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Anhaltende Auseinandersetzungen in Deraa. "Regimegegner" sprechen von 100 Toten. Regierung warnt vor Lügen ausländischer Medien und SMS-Terror

Von Karin Leukefeld *

Die seit einer Woche anhaltenden Auseinandersetzungen in der südsyrischen Stadt Deraa lassen nicht nach. Agenturmeldungen zufolge sollen bei der Beerdigung von Menschen, die tags zuvor erschossen worden waren, am Donnerstag erneut Dutzende Menschen getötet worden sein. Andere Meldungen sprechen von 100 Toten. Nicht näher bezeichnete »Regimegegner« verglichen dpa-Meldungen zufolge das Vorgehen der Sicherheitskräfte mit einem Massaker in Hama 1982. Der damalige Präsident Hafez Al-Assad hatte seinerzeit einen Aufstand der Muslimbruderschaft militärisch niedergeschlagen. Dabei sollen Tausende getötet worden sein, genaue Opferzahlen wurden nie bekannt.

Die Angaben über das aktuelle Geschehen gehen weit auseinander. Unabhängige Berichterstattung gibt es nicht; AFP-Journalisten berichteten bereits Anfang der Woche, die Polizei habe ihnen den Zugang zu Deraa untersagt. Ein syrischer Behördensprecher sagte am Donnerstag, zehn Menschen seien getötet worden, als Unbekannte einer bewaffneten Bande das Feuer auf die Trauermenge eröffnet hätten. Bei der Durchsuchung der Al-Omari-Moschee, die seit vergangenem Freitag zum Zentrum der Proteste geworden ist, hatte die Polizei Waffen, Munition und große Geldmengen sichergestellt. Der syrische Geheimdienst behauptete bei Kontrollen festgestellt zu haben, daß Hunderttausende SMS-Botschaften aus dem Ausland an syrische Mobilnummern geschickt worden waren mit der Aufforderung, die Moscheen zu Zentren des Widerstandes gegen die Regierung von Baschar Al-Assad zu machen. Herkunftsland einiger der Sendenummern sei Israel gewesen. Daß Israel zu solchen Maßnahmen greift, ist aus dem Libanon bekannt. Dort werden die Bewohner des Südens regelmäßig mit SMS-Botschaften aus Israel bedroht, nicht die Hisbollah zu unterstützen, sonst gebe es Krieg. Die libanesische Regierung hat sich darüber bei den Vereinten Nationen beschwert.

Die nicht-staatliche syrische Tageszeitung Al-Watan warnte in ihrer Donnerstagausgabe vor einer »ausländischen Macht, die Millionen Dollar ausgibt mit dem Ziel, die Sicherheit und Stabilität Syriens zu erschüttern«. Vor allem die Prediger seien aufgerufen, den Gläubigen zu erklären, daß sie nicht auf die von ausländischen Medien fabrizierten Lügen hereinfallen dürften.

Erstmals hatte es Proteste am vergangenen Freitag (18. März) nach dem Mittagsgebet in Deraa gegeben. Syrischen Medien zufolge hätten die Menschen gegen Korruption aufbegehrt, einen frei zugänglichen Immobilienmarkt sowie die Senkung von Steuern und Kosten für Brennstoff und Nahrungsmittel gefordert.

* Aus: junge Welt, 25. März 2011


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