportpolitik oder die menschenverachtende Asylpolitik sind nur zwei Beispiele hierfür.

Die Verletzung der Menschenrechte ist oft begleitet von besonders widerwärtigen Formen sexistischer Gewalt als Mittel der Demütigung und Persönlichkeitszerstörung von Frauen und von Männern. Gerade deshalb schien es uns wichtig, ausgewiesene Vertreterinnen der Geschlechterforschung als Referentinnen für den Vorlesungszyklus des Wintersemesters 2005/2006 zu gewinnen, um so einen immer wichtigeren Aspekt der Friedensforschung und der Friedenspolitik zu thematisieren.

Die „Friedensvorlesungen“ der AG Friedensforschungen richten sich nicht nur an Studierende und andere Mitglieder der Universität, sondern auch an die außeruniversitäre Öffentlichkeit in Kassel und Umgebung.

PROGRAMM

Recht des Stärkeren oder Stärke des Rechts?
Menschenrechte in der Welt(UN)Ordnung des 21. Jahrhunderts

Uni-Vorlesungsreihe im Wintersemester 2005/06
Jeweils Montag*, 18.15 – 19.45 Uhr


Ort: Uni Kassel, FB Elektrotechnik, Ehemalige "Ingenieurschule", Wilhelmshöher Allee 73, Hörsaal –1418 (Untergeschoss, unterhalb der Bibliothek)

* Die Eröffnungsveranstaltung findet ausnahmsweise an einem Mittwoch stzatt


Eröffnungsveranstaltung ausnahmsweise am Mittwoch, den 23. November:

Mittwoch, 23. November:
amnesty international: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Universalität der Menschenrechte?
Dr. Anja Mihr, Berlin, Vorsitzende von amnesty international Deutschland

Montag, 28. November:
Algerien – Straflosigkeit im Namen der Versöhnung?
Salima Mellah, Berlin

Montag, 05. Dezember:
"Aladins Wunderlampe“ im Irak – Was vermögen humanitäre Hilfsprojekte in einem konfliktbeladenen Land?
Dr. Eva-Maria Hobiger, Wien

Montag, 12. Dezember:
Die Würde des Menschen ist unantastbar? Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und der alltägliche Ausnahmezustand im Irak
Karin Leukefeld, Bonn

Montag, 16. Januar 2006:
Die EU als strategische Partnerin für Demokratie und Menschenrechte im Nahen und Mittleren Osten?
Dr. Ingrid El Masry, Marburg

Montag, 23. Januar:
„Die Gesundheitscharta der Menschen“ – Das Menschenrecht auf Gesundheit umsetzen!
Katja Maurer, Frankfurt a.M.

Montag, 30. Januar:
Sexualisierte Gewalt im Krieg: Vom Sittenverstoß zum Kriegsverbrechen
Dr. Ruth Stanley, Berlin

Montag, 6. Februar:
„Menschenrechte?“ - Wie unter dem Freihandelsregime aus Recht Unrecht wird
Prof. Dr. Birgit Mahnkopf, Berlin

Montag, 13. Februar:
Die „neuen Kriegerinnen“: Gewalt und Geschlecht in der Neuen Welt-UN-Ordnung
Prof. Dr. Cilja Harders, Bochum


Pro Vorlesung wird von den Teilnehmer/innen ein Unkostenbeitrag von EUR 2,- erhoben (ermäßigt 1 EUR). Studierende haben freien Eintritt


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