Ausweitung des Krieges in Afghanistan und Irak droht ...
... und liegt in der Logik des sog. "Krieges gegen den Terror"
Friedensratschlag: Ausweitung des Krieges droht
Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag
Kassel, 28. Oktober 2008 - Nach dem neuerlichen Bundeswehr-Beschuss von
Zivilisten in Afghanistan und dem US-Angriff auf ein Dorf in Syrien
warnt der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag vor einer
gefährlichen Ausweitung des sog. "Krieges gegen den Terror".
Es vergeht kaum ein Tag, an dem in Afghanistan nicht Zivilpersonen,
darunter Frauen und Kinder, bei Kampfeinsätzen der NATO ums Leben
kommen. So sind am Wochenende acht Mitarbeiter einer Straßenbaufirma bei
einem US-Luftangriff, der sich angeblich gegen "Terroristen" richtete,
getötet worden. Bei einem
Vorfall am letzten Freitag (24. Okt.) haben
Bundeswehrsoldaten an einer Straßensperre ein Auto beschossen und dabei
fünf Insassen verletzt, zwei davon schwer.
Am Sonntag (26. Okt.) flog die US-Armee vom Irak aus einen
tödlichen
Angriff auf ein Dorf in Syrien, etwa acht km jenseits der
irakisch-syrischen Grenze. Fazit: Neun getötete und 14 verletzte
Zivilisten, die mit dem Bau eines zivilen Gebäudes beschäftigt waren.
Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan hat mit dem Krieg der USA im
Irak scheinbar nichts zu tun. Was beide indessen verbindet, ist der
beiden Kriegen zu Grund liegende Auftrag, den internationalen
Terrorismus dort zu bekämpfen, wo er ist, damit er nicht zu uns kommt. Die
Wahrheit sieht in zweifacher Hinsicht anders aus:
-
geht es den USA im Irak und der NATO einschließlich der
Bundesrepublik in Afghanistan nicht in erster Linie um die Bekämpfung
des Terrorismus, sondern um die militärische Durchsetzung
geostrategischer Interessen, die sich um die Kontrolle des
Nahen/Mittleren Ostens und Zentralasiens mit den größten Erdöl- und
Erdgasressourcen der Welt drehen.
- Es liegt in der Logik des "Krieges gegen den Terror", dass er sich
geografisch nicht eingrenzen lässt und in der Konsequenz den ganzen
Erdball zum Kriegsschauplatz erklärt. Längst ist der Afghanistankrieg
auf Pakistan ausgeweitet worden, und die Pläne der USA, mittels
Militärintervention einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen, sind
nicht ad acta gelegt.
Ob der Angriff auf syrisches Territorium zudem eine militärische
Eskalation im Nahen Osten provozieren soll, um dem angeschlagenen
Präsidentschaftskandidaten McCain zurück ins Rennen zu verhelfen, wollen
wir dahin gestellt sein lassen. Wichtiger ist die Botschaft, dass der
US-geführte "Krieg gegen den Terror" keine Rücksicht auf das Völkerrecht
(Unverletzlichkeit der Grenzen) und auf Leib und Leben der Menschen nimmt.
Diesem System hat sich auch die Bundesregierung verschrieben. Es gibt
keine Proteste oder gar diplomatische Demarchen von Seiten Berlins beim
Verbündeten USA wegen der Ausweitung des Kriegs auf Pakistan oder wegen
der US-Kriegsführung in Irak. Wer schweigt, macht sich mitschuldig.
Die Friedensbewegung zieht aus der neuerlichen Eskalation die
Konsequenz, ihren Kampf für die Beendigung des Afghanistaneinsatzes
fortzuführen und zugleich die beginnende Aufklärungskampagne über die
tödliche Militärallianz NATO zu verstärken.
Für den Bundesausschuss Friedensratschlag:
Peter Strutynski (Sprecher)
Zurück zur Syrien-Seite
Zur Irak-Seite
Zur Seite "Friedensbewegung"
Zur Presse-Seite
Zur Afghanistan-Seite
Zurück zur Homepage